Emilie Berke
- Vorname(n)
- Emilie
- Nachname
- Berke
- Geburtsdatum
- 5. Mai 1872
- Geburtsort
- Repelen, Deutschland
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Um 1931 Erstkontakt, 1935 Taufe als Zeugin Jehovas
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Wilhelm Berke (Ehemann)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Emilie Berke wurde 1935 durch den Zeugen Jehovas Otto Hamann in der Wohnung von Albert und Anna Harte getauft und galt für die Gestapo als „äußerst aktive [und] besonders fanatische Bibelforscherin“. Sie besuchte nicht nur konspirative Zusammenkünfte zum Bibelstudium in den Wohnungen der Mitgläubigen Budde, Harte, Derendorf und Weinelt, sondern stellte dafür ebenso ihre eigene Wohnung zur Verfügung, leitete die verbotene Zeitschrift „Der Wachtturm“ regelmäßig an Mitgläubige weiter und missionierte ihren Glauben. „Ich habe es aus Liebe zu Gottes Wort getan“, gab sie im Gestapoverhör im November 1937 zu Protokoll. „Meine innere Stimme sagte mir […], dass ich diese Verkündigung fortführen müsse, weil es Gottes Gebot wäre.“
„Ich habe es aus Liebe zu Gottes Wort getan. Meine innere Stimme sagte mir […], dass ich diese Verkündigung fortführen müsse, weil es Gottes Gebot wäre.“
Am 15. Dezember 1936 beteiligte sie sich zusammen mit ihrem Ehemann in der Elisabethstraße in Düsseldorf an der Verteilung von rund 100 Exemplaren der Flugblätter „Resolution“, die blitzartig im ganzen Reich zwischen 17 und 19 Uhr in Briefkästen und unter Türen gelegt wurden. An der Verteilung der Flugblätter „Offener Brief“ im Juni 1937 hätten sie und ihr Mann sich nicht beteiligt, da sie verreist waren, gab sie im Gestapoverhör zu Protokoll.
Nach ersten Verhören im September 1937 kam sie zwar aus der „Schutzhaft“ wieder frei, wurde jedoch im November erneut verhaftet und weigerte sich beharrlich, Namen von Mitgläubigen zu nennen, die sich an der Verteilung der Flugblätter „Offener Brief“ beteiligt hatten. Während der „Schutzhaft“ befand sie sich im Strafgefängnis Anrath.
Die Anklageschrift gegen sie und zehn weitere Zeuginnen und Zeugen Jehovas aus Düsseldorf ging Anfang Dezember an das Reichministerium der Justiz in Berlin. In der Verhandlung vor dem Sondergericht Düsseldorf wurde sie schließlich am 16. Dezember 1937 zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt, die sie vom 20. Dezember 1937 bis 5. Mai 1938 im Strafgefängnis Anrath verbüßte. In der Urteilsbegründung heißt es auszugsweise:
„Zahlreiche Grundsätze dieser Vereinigung gefährden Volk und Staat, insbesondere auch die Tatsache, daß die IBV ihren Mitgliedern die Verweigerung des Wehrdienstes empfiehlt. […] Bei den Eheleuten Berke hat das Gericht das hohe Alter [Emilie 65 und Wilhelm 70] der Angeklagten strafmildernd berücksichtigt. Gefängnisstrafen von 6 Monaten waren jedoch erforderlich, […] weil sie sich an der Verteilung des gehässige Angriffe gegen Staat und Partei enthaltenden Flugblattes ‚Resolution‘ beteiligt haben.“
Gnadengesuche ihres Ehemannes Wilhelm, ihrer 6 Kinder aus erster Ehe, der Enkelkinder sowie von „Mitgliedern des Vertrauensrates der Firma L. Schwann“ – dem Arbeitgeber ihres Mannes – an die Reichskanzlei in Berlin wurden abgewiesen. Nachdem sie eine „Erklärung“ unterschrieben hatte, sich „nie mehr für die IBV“ zu betätigen und „sofort der Staatspolizei Mitteilung“ zu machen, sollte sie „von einer Betätigung der IBV Kenntnis erhalten“, kam sie am 5./6. Mai 1938 vorzeitig aus der Strafhaft frei.
Als das Ehepaar im September 1938 seinen Wohnort in Wuppertal-Cronenberg anmeldete, gab die Gestapo Düsseldorf sofort polizeiliche Überwachung in Auftrag, „da es sich bei [Frau Berke] um eine fanatische Bibelforscherin handelt“.
Der Oberstaatsanwalt Düsseldorf tilgte 1946 das Urteil vom 16. Dezember 1937 aufgrund „§ 3 des Erlasses der Vorstandsbeamten des Oberlandesgerichts Düsseldorf über die Gewährung von Straffreiheit vom 23.1.1946“.
(LAV NRW R, Gestapoakte RW 58, 49163; Akte Ger. Rep. 114, 115.)