Maria Waller, geb. Eder
- Vorname(n)
- Maria
- Geburtsname
- Eder
- Nachname
- Waller
- Geburtsdatum
- 15. Juni 1882
- Geburtsort
- Muglhof (heute ein Ortsteil von Weiden), Deutschland
- Todesdatum
- 22. März 1962
- Todesort
- Regensburg, Deutschland
- Erstkontakt und/oder Taufe
- 1928 Taufe als Bibelforscherin
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Wolfgang Waller (Ehemann)
- Elisabeth Waller (Tochter)
- Maria Waller, geb. Niedermair (Schwiegermutter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Die Lehrerstochter Maria Eder heiratete 1914 den Schifffahrtsbeamten Wolfgang Waller. Zwei Kinder des Ehepaares starben während der Geburt. Die Tochter Elisabeth erkrankte früh an Epilepsie und benötigte aufgrund einer geistigen Behinderung besondere Pflege.
Maria Waller war bekannt für ihre rege und mutige Missionstätigkeit. Bereits 1932 zeigte der Pfarrer der Gemeinde Zeitlarn sie bei der Gendarmeriestation Regensburg an, da sie in Regendorf, Laub und Edlhausen Schriften verbreitet hatte. Ab Mitte der 1920er Jahren waren die Bibelforscher vermehrt Denunziationen, Verboten einzelner Veranstaltungen und Gerichtsverfahren wegen ihrer Missionstätigkeit ausgesetzt, bis zu ersten regionalen Verboten ihrer Schriften – wie 1931 in Bayern.
Maria kannte die rechtliche Situation und erklärte kurz darauf im Verhör in der Polizeidirektion Regensburg: „Die Fahrt [mit der Bahn] sowie die Verköstigung […] haben wir aus eigenen Mitteln bestritten, da wir durch den Vertrieb der Broschüren keinerlei Entschädigung haben; im Gegenteil, wir setzten für die gute Sache ausserdem noch unser eigenes Geld dazu. Von der Bibel und Traktatgesellschaft [der rechtlichen Körperschaft der Zeugen Jehovas] habe ich einen Ausweis in Händen, wozu ich berechtigt bin die Broschüren zu vertreiben. Ausserdem ist darauf besonders vermerkt, dass unsere Tätigkeit nicht unter das Hausiergewerbe falle, da es sich um eine rein religiöse Sache, bei der keinerlei Verdienst erzielt wird, handle.“ (StAAm, BZA/LA Regensburg Nr. 34) Die Strafverfolgung wurde daraufhin eingestellt.
Im September 1936 wurden Maria und Wolfgang Waller verhaftet. Das Schöffengericht beim Amtsgericht Regensburg verurteilte Maria Waller am 27. November 1936 zu zwei Monaten Gefängnis, die sie vom 2. März bis 2. Mai 1937 in der Strafanstalt Regensburg verbüßte.
Wer sich während dieser Zeit um die schwerkranke 18-jährige Tochter Elisabeth kümmerte, ist nicht bekannt. Wolfgang Waller befand sich ebenfalls im Gefängnis und kam ab 1938 in die Lager Dachau und Mauthausen. Gleichzeitig war die Familie aus der Krankenkasse ausgeschlossen worden, so dass Maria Waller die hohen Arzt-, Arznei- und Pflegekosten für ihre Tochter selbst aufbringen musste.
„Ich kann nicht mehr, es ist so zermürbend, wenn man nach all diesem Leid […] immer wieder betteln u[nd] bitten muß.“
1940 war sie gerade nicht zuhause, als ein Postbote ein Paket aus Mauthausen brachte. Ihre Nachbarin Franziska Maier, geborene Rauch, erzählte: „Da hat der Briefträger bei meiner Mutter geläutet, ob sie das Packerl nimmt. Auf unserem Küchentisch lag nun das schmale Paket. ‚Frau Rauch‘, sagte Maria Waller, als sie nach Hause gekommen war, ‚das packen bitte Sie jetzt für mich aus.‘ Ganz langsam löste meine Mutter die Schnüre. Im Paket war ein dunkler Anzug. Da wussten alle, dass Wolfgang Waller tot war.“ (Mittelbayerische Zeitung, 2.–4.10.2009, Teil 3.)
Während der Kriegsjahre kämpfte Maria Waller mit einer geringen Rente ums Überleben für sich und ihre Tochter und konnte sie vor einer Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll beschützen. Maria Waller schrieb später: „Ist das Leben eines Menschen nicht der größte Schaden, wenn er hingemordet wird um seines Glaubens willen an seinen Schöpfer? Was man mir genommen, in meinem herzensguten, edlen Mann das kann nie durch Geld u[nd] Gut ersetzt werden.“ (BayHStA, Akte LEA 38525)
Nach 1945 bat sie höflich und unermüdlich über 13 Jahre lang um Renten- und Entschädigungszahlungen, um für ihr schwerkrankes „Mädl“ sorgen zu können – oft erfolglos: „Ich kann nicht mehr, es ist so zermürbend, wenn man nach all diesem Leid […] immer wieder betteln u[nd] bitten muß.“ (BayHStA, Akte LEA 38525.) Sie konnte ihre Tochter zuhause pflegen, bis diese im Dezember 1961 starb: „Ich danke täglich meinen Schöpfer daß er mir so viel Kraft u[nd] Gnade immer wieder schenkte, dieses alles zu ertragen.“ (BayHStA, Akte LEA 38525)
Auf die Impressum-Seite der persönlichen Bibel ihres Ehemanns hatte sie eingetragen: „Er starb treu seinem Glauben am 6. Juli 1940 ¾ 7 früh an einem Sonnabend im K.Z. Mauthausen.“
(Simon-Pelanda/Breedlove: Widerstand, S. 260, 264 ff., 271 ff., 281, 315–326; StAAm, BA/LA Regensburg Nr. 34; BayHStA, LEA 38525; StALa, BA/LA Mallersdorf Nr. 2072.)