Agnes Brass, geb. van Trist
- Vorname(n)
- Agnes
- Geburtsname
- van Trist
- Nachname
- Brass
- Geburtsdatum
- 4. Juli 1906
- Geburtsort
- Vorst (heute Tönisvorst), Deutschland
- Beruf
- Modistin und Schneiderin
- Erstkontakt und/oder Taufe
- 1934 Kirchenaustritt und Anschluss an Jehovas Zeugen
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Otto Brass (Ehemann)
- Gertrud Brass (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Agnes Brass stand bei der Gestapo als „fanatische Bibelforscherin“ unter Beobachtung und wurde 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet. Zusammen mit ihrem Ehemann Otto Brass erzog sie die gemeinsame Tochter Gertrud nach christlichen Prinzipien. In der gemeinsamen Wohnung fanden ab 1935 regelmäßig geheime Zusammenkünfte statt. Agnes Brass war bis 1944 als Kurierin im konspirativen Netzwerk um Narziso Riet und Julius Engelhard tätig, das die Gläubigen in Zentraleuropa über die Schweiz, Österreich, Italien und Tschechien mit Literatur zur Bibel sowie Informationen und Mitteilungsblättern über die Situation von Mitgläubigen in den Konzentrationslagern versorgte.
„Ich könnte einer Aufforderung, in einer Munitionsfabrik zu arbeiten keine Folge leisten, weil das Gesetz Gottes (die Bibel) ausdrücklich sagt: ‚Du sollst nicht töten.‘“
„Ich könnte einer Aufforderung, in einer Munitionsfabrik zu arbeiten keine Folge leisten, weil das Gesetz Gottes (die Bibel) ausdrücklich sagt: ‚Du sollst nicht töten.‘“, ließ Agnes Brass 1944 in einem Verhör protokollieren. Offensichtlich konnten die Verurteilung ihres Mannes zu zwei Jahren Gefängnis Ende 1937 und erste Verhöre Anfang 1938 sie nicht abschrecken. Ein Anklageverfahren vor dem Sondergericht Düsseldorf gegen Agnes Brass wurde am 18. Mai 1938 „auf Grund des Amnestiegesetzes vom 30. April 1938 eingestellt“, doch als ihr Ehemann im November 1939 in die „Schutzhaft“ eines Konzentrationslagers überführt werden sollte, kam ihr Erziehungsstil in den Fokus der Gestapo. Dazu wurden Ermittlungen im Bekanntenkreis von Agnes Brass sowie bei der Schulleitung der Helmholtzschule und der Lehrerin von Gertrud angestellt. Eine „schulabgewandte Erziehung“ sei jedoch nicht beobachtet worden. Agnes Brass erklärte im Gestapoverhör:
„Meine Tochter Gertrud, die heute 6 Jahre alt ist und die Volksschule besucht, werde ich als einen ehrlichen und brauchbaren Menschen erziehen, wie es sich als Christ geziemt. Ich habe mein Kind bisher […] nicht in staatsgegnerischem Sinne erzogen oder beeinflusst. Es fügt sich den Anordnungen der Schule. Ihre derzeitige Lehrerin […] kann darüber Auskunft geben, wie sich mein Kind in der Schule verhält und ob es irgendwie von mir nachteilig beeinflusst ist. Ich überlasse meinem Kinde zu gegebener Zeit selbst die Entscheidung, ob und welche Religion es anzunehmen wünscht.“
Zwar hatte sie wenige Wochen zuvor ihrem Ehemann bei einem kurzen, genehmigten Besuch im Polizeigefängnis Düsseldorf zugerufen: „Halt den Kopf hoch und wenn sie Dich erschiessen [sic!], so sei dennoch mutig“, trotzdem nahm die Gestapo „vorläufig von der Einleitung eines Sorgerechtsentziehungsverfahrens Abstand“.
Nach intensiver Fahndung zwischen Februar und Juni 1944 und enger Zusammenarbeit der Gestapoleitstelle Berlin mit den Gestapostellen Dresden, Düsseldorf, Essen, Ratingen, Wuppertal und München, um das reichsweite, konspirative Netzwerk der Zeugen Jehovas endgültig aufzulösen, gelang es der Gestapo Essen schließlich am 13. April 1944, Agnes Brass und Hugo Raspel aus Solingen zu verhaften. Ein Richter erließ am 12. Mai 1944 Haftbefehl.
Die Gestapo wies nach, dass Agnes Brass
bei konspirativen Zusammenkünften in der Wohnung von Anna Löckenhoff in Düsseldorf mit den leitenden Seelsorgern Narziso Riet und Julius Engelhard sowie mit Luise Pakull, Edith Steinhoff, Edith Etzkorn und Auguste Hetkamp zu regelmäßigen religiösen und organisatorischen Besprechungen zusammengekommen war,
regelmäßig verbotene Schriften von Anna Löckenhoff, später von Edith Etzkorn erhielt und diese an Maria Derendorf weitergab, die sich illegal in Dresden und Berlin im Untergrund aufhielt,
mit Luise Pakull aus Neuss, Herbert Herold aus Düsseldorf und Hugo Raspel aus Solingen zusammengearbeitet hatte.
Ihre „Straftat: Vorbereitung zum Hochverrat“. Agnes Brass war vom 16. November bis 18. Dezember 1944 im Gerichtsgefängnis Hamm gefangen und wurde am 18. Dezember 1944 nach Cottbus, in das dortige Frauenzuchthaus, überführt. Nach ihrer Befreiung zog sie mit ihrer Familie nach Ratingen.
(StA DÜ, Standesamt Düsseldorf Mitte 5674/02, 666/29, 783/31, 500/33, Standesamt Ratingen 306/68, Historische Einwohnermeldekartei, Sign. 7-4-3-34-0176; LAV NRW R, Akte RW 58 Nr. 49320, 64120, 24893, 22840, 65769; Akte Ger. Rep. 114 Nr. 1212; ITS Arolsen Archives, Teilbestand 1.2.2.1 / Sign. 12047440, 12047441, 12047516; Stadtarchiv Wülfrath, Schreiben vom 12.11.2024.)