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Martha Gehrke, geb. Gillmann

Vorname(n)
Martha
Geburtsname
Gillmann
Nachname
Gehrke
1. Ehename
Strunek
Geburtsdatum
23. April 1889
Geburtsort
Abbau Seeburg, Ostpreussen (heute: Jeziorany/Polen)
Todesdatum
23. Januar 1982
Todesort
Berlin-Wilmersdorf, Deutschland
Beruf
Wirtschaftlerin, Straßenbahnfahrerin, Landwirtin

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Martha Gehrke verbreitete nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten Flugblätter und religiöse Literatur und nahm an den verbotenen Zusammenkünften der Zeugen Jehovas teil. Bereits im Frühjahr 1933 wurde sie verfolgt. Bis zu ihrer ersten Verhaftung 1936 fanden mindestens zehn Hausdurchsuchungen bei ihr statt. Sie war zunächst von April 1936 bis zum 20. Mai 1936 in Stettin in Haft und wurde in dieser Zeit zu drei Monaten Gefängnishaft verurteilt. Im Juni 1936 wurde sie aus der Haft entlassen und beteiligte sich weiter an der illegalen Arbeit der Religionsgemeinschaft.

Am 19. April 1937 stand Martha Gehrke in Stettin erneut vor Gericht und wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Verkündung des Urteils wurde sie im Gerichtssaal verhaftet, und das obwohl sie erst am 2. April 1937 im Ueckermünder Krankenhaus operiert worden und die Wunde kaum verheilt war. Sie wurde in das Gefängnis Greifswald verlegt. Nach Strafverbüßung erfolgte - offenbar vom Greifswalder Polizeigefängnis aus - am 18. November 1937 die Überführung in das KZ Moringen. Am 15. Dezember 1937 kam Martha Gehrke in das KZ Lichtenburg. In diesem Lager blieb sie bis zum 15. Mai 1939. Danach wurde sie in das KZ Ravensbrück verlegt. Martha Gehrke wurde am 29. April 1945 in Ravensbrück befreit. Sie verließ das Lager am 29. Juli 1945 und kehrte nach Ueckermünde zurück.

(Projektgruppe Kriegsgräber: Jehovas Zeugen, S. 46–53.)

Verkündigergruppe mit Fahrrädern und Plakaten, wohl in Berlin um 1930. Martha Gehrke ist die zweite von links.
Bibelforscher im Missionsdienst, wahrscheinlich um 1930 in Berlin. Martha Gehrke 2. v. l. (JZArchZE).
Abschrift eines vom Sicherheitsdienst Fürstenberg ausgestellten Dokumentes, das Martha Gehrke als ehemalige Häftlingsfrau des KZ Ravensbrück ausweist. Mit Paßfoto.
Abschrift eines vom Sicherheitsdienst Fürstenberg ausgestellten Dokumentes vom 29. Mai 1945, das Martha Gehrke als ehemalige Häftlingsfrau des KZ Ravensbrück ausweist (LHAS, 7.21-1-2, Z83/1991, Nr. 583).
Bericht von Martha Gehrke vom 25. März 1953 über ihre Leidenszeit im Nationalsozialismus.
Bericht von Martha Gehrke vom 25. März 1953 über ihre Leidenszeit im Nationalsozialismus.
Bericht von Martha Gehrke vom 25. März 1953 über ihre Leidenszeit im Nationalsozialismus (JZArchZE, ZZ Gehrke, Martha).

Widerstand und Verfolgung im Kommunismus

Martha Gehrke war nach Kriegsende die verantwortliche Gruppendienerin für die Gemeinden der Zeugen Jehovas in Ueckermünde und Leopoldshagen. Eine kurzzeitige Inhaftierung in Ueckermünde erfolgte im Herbst 1949, nachdem sie dem Bürgermeister offen erklärte, die DDR werde wie das Hitler-Regime untergehen.

Im Mai 1950 wurde Martha Gehrkes Anerkennung als Verfolgte des Naziregimes rückgängig gemacht. Im Protokoll des zuständigen Kreisprüfungsausschusses vom 23. Mai 1950 wurde dies folgendermaßen begründet: „Frau Martha Gehrke nimmt überhaupt nicht teil am pol[itischen] Neuaufbau unserer Heimat. Sie beteiligt sich nicht an Aktionen und Organisationen, die der Sicherung des Friedens dienen. Wir als V.d.N., als Friedenskämpfer sind verpflichtet, alle Aktionen, die zur Sicherung des Friedens beitragen, stärkstens zu unterstützen. Frau Gehrke […] lehnt die Ächtung der Atomwaffe ab. Durch ihre Handlungsweise schädigt sie das Ansehen der V.d.N. und stellt sich dadurch von selbst außerhalb unserer Reihen. […]“.

Martha Gehrke antwortet darauf u. a.: „[…] Wir Bibelforscher sind nicht nur gegen die Atomwaffe, sondern gegen jegliche Waffen, auch die der Volkspolizei. Wir haben das schon unter Beweis gestellt und brauchen das nicht durch eine Unterschrift, die von den meisten Menschen in heuchlerischer Weise geleistet wird, bekräftigen. Wir sind für den absoluten Frieden und werden uns nicht an Unterschriftensammlungen usw. beteiligen.“

Weiter erklärte sie, nachdem sie klargestellt hatte, dass sie in allen Punkten nach der Verfassung handele, die Religionsfreiheit garantiere: "Die Polizei in Ueckermünde handelt aber nicht danach. Bei mir wurden Schriften beschlagnahmt, die ich bis heute noch nicht zurückbekommen habe.“

Nachdem Martha Gehrke 1950 eine erneute Verhaftung angedroht wurde, floh sie nach Westberlin. Daraufhin wurde sie enteignet. Haus und Hof in Ueckermünde fielen in die Hände des Staates.

(Projektgruppe Kriegsgräber: Jehovas Zeugen, S. 46–53.)

Gedenkzeichen

Am Bornbruchweg 3 in Ueckermünde wurde am 19. Mai 2026 im Beisein von Jürgen Kliewe (Bürgermeister Ueckermünde), Uwe Neumärker (Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas), Uwe Langhals (Arnold-Liebster-Stiftung), Schülerinnen der AG „Kriegsgräber“ an der Europaschule sowie weiteren interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Stolperstein für Martha Gehrke verlegt. Dieser Stein gilt als der 500., der an Männer und Frauen aus der christlichen Religionsgemeinschaft erinnert. (Scherfling: Fünf neue Stolpersteine.)

Externe Medien

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