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Robert Arthur Winkler

Vorname(n)
Robert Arthur
Nachname
Winkler
Geburtsdatum
6. März 1898
Geburtsort
Seidewitz (heute Ortsteil von Grimma), Deutschland
Todesdatum
22. Juni 1972
Todesort
Niederlande
Beruf
Betriebsleiter
Erstkontakt und/oder Taufe
Mitte der 1920er Jahre Taufe als Bibelforscher

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas in Preußen setzte Robert Arthur Winkler seine Tätigkeit als Leiter der Bonner Gruppe fort und hielt weiter in seinem Wohnhaus in Bonn, Endenicher Straße 58, religiöse Zusammenkünfte ab. Bei mehreren Hausdurchsuchungen 1934 fand die Gestapo in der Wohnung des Ehepaars Winkler kistenweise verbotene Bücher und Zeitschriften der Zeugen Jehovas. Bereits im August 1934 kam es vor dem Schöffengericht in Bonn zu einem ersten Prozess gegen Robert Arthur Winkler wegen Besitz und Verbreitung verbotener Literatur. Am 18. Juni 1935 wurde er in Bonn verhaftet und in das Konzentrationslager Esterwegen gebracht. Dort mussten die Gefangenen unter unmenschlichen Bedingungen im Moor Torf stechen.

Am 30. Oktober 1935 wurde Robert Arthur Winkler vor Gericht in Bonn angeklagt, mittels gedruckter Zettel missioniert zu haben. Der Bonner General-Anzeiger zitierte ihn in seiner drei Tage später erschienenen Ausgabe mit den Worten: „Es gibt nur eins, die Bibel, die göttliche Urkunde ist und die Wahrheit enthält. Jeder kann das in der Bibel nachprüfen[,] ob das was auf den Zetteln steht Wahrheit ist oder nicht. [Ich habe] Gott gelobt, ihm treu zu dienen und bin gezwungen, Gott ewigen Gehorsam zu leisten.“

Als das Gericht die Verhandlung beendete, weigerte sich der Verurteilte mit dem Hitlergruß zu grüßen und erhielt dafür eine zusätzliche Ordnungsstrafe von drei Tagen Haft. Robert Arthur Winkler wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt, die er in Bonn, Siegburg, Rheinbach und Köln absitzen musste.

Aus der Haft entlassen verfasste Robert Arthur Winkler einen Bericht über die Zustände im Konzentrationslager Esterwegen, der schließlich zusammen mit einer Lagerzeichnung am 15. Februar und am 1. März 1938 in der von Jehovas Zeugen in Bern veröffentlichten Zeitschrift „Trost"“ erschien und auch nach Deutschland geschmuggelt wurde. Da die Zeitschrift auch in anderen Sprachen herausgegeben wurde, machten Jehovas Zeugen hierdurch die Existenz der Konzentrationslager weltweit bekannt.

Robert Arthur Winkler floh im Herbst 1936 mit seiner Frau Käthe Winkler in die Niederlande. Von Heemstede aus koordinierte er die Untergrundtätigkeit der Zeugen Jehovas sowohl in ganz Deutschland, als auch in den Niederlanden, nachdem diese im Mai 1940 von deutschen Truppen besetzt wurden. Die Gestapo leitete eine großangelegte Suche ein und konnte Robert Arthur Winkler schließlich am 21. Oktober 1941 in Amsterdam, De Wittenkade 150 verhaften. In der Zentrale des deutschen Sicherheitsdienstes wurde er von Klaus Barbie, der später als „Schlächter von Lyon“ bekannt wurde, bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen. Obwohl die Häftlinge keine Literatur haben durften, beschaffte ihm ein Wärter, der Mitleid mit ihm hatte, eine Bibel.

Schließlich wurde Robert Arthur Winkler in das niederländische KZ Herzogenbusch (Kamp Vught) eingeliefert. Als man ihn 1944 in das KZ Sachsenhausen überstellte, konnte er seine Bibel in einem Holzschuh einschmuggeln. In Sachsenhausen war er zeitweise gelähmt und sollte als arbeitsunfähig vergast werden, wurde jedoch von einem schwedischen Arzt gerettet. Als die SS beim Herannahen der russischen Truppen das Lager evakuieren und die Krankenbaracken mit den Häftlingen niederbrennen wollte, luden seine Glaubensbrüder ihn und andere Zeugen Jehovas auf einen Handwagen, den sie auf dem Todesmarsch von Sachsenhausen bis in die Nähe von Schwerin abwechselnd zogen.

Nach Kriegsende war Robert Arthur Winkler bis zu seinem Tod im niederländischen Zweigbüro von Jehovas Zeugen tätig.

(Piersma: Ihrem Glauben treu, S. 442–454; John-Stucke/Krenzer/Wrobel: 12 Jahre, S. 22 f.; Winkler: Glücklich; WTG: Jahrbuch 1986, S. 134–157.)

Portrait eines ca. 40jährigen Mannes in Anzug und Krawatte.
Robert Arthur Winkler, nach 1945 (JZArchNL).

Gedenkzeichen

In der Dauerausstellung der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrum Bonn wird an die Tätigkeit und das Schicksal von Robert Arthur Winkler erinnert.

In der Ausstellung der 2011 eröffneten Gedenkstätte Esterwegen wird ein Bericht von Robert Arthur Winkler präsentiert.

Am 4. Februar 2019 verlegte der Künstler Gunter Demnig vor dem Bonner Wohnhaus in der Endenicher Straße 58 einen Stolperstein für Robert Arthur Winkler. Nachdem der Stein aufgrund von Bauarbeiten entfernt worden war, fand am 14. Mai 2024 eine Zweitverlegung am gleichen Standort durch Björn Dzieran, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrum Bonn, statt.

(Blick aktuell, Ausgabe Wachtberg, 16.2.2019, S. 5; Gedenkstätte Bonn, Info, 1. Ausgabe 2019, Januar, S. 4; Gedenkstätte Bonn, Info, Ausgabe 2/2019 - September, S. 14, 15; Bonner General Anzeiger, 11.5.2024.)

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