Berlin-Friedrichshain, Frauengefängnis Barnimstraße
Adresse
Frauengefängnis Barnimstraße Berlin
Berlin-Friedrichshain, Barnimstraße 10, Deutschland
Informationen zum Ort
1864 wurde in der Barnimstraße im späteren Berliner Bezirk Friedrichshain ein Gefängnis errichtet. Ab 1868 war es unter dem Namen „Königlich-Preußisches Weiber-Gefängnis“ bekannt. Anfang des 20. Jahrhunderts bot es Platz für über 350 weibliche Häftlinge. Zu den Einrichtungen gehörten auch eine Entbindungsstation, eine Mutter-Kind-Abteilung und ein Lazarett.
Die Gestapo nutzte das Gefängnis als Untersuchungshaftanstalt. Vermehrt wurden hier politische Häftlingsfrauen inhaftiert. Die Gefangenen wurden gezwungen Zwangsarbeit zu leisten. Zu den Insassinnen gehörten auch etwa 300 Frauen, die in der Barnimstraße die letzten Wochen vor ihrer Hinrichtung in Berlin-Plötzensee verbringen mussten, darunter die Zeuginnen Jehovas Helene Gotthold, Henriette Meyer, Luise Pakull, Klara Stoffels, Else Woicziech und Emmy Zehden, die 1944 wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt wurden. Mathilde Hengeveld, die letzte Zeugin Jehovas, deren vom Volksgerichtshof gefälltes Todesurteil vollstreckt wurde, saß bis zum 12. Januar 1945 in der Barnimstraße ein.
Nach 1945 wurde das Gefängnis zumindest zeitweise auch zur Unterbringung männlicher Häftlinge genutzt. Im Januar 1951 kam es unter die Zuständigkeit der Deutschen Volkspolizei. Eine Reihe von Zeuginnen Jehovas, im Zuge des Verbotes der Religionsgemeinschaft in der DDR 1950 festgenommen, waren in der Barnimstraße inhaftiert. 1974 ließ man die Gebäude abreißen. In der Folge entstanden hier zunächst ein Sportgelände und später ein Verkehrsgarten.
(Wesner/Strube: Das Frauengefängnis Barnimstraße; Bersch/Hesse: DDR-Frauenstrafvollzug , S. 37, 162.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
- Helene Gotthold, geb. Nieswand
- Mathilde Hengeveld, geb. Nicolaus
- Elfriede Hupperts, geb. Gesink
- Henriette Meyer
- Luise Pakull
- Elisabeth Pützmann, geb. Radomsky
- Klara Stoffels, geb. Wiechert
- Else Woicziech
- Emmy Zehden, geb. Windhorst
Gedenkzeichen
Heute erinnert eine Gedenktafel am Zaun der Jugendverkehrsschule Friedrichshain an das ehemalige Frauengefängnis. (https://www.gedenktafeln-in-berlin.de/gedenktafeln/detail/frauengefaengnis-barnimstrasse/2836 [Zugriff am 1.6.2026].)