Hermann Abke
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- Vorname(n)
- Hermann
- Nachname
- Abke
- Geburtsdatum
- 20. Dezember 1903
- Verfolgungsbedingte Todesart
- Nach Kriegsdienstverweigerung enthauptet
- Beruf
- Dreher
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kam Mitte der 1920er Jahre mit Bibelforschern in Kontakt, ließ sich 1938 als Zeuge Jehovas taufen
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Johannes Peter Nissen (Schwiegervater)
- Mariechen Stuckmann, geb. Nissen (Ehefrau)
- Gertrud Abke (Tochter)
- Lydia Abke (Tochter)
Weiterer Sohn (Name unbekannt)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Hermann Abke besuchte ab 1925 die Vorträge der Bibelforscher und las deren Schriften. Dies beeindruckte ihn nach den Erlebnissen des Ersten Weltkriegs sehr. 1932 verließ er die evangelische Kirche und ließ sich 1938, verstärkt durch den Kontakt zu seiner späteren Frau Mariechen Nissen, die aus einer Familie von Bibelforschern stammte, als Zeuge Jehovas taufen. 1939 heirateten Hermann Abke und Mariechen Nissen. Sie hatten drei Kinder und bekannten sich auch unter Verbot zu ihrem Glauben.
Als Hermann Abke im April 1944 zum Bau-Pionier-Ersatz- und Ausbildungsbataillon 6 nach Arnsberg einberufen wurde, wollte er seine Verweigerung beim Wehrbezirkskommando Herford erklären. Man schickte ihn jedoch weg und forderte ihn auf, die Verweigerung bei seiner Einheit zu erklären. Abke fuhr nach Arnsberg, wo am 2. Mai 1944 vor einem Offizier die Einkleidung und auch das Ablegen des Eides verweigerte. Er gab dabei zu Protokoll: „Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich, beeinflusst durch die Eindrücke des vorigen Krieges, der Auffassung, dass es unchristlich ist, Menschen zu töten. Diese Auffassung finde ich auch in der Bibel begründet. [...] Es verstößt auch gegen meinen Glauben, mich in die Wehrmacht einordnen zu lassen, selbst wenn ich nicht mit der Waffe kämpfen brauche, da die Wehrmacht eine Organisation ist, die den christlichen Grundsätzen widerstreitet. [...] Ich bekenne mich zu den Zeugen Jehovas." (Wrobel: Auf Wiedersehen, S. 244 f.)
Am 18. Mai 1944 erließ das Gericht der Division 176 in Bielefeld Haftbefehl und Hermann Abke wurde am 25. Mai 1944 in das Wehrmachtgefängnis Fort Zinna in Torgau überführt und vom Reichskriegsgericht am 27. Juni 1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Die Kriegsrichter versuchten mehrfach, ihn umzustimmen. Auch seine Frau Mariechen durfte ihn in Torgau besuchen. Im Urteil hielten die Richter schließlich fest: „Er hat erklärt, er habe Jehova ein Gelübde abgelegt, streng nach seinen Geboten zu leben. […] Wer seinem Volke in schwerster Kriegszeit den Wehrdienst hartnäckig und unbelehrbar verweigert, kann nur zum Tode verurteilt werden.“ (Gritschneder: Furchtbare Richter, S. 18.) Am 15. Juli 1944 wurde der Familienvater nach Halle/Saale in das Zuchthaus Roter Ochse zur Hinrichtung gebracht und dort am 17. Juli 1944 enthauptet.
Noch am 15. Juli 1944 schrieb er einen Abschiedsbrief an seine Familie, worin die Worte zu finden sind: „Der Kampf bestand nur darin, daß ich von allen Seiten immer wieder aufgefordert wurde, doch einzugestehen, der Krieg würde nur noch kurze Zeit dauern und vor allen Dingen, ich solle doch an die Kinder denken, die dann doch keinen Vater mehr haben. Ich habe die dazugehörigen Antworten gegeben, aber wir werden nun mal nicht verstanden. Nun mein liebes Mariechen, [meine] lieben Kinder, alle Verwandte und Bekannte, recht herzl[iche] Grüße von Hermann. Auf Wiedersehen!” (Wrobel: Auf Wiedersehen, S. 248, 249.)
(Gritschneder: Furchtbare Richter, S. 16–18; Herrberger: Denn es steht, S. 101, 122 f., 159, 385; Tuchel/Albert: Widerstand als Reaktion auf Krieg, S. 37; Neue Westfälische, 17.11.1990.)
Gedenkzeichen
Der Grabstein von Hermann Abke befindet sich auf dem Gertraudenfriedhof in Halle/Saale, Abteilung 4, Grab 82. Er ist Teil eines Ehrenfeldes, das 1948 angelegt wurde und unter Denkmalschutz steht. Es besteht aus 14 Reihen mit insgesamt 679 Grabsteinen für ermordete Gegner des NS-Regimes. Auf den Grabsteinen stehen nur die Namen sowie das Geburts- und Todesjahr. (Begemann: Lydia Fairweather.)
Am 5. Mai 2011 wurde in der Hardenbergstraße 7 in Herford ein Stolperstein zur Erinnerung an Hermann Abke verlegt. (Westfalen-Blatt, 17.7.2024.)
In der Dauerausstellung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin wird im Bereich 18 „Widerstand im Kriegsalltag“ auf Hermann Abke und sein kompromissloses Eintreten als Kriegsdienstverweigerer hingewiesen. (Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Dauerausstellung Themenkatalog 18, S. 14, 16, 17, 19, 22, 23.)