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Anna Löckenhoff, geb. Ibing

Vorname(n)
Anna
Geburtsname
Ibing
Nachname
Löckenhoff
Geburtsdatum
7. April 1879
Geburtsort
Broich (heute Mülheim an der Ruhr), Deutschland
Todesdatum
10. September 1942
Todesort
Düsseldorf, Deutschland
Verfolgungsbedingte Todesart
Kam bei einem Bombenangriff ums Leben

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Die Witwe Anna Löckenhoff war in Düsseldorf als „Wanderpredigerin“ bekannt. Für ihre Missionstätigkeit verwendete sie diese Zeugniskarte:

Hellbraune Karte mit einem Text. Der Überbringer äußert den Wunsch, dass der Gesprächspartner sich mit der Bibel und der Botschaft vom Königreich Gottes befasst.
Zeugniskarte von Anna Löckenhoff aus dem Jahr 1936, die sie Hausbewohnern zum Lesen überreichte, um Gespräche über die Bibel zu beginnen (LAV NRW R, Ger. Rep. 114, 8281).

Leitende Seelsorger der Düsseldorfer Gemeinde organisierten in ihrer Wohnung in der Achenbachstraße 53 bereits 1935 geheime Zusammenkünfte zum Bibelstudium und Taufen von neuen Gläubigen in einer Badewanne. Ab 1941 befand sich hier einer der Knotenpunkte für die Kontaktaufnahme zwischen den beiden leitenden Landesdienern – Narciso Riet und Julius Engelhard – sowie den Männern und Frauen im Ruhrgebiet und Rheinland, die Literatur druckten und als Kuriere verteilten – unter ihnen Edith Etzkorn, Agnes Brass und Else Woicziech aus Düsseldorf, Luise Pakull aus Neuss, Edith Steinhoff aus Mülheim und Auguste Hetkamp aus Oberhausen-Sterkrade.

Anna Löckenhoff wurde mehrmals denunziert, verhaftet, angeklagt und zu Strafen verurteilt:

  • April 1935 – zwei Tage Haft

  • November 1935 Landgericht Düsseldorf – Geldstrafe von 200 RM

  • März 1936 Schöffengericht Düsseldorf – sechs Monate Gefängnisstrafe

  • Mai 1938 Sondergericht Düsseldorf – acht Monate Gefängnisstrafe (mit drei Jahren Bewährungsfrist erlassen)

1936 schrieb Anna Löckenhoff zu ihrer Verteidigung aus dem Gefängnis Düsseldorf-Derendorf an den Oberstaatsanwalt: „Auch heute findet auf der allweiten Erde die Verkündigung statt: ‚Das Evangelium vom Reiche Gottes wird auf der ganzen Erde zum Zeugnis für alle Völker gepredigt werden und dann erst wird das Ende kommen.‘ Matth[äusevangelium] 24:14. […] Und so verkündigen die Zeugen Jehovas von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende in 90 Ländern in über 60 Sprachen: Das Königreich Gottes ist herbeigekommen.“

Das Düsseldorfer Tageblatt vom 24. März 1936 berichtete unter der diffamierenden Überschrift „Zersetzende Tätigkeit der ‚Zeugen Jehovahs [sic!]‘“ über die Verurteilung von Anna Löckenhoff und Frieda Hamann und behauptete, dass die Lehre der Zeugen Jehovas „nachgewiesenermaßen […] von Kommunisten verbreitet wird, die auf diesem Umwege das Volk zu zersetzen hoffen“.

Obwohl Anna Löckenhoff nach Verbüßung der sechsmonatigen Haftstrafe „in einem schlechten körperlichen Zustand“ entlassen wurde, nahm sie am 12. Dezember 1936 dennoch entschlossen an der reichsweiten Verteilung der Flugblätter „Resolution“ teil, die sie von Wilhelm Schürmann erhalten hatte. Zwischen den Flugblättern befand sich in einem offenen Briefumschlag ein kleiner Zettel mit einem Bibelvers aus Hesekiel 3,18: „Ich aber sage dir, daß du den Gesetzlosen warnen sollst von Meinetwegen so spricht Gott zu dem Propheten Hesekiel! Kehrt er um von seinen bösen Wegen, so ist er seines Lebens sicher!“

Die Verteilung von Flugblättern „Offener Brief“ am 20. Juni 1937 konnte ihr von der Gestapo nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Trotzdem forderte die Behörde in ihrem Ermittlungsbericht vom 3. März 1938 für die „schwächliche, hochbetagte Frau“ eine „exemplarische Bestrafung“. Nach Auffassung des Sondergerichts Düsseldorf habe sich die Angeklagte „in krankhafter Weise in die Ideen der IBV verrannt“, außerdem „den Zusammenhang innerhalb der verbotenen IBV aufrechterhalten und sich an der verbotenen Verbreitung des Gedankenguts der IBV beteiligt“.

1941 lernte Anna Löckenhoff die junge Zeitungs- und Werbefachkauffrau Edith Etzkorn aus Hilden kennen, die ihr praktische Hilfe leistete und zur Religionsgemeinschaft konvertierte. Edith Etzkorn lernte durch Anna Löckenhoff Narciso Riet kennen, war in zentraler Funktion unter dem Decknamen „Erika“ als seine „rechte Hand“ tätig und bei den religiösen und organisatorischen Besprechungen passten die Aktivisten das konspirative Netzwerk für Zentraleuropa immer wieder an, um die Gläubigen im ganzen Reich mit Informationen, biblischer Bildung und humanitärer Hilfe zu versorgen.

Bei einem schweren Bombenangriff auf fast alle Stadtteile von Düsseldorf in der Nacht vom 10. September 1942 starb Anna Löckenhoff.

(LAV NRW R, RW 0058 Nr. 24893; Ger. Rep. 114 Nr. 470, 1212, 8281.)

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