Martha Wurmnest, geb. Schäfer
- Vorname(n)
- Martha
- Geburtsname
- Schäfer
- Nachname
- Wurmnest
- Geburtsdatum
- 21. August 1887
- Geburtsort
- Dhünn-Pilghausen (heute Wermelskirchen), Deutschland
- Todesdatum
- 15. März 1956
- Todesort
- Wermelskirchen, Deutschland
- Beruf
- Hausfrau
- Erstkontakt und/oder Taufe
- 1923 Taufe als Bibelforscherin
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
In der Wohnung von Martha Wurmnest in Wermelskirchen, Sedanstaße 15 (heute Friedensstraße 23), fanden seit den 1920er Jahren Zusammenkünfte der Bibelforscher statt. Am 11. Februar 1935 meldete die Gestapo Wermelskirchen nach Düsseldorf, dass sich in Wermelskirchen Martha Wurmnest, Anna Siebel und Else Brosius an der Verbreitung von Bibeln beteiligten und dabei „Propaganda“ für die verbotenen Bibelforscher machten. Am 15. Oktober 1935 wurde Martha Wurmnest aufgrund dieser Vorwürfe von der Großen Strafkammer des Oberlandesgerichts in Düsseldorf zu zwei Monaten Haft verurteilt, die sie vom 21. bis zum 28. November 1935 in Wuppertal-Elberfeld und anschließend bis zum 22. Januar 1936 in Düsseldorf-Derendorf verbüßte. Zu den neun Verurteilten in diesem Verfahren gehörten auch Friedrich und Hans Brosius. Weil alle Angeklagten sich im Gerichtssaal weigerten, mit „Heil Hitler“ zu grüßen, wurden sie jeweils zu einem zusätzlichen Tag Gefängnishaft verurteilt.
Nach der erneuten Verhaftung von Friedrich Brosius am 17. November 1937 durchsuchte die Gestapo noch einmal die Wohnungen von anderen ihr bekannten Wermelskirchener Zeugen Jehovas, um herauszufinden, ob sie an einem geheimen Treffen teilgenommen hatten. Am 23. November 1937 wurde dabei auch die Wohnung von Martha Wurmnest durchsucht. Da die Gestapo keine Bibelforscherschriften fand, wurde das Verfahren gegen sie kurz danach eingestellt. Bei Martha Wurmnest fanden während der NS-Diktatur mindestens zehn Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen statt.
„Die Bibel sagt: ‚Niemand kann zwei Herren dienen‘, aus diesem Grunde habe ich nie gewählt und wende auch grundsätzlich den ‚Deutschen-Gruß‘ nicht an.“
1938 erhielt Martha Wurmnest von dem Schlosser Ernst Baus, der als geheimer Kurier tätig war, Kopien der Zeitschrift „Der Wachtturm“. Nach seiner Verhaftung am 27. Mai 1938 versuchte die Gestapo alle Personen, die von ihm Literatur erhalten hatten, ausfindig zu machen. Daher wurde auch Martha Wurmnest am gleichen Tag verhaftet. Im Verhör gab sie zu Protokoll:
„Aus dem Grunde, dass ich mein Heil von Gott und nicht von Menschen erwarte, habe ich mich lediglich an keiner Wahl beteiligt [...]. Die Bibel sagt: ‚Niemand kann zwei Herren dienen‘, aus diesem Grunde habe ich nie gewählt und wende auch grundsätzlich den ‚Deutschen-Gruß‘ nicht an. [...] Da ich auf Jehova einen Eid geleistet habe, und diesen auch niemals brechen werde, muss ich mich also hiermit als Zeuge Jehovas bekennen.“
In der Anklageschrift heißt es dazu: „Frau Wurmnest ist eine fanatische Zeugin Jehovas. Sie ist schon verschiedentlich zur Verantwortung gezogen worden, weil sie ihre Illegalität nicht unterlassen kann.“ Am 12. August 1938 wurde sie im gleichen Verfahren wie Ernst Baus zu vier Monaten Haft verurteilt. Sechs Tage später bat sie schriftlich um eine viermonatige Strafaussetzung, um sich zunächst um die Ernte in ihrem Garten kümmern zu können. Der Antrag wurde abgelehnt und sie musste die Haft vom 13. September 1938 bis zum 13. Januar 1939 in der Haftanstalt Anrath ableisten. In jenem Winter waren die Heizungsrohre des Gefängnisses eingefroren, sodass Martha Wurmnest eine Woche lediglich mit einem Strohsack auf dem Steinboden der ungeheizten Zelle schlafen musste, was ihre Gesundheit dauerhaft beeinträchtigte.
Nach ihrer Haftentlassung wurde Martha Wurmnest trotz ihrer ungebrochenen Überzeugung nicht wieder inhaftiert. In einem Gestapo-Protokoll vom 20. März 1939 heißt es: „Inschutzhaftnahme wurde von der hiesigen Dienststelle unter Berücksichtigung ihres Alters, die gegnerische Einstellung ihrer Angehörigen gegen die Belange der I.B.V. und daß ihr Schwiegersohn als SA-Sturmführer in gebührender Weise auf sie einwirken wird, nicht vorgeschlagen.“
(Krüger: Eine Bibel, S. 21, 22.)