Luzern, Kunst- und Kongresshaus
Adresse
Kunst- und Kongresshaus Luzern
Europaplatz 1, Luzern, Schweiz
Das Kunst- und Kongresshaus der Stadt Luzern war ein Bau des Architekten Armin Meili, welcher bis 1933 fertiggestellt wurde. Das Gebäude, das auch das Kunstmuseum beherbergte, befand sich am Ufer des Vierwaldstätter See. Der kleine Saal hatte 300 Sitzplätze, während der große Saal neben einem großem Podium noch Platz für 1.200 Personen bot. Wenn man die Trennwand und das Podium entfernte, konnten 2.500 Personen Platz finden. Das Gebäude wurde 1970 bis 1972 erweitert und 1996 abgerissen. Seit 1998 steht an gleicher Stelle der neue Bau des Kultur- und Kongresszentrum Luzern.
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Vom 4. bis zum 7. September 1936 fand im Kunst- und Kongresshaus der Stadt Luzern ein internationaler Kongress von Jehovas Zeugen statt, zu dem der Präsident der Wacht Tower Society, Joseph F. Rutherford, aus den USA, sowie Delegierte aus den meisten Ländern Europas angereist waren. Aus Deutschland planten über 1.000 Zeugen Jehovas den Kongress zu besuchen, doch zwei Wochen zuvor initiierte die Gestapo eine Welle von Massenverhaftungen, um dies zu verhindern. Dennoch gelang es rund 300 Gläubigen heimlich die Grenze in die Schweiz zu überqueren. Nach einer Missionskampagne am Morgen des 7. September 1936, bei der 2.000 Exemplare der Broschüre „Entscheidung - Reichtum oder Ruin - was wählst du?“ beschlagnahmt wurden, verbot der Regierungsrat des Kanton Luzern den für den Abend angekündigten Vortrag „Harmagedon, die Schlacht Gottes“ von Joseph F. Rutherford. Als etwa 40 Polizisten die Eingänge schlossen, waren die Säle jedoch schon gut gefüllt und Joseph F. Rutherford hielt den Vortrag. Noch am Nachmittag hatten Jehovas Zeugen kurzfristig den Inhalt des Vortrags in einer Broschüre drucken lassen, die an die rund 400 Personen verteilt wurde, die keinen Einlass mehr bekommen hatten.
Nach einem Bericht des Luzerner Tageblatts vom 5. September 1936 versammelten sich zu dem Kongress 2.500 bis 3.000 Personen. Auf dem Kongress wurde die Luzerner Resolution verlesen und an die Anwesenden verteilt. In der Resolution wurde gegen die Verfolgung von Zeugen Jehovas in Deutschland und anderen Ländern, sowie gegen die Unterstützung der Verfolgung durch die römisch-katholische Kirche protestiert. Etwa 2.000 Exemplare wurden versandt, u.a. an Papst Pius XI., Adolf Hitler und verschiedene Regierungsstellen in Deutschland. Anschließend wurden 300.000 Exemplare der Resolution vom Zentraleuropäischem Büro der Zeugen Jehovas in Bern gedruckt, von denen um die 200.000 über das Zweigbüro in Prag in das Deutsche Reich geschmuggelt wurden. Mindestens 3.450 deutsche Zeugen Jehovas verbreiteten die Resolution am 12. Dezember 1936 zwischen 17.00 und 19.00 Uhr, indem sie sie in Briefkästen steckten oder unter Haustüren schoben.
Unter der Leitung von Joseph F. Rutherford wurde die Tätigkeit der Zeugen Jehovas in Deutschland anlässlich des Kongresses neu organisiert. Die Verantwortung wurde Erich Frost und Heinrich Dietschi übertragen.
Die Gestapo hatte auf dem Kongress Spitzel eingesetzt, die heimlich die Anwesenden fotografierten. Viele der Kongressbesucher wurden nach ihrer Rückkehr nach Deutschland verhaftet und kamen in die Konzentrationslager. Eine weitere Verhaftungswelle erfolgte nach der Verbreitung der Resolution im Dezember 1936.
(Martinet: Jehovas Zeugen Schweiz, S. 624, 635–643; WTG: Jahrbuch 1987, S. 147–150.)