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Gertrud Ott

Vorname(n)
Gertrud
Nachname
Ott
Geburtsdatum
24. Juli 1910
Geburtsort
Freie Stadt Danzig (heute Gdańsk/Polen)
Todesdatum
14. März 1997
Beruf
Kindergärtnerin
Erstkontakt und/oder Taufe
Seit Kindheit durch das Elternhaus Kontakt mit Bibelforschern, ließ sich 1934 als Zeugin Jehovas taufen

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Gertrud Ott aus Lodz besuchte 1936 den Kongress der Zeugen Jehovas Luzern (Schweiz), auf dem die Tätigkeit der Religionsgemeinschaft im Deutschen Reich neu organisiert und eine Protestresolution gegen die Verfolgung durch die deutsche Regierung verabschiedet wurde. Danach wurde sie festgenommen und für sechs Monate inhaftiert.

Am 10. Juni 1942 wurde Gertrud Ott in der Wohnung der Familie Jakobi in Lodz ein weiteres Mal verhaftet. Vom Polizeigefängnis für Frauen in Lodz kam sie am 12. November 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz. Unter den 24 deportierten Frauen befanden sich mindestens 13 Zeuginnen Jehovas. Gertrud Ott gelang es Wachtturm-Artikel in ihrer Kleidung eingenäht nach Auschwitz zu schmuggeln. Im Lager erhielt sie die Häftlingsnummer 24.417. Sie missionierte in Auschwitz und taufte dort heimlich die Häftlingsfrau Martha Proppe.

Eine junge Frau wird zunächst seitlich von rechts, dann von vorn und schließlich im Halbprofil mit Kopftuch aufgenommen. Auf dem ersten Bild ist der Schriftzug IBV, KL Auschwitz und die Häftlingsnummer zu sehen.
Gertrud Ott im KZ Auschwitz, 1942 (www.auschwitz.org).

Gertrud Ott wurde mit 18 weiteren Zeuginnen Jehovas zur Arbeit in ein Hotel geschickt, in dem Familien von SS-Männern lebten. Als sie eines Tages Fenster putzte, wurde sie von zwei in Freiheit lebenden Glaubensschwestern an ihrem lila Winkel auf der Häftlingskleidung erkannt. „Wir sind auch Schwestern“, murmelten sie im Vorübergehen. Bei einem nächsten Treffen konnten die Frauen Gertrud Ott auf der Toilette des Hotels sprechen. Von da an kamen sie regelmäßig und brachten Ausgaben der Zeitschrift „Der Wachtturm“ und andere Mitteilungen, die auch in das KZ Ravensbrück weitergeleitet wurden.

Gertrud Otts Freundin Alma Jakobi, ebenfalls Auschwitz-Häftling, arbeitete im Haushalt eines SS-Mannes und konnte ein Treffen von Gertrud Ott mit zwei ihrer noch in Freiheit lebenden Verwandten arrangieren. Dabei erfolgte - wieder auf der Toilette des Hotels - die Übergabe von 15 Briefen. Bei weiteren Gelegenheiten erhielt Gertrud Ott in einem unkontrolliertem Paket eine Bibel und ein Liederbuch sowie in einem Marmeladenglas versteckte schriftliche Nachrichten.

Als sich die Rote Armee Auschwitz näherte, wurden bis zum 18. Januar 1945 die meisten KZ-Häftlinge evakuiert. Die Frauen wurden zunächst drei Tage zu Fuß über vereiste Straßen getrieben und daraufhin mit dem Zug zum KZ Groß-Rosen transportiert, wo sie zwei Wochen blieben. Als auch dieses KZ evakuiert wurde, gehörte Gertrud Ott mit Elsa Abt und Alma Jakobi zu einer Gruppe von zwölf Zeuginnen Jehovas, die am Zaun des Männerlagers zum Abschied ihrer Glaubensbrüdern noch ein Lied der Zeugen Jehovas mit dem Titel „Alle Getreuen, alle Ergebenen sind von der Menschenfurcht frei“ sangen. Auf der nächsten Station, dem KZ Buchenwald, wurde die Gruppe wegen Überfüllung nicht aufgenommen. Über das KZ Mauthausen, ging der Transport dann in das KZ Bergen-Belsen, wo sie am 26. Februar 1945 eintrafen.

Bei der Pflege fieberkranker Glaubensschwestern infizierte sich Gertrud Ott, überlebte aber. Sie gehörte zu den 61 namentlich bekannten Zeugen Jehovas, die die Befreiung des KZ Bergen-Belsen am 15. April 1945 durch britische Truppen erlebten. Ihr Vater war im KZ Stutthof ums Leben gekommen.

Ab 1952 war Gertrud Ott als Auslandsmissionarin der Zeugen Jehovas in Indonesien, dem Iran und Luxemburg tätig. Im Alter lebte sie im Zweigbüro der Zeugen Jehovas in Selters (Taunus).

Eine ältere Frau mit Brille blickt in die Kamera.
Gertrud Ott, 1994 (JZArchZE).

(Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 55, 105, 110, 178, 185 f.; Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 59, 66, 160 f.; WTG, Jahrbuch 1974, S. 200 f.; Dornik: Gerettet, S. 69.)

Gedenkzeichen

In der 2025 im Zweigbüro Zentraleuropa von Jehovas Zeugen in Selters (Taunus) eröffneten Ausstellung „Niemals allein“ wird auch die Geschichte von Gertrud Ott erzählt.

Externe Medien

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