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Richard Zehden

Vorname(n)
Richard
Nachname
Zehden
Geburtsdatum
29. Dezember 1887
Geburtsort
Magdeburg, Deutschland
Todesdatum
5. November 1943
Verfolgungsbedingte Todesart
Im Konzentrationslager ermordet
Beruf
Verkäufer
Erstkontakt und/oder Taufe
Kontakt seit Anfang der 1930er Jahre, Taufe im Jahr 1935

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Richard Zehden stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Er arbeitete als Verkäufer für ein exklusives jüdisches Kaufhaus in Berlin. Trotz Widerstands seiner Familie heiratete er 1927 Emmy Windhorst, die bereits 1923 ihren Neffen Horst Schmidt als Pflegesohn in ihrem Haushalt aufgenommen hatte. Für Richard Zehden wurde der siebenjährige Horst bald wie ein eigener Sohn. Ab 1929 lebte die Familie in der Franzstraße 32 in Spandau. Durch Otto und Jasmine Muhs lernten Richard und Emmy Zehden Jehovas Zeugen kennen.

Nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft im Juni 1933 fanden in der Wohnung von Richard und Emmy Zehden illegale Zusammenkünfte der Spandauer Zeugen Jehovas statt. 1935 ließen sich beide zusammen mit ihrem Pflegesohn Horst Schmidt in der Badewanne ihrer Wohnung taufen. Als Zeugen Jehovas verweigerten sie den Hitlergruß sowie das Aufhängen von Hakenkreuzfahnen, was sie zunächst dadurch erklären konnten, dass dies von Richard Zehden als gebürtigen Jude nicht erwartet wurde. Anfang 1937 wurde er schließlich erstmals wegen seines neuen Glaubens verhaftet und zunächst im Untersuchungsgefängnis Moabit inhaftiert. Am 8. Februar 1937 erfolgte seine Überführung nach Berlin-Plötzensee, wo er bis zum 10. Mai 1938 eine Haftstrafe verbüßte.

Während der Haftverbüßung war sein jüdischer Arbeitgeber gezwungen sein Kaufhaus zu schließen und Richard Zehden hatte seine Arbeit verloren hatte. Dadurch verarmte die Familie.

Fünf gut gekleidete Personen und ein Schäferhund sitzen auf einem Feld.
V.l.n.r.: Richard Zehden, ein Cousin von Emmy Zehden, Horst Schmidt, Emmy Zehden und ihre Schwester Mimi, 1930er Jahre (JZArchZE).

Im selben Jahr klagten die leiblichen Eltern von Horst Schmidt auf das Sorgerecht ihres inzwischen 18jährigen Sohnes und das Gericht urteilte, dass ein „arisches“ Kind nicht von einem Juden erzogen werden dürfe. Horst Schmidt wurde dreimal durch einen Gerichtsvollzieher von seinen Pflegeeltern weggebracht, kam aber jedes Mal zu ihnen zurück. Infolge konnte er keine Schule mehr besuchen und flüchtete beim erneutem Erscheinen des Gerichtsvollziehers jeweils über den Balkon. Seine Pflegeeltern erhielten für ihn keine Lebensmittelkarte und für Richard Zehden – als Juden – auch nur eine halbe Karte. Die Familie lebte in dieser Zeit in absoluter Armut. Horst Schmidt war seit 1935 nicht mehr polizeilich gemeldet und hielt sich bei seiner Tante und Pflegemutter verborgen. Aus diesem Grund meldete er sich auch nicht zur Erfassung als Wehrpflichtiger. Ab 1940 wurde er deshalb vom Wehrbezirkskommando Berlin-Schöneberg gesucht und von der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben. Im November 1940 und im März 1941 vernahm die Kriminalpolizei aus diesem Grund Emmy Zehden, die aber den Aufenthaltsort ihres Neffen nicht verriet. So konnte sich Horst Schmidt der Einberufung entziehen.

Die Wohnungsbaugesellschaft kündigte 1941 oder 1942 die Wohnung der Zehdens, da sie keine Juden in ihren Häusern duldete. Daraufhin zog die Familie in den Krielower Weg 25 in Hohengatow.

Zwei Personen sitzen auf einem neben einer Straße abgestellten Holzkarren, während eine Frau hinter ihnen steht.
Emmy Zehden (Mitte) mit ihrem Ehemann Richard und einer Freundin, 1930er Jahre (JZArchZE).

Emmy und Richard Zehden erstellten in ihrer Wohnung Abschriften des verbotenen Wachtturms auf Matritzen. Diese wurden mittels eines Vervielfältigungsapparats in der Gärtnerei Muhs abgezogen. Als Kurier brachte Horst Schmidt die Kopien nach Greiz, später auch nach Stettin, Danzig und Königsberg. Im vogtländischen Greiz lernte er Familie Gassner kennen, die ihm den Kontakt zur Familie Liebold in Rentzschmühle bei Plauen vermittelte. Gerhard Liebold, dessen Vater Kurt Liebold bereits wegen Wehrkraftzersetzung hingerichtet worden war, befand sich ebenfalls im Konflikt mit seinem Gewissen. Emmy Zehden besuchte daraufhin im Sommer 1941 Familie Liebold und erklärte sich bereit, Gerhard Liebold in ihrer Wohnung aufzunehmen. Emmy Zehden lud zunächst Gerhard Liebold und seinen jüngeren Bruder Heinz Liebold nach Berlin ein. Beide kamen im August 1941 für eine Woche zu Familie Zehden auf Besuch und lernten dort auch Horst Schmidt persönlich kennen. Die jungen Männer unterhielten sich dabei auch über eine bevorstehende Einberufung und die Verweigerung des Wehrdienstes. Als Gerhard Liebold kurz nach Rückkehr nach Plauen, wo er damals wohnte, einen Einberufungsbefehl zur Luftwaffe für den 1. Oktober 1941 erhielt, flüchtete er in die Wohnung der Familie Zehden.

Im Sommer 1942 war Emmy Zehden nach Cossengrün gereist. Dort traf sie in einem Café in Greiz auf Werner Gassner, der sich als Soldat auf Heimaturlaub bei seiner Familie befand, die ebenfalls Zeugen Jehovas waren. Auch er berichtete ihr über seinen Gewissenskonflikt als Soldat. Emmy Zehden lud ihn ebenfalls nach Berlin ein. Nachdem Werner Gassner wieder zu seiner Einheit nach Süd-Frankreich zurückgekehrt war, nutzte er am 8. September 1942 eine im Kriegslazarett abgeschlossene Zahnbehandlung, um nicht zu seiner Truppe zurückzukehren, sondern mit gefälschten Militärpapieren nach Berlin zu fliehen. Da die Zehdens jederzeit mit einem Besuch der Gestapo rechnen mussten, brachte Emmy Zehden Gerhard Liebold und Werner Gassner in einer Gartenlaube der Familie Muhs unter. Dort besuchte Elsbeth Keilig 1942 mehrfach ihren Verlobten Gerhard Liebold. Auch sie verschwieg in Vernehmungen durch die Polizei den Aufenthalt der jungen Männer.

Anlässlich einer Fahndungskontrolle durch die Kriminalpolizei am 24. September 1942 fand man in der Wohnung der Zehdens den Koffer von Werner Gaßner mit seiner Uniform und seinen Ausweispapieren. Emmy und Richard Zehden wurden in ihrer Wohnung verhaftet und in der Untersuchungshaftanstalt Alt-Moabit inhaftiert. Gerhard Liebold, Werner Gassner, Otto und Jasmine Muhs wurden am 31. Dezember 1942 ebenfalls verhaftet. Gerhard Liebold und Werner Gassner wurden von Kriegsgerichten zum Tode verurteilt und im Frühling 1943 in Brandenburg-Görden enthauptet.

Am 13. April 1943 wurden Richard und Emmy Zehden in das Polizeigefängnis am Alexanderplatz überführt. Mehrere Anträge von Emmy Zehden, ihren Ehemann zu besuchen, wurden abgelehnt. Richard Zehden wurde in das KZ Sachsenhausen gebracht und starb dort am 5. November 1943. Für die Vermutung, dass er in Auschwitz ermordet wurde, gibt es keine Belege. Emmy Zehden wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „landesverräterische Feindbegünstigung“ am 9. Juni 1944 in Berlin-Plötzensee enthauptet.

(Schmidt: Der Tod; Gedenkstätte Deutscher Widerstand: für immer ehrlos , S. 22–32; Tuchel/Albert: Widerstand als Reaktion auf Krieg, S. 35.)

Gedenkzeichen

In der Franzstraße 32 in Berlin-Wilhelmstadt wurden am 10. Oktober 2011 drei Stolpersteine zur Erinnerung an Richard Zehden, Emmy Zehden und Horst Schmidt verlegt. Nach Emmy Zehden wurde in Berlin und in Lübbecke jeweils eine Straße benannt.

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