Wolfgang Waller
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- Vorname(n)
- Wolfgang
- Nachname
- Waller
- Geburtsdatum
- 28. November 1880
- Geburtsort
- Hohenfels (Oberpfalz), Deutschland
- Todesdatum
- 6. Juli 1940
- Todesort
- Mauthausen, Konzentrationslager
- Verfolgungsbedingte Todesart
- verhungert
- Beruf
- Schifffahrtsbeamter
- Erstkontakt und/oder Taufe
- 1928/29 Taufe als Bibelforscher
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Maria Waller, geb. Niedermair (Stiefmutter)
- Maria Waller, geb. Eder (Ehefrau)
- Elisabeth Waller (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Wolfgang Waller liebte Musik, war bekannt als eifriger Missionar sowie als ehrlicher und bescheidener Mensch. Er arbeitete als Schifffahrtsbeamter im Bürotrakt des Lagerhauses „Süddeutsche Halle“ in der Wiener Straße 11 in Regensburg bei der Süddeutschen Donau-Dampfschiffahrts-AG, München. 1914 heiratete er Maria Waller. Zwei Kinder starben während der Geburt. Die Tochter Elisabeth erkrankte früh an Epilepsie und benötigte aufgrund einer geistigen Behinderung besondere Pflege.
Nach einer ersten einmonatigen Gefängnisstrafe 1934 kam Wolfgang Waller wieder frei und organisierte als leitender Seelsorger der etwa 15 Zeugen Jehovas in Regensburg drei kleine Gruppen. Während der reichsweiten Groß-Razzien der Gestapo gegen Jehovas Zeugen im Spätsommer 1936 wurde er „wegen illegaler Betätigung für die Ernsten Bibelforscher“ wieder verhaftet und kam zunächst in die Haftanstalt Regensburg, später in das KZ Dachau mit der Gefangenennummer 1.086.
Die Anklagebehörde beim Sondergericht Nürnberg hatte das Verfahren gegen zehn Angehörige der Glaubensgemeinschaft an das Schöffengericht beim Amtsgericht Regensburg abgegeben. Im Sammelverfahren wurde Wolfgang Waller am 27. November 1936 zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt, die er im Strafgefängnis Nürnberg-Zellenstraße verbüßte. Das Gericht sah in seinen Aktivitäten als Seelsorger der Gruppen eine „verbotene Lehrtätigkeit“ und eine echte Gefahr allein schon in jeder „religiösen Zusammenkunft, die unter den Familien der Bibelforscher und den nächsten Bekannten mit dem Zweck stattfanden, durch Lesen und Auslegung der Biebel [sic!] nach der Lehre der [Internationalen Bibelforschervereinigung] den Zusammenhalt aufrechtzuerhalten und zu fördern.“ (StAAm, Bestand Staatsanwaltschaft Regensburg Nr. 978)
Im Gefangenenbuch der JVA Nürnberg heißt es nach Angabe des Strafendes: „wird von Polizei abgeholt wegen Inschutzhaftnahme“, was bedeutete, dass die Gestapo Wolfgang Waller im Januar 1938 direkt vom Gefängnistor zurück ins KZ Dachau brachte, diesmal mit der Gefangenennummer 13.322. Als das KZ Dachau zu Kriegsbeginn kurzzeitig für andere Zwecke verwendet wurde, kam er am 29. September 1939 in einer Gruppe von 144 Zeugen Jehovas in das Konzentrationslager Mauthausen und wurde zur Nummer 1.111.
Im Winter 1939/40 sollten die Gefangenen mit dem Lila Winkel im Steinbruch systematisch zu Tode gemartert werden, da über 35 von ihnen die Unterschrift unter den Wehrpass verweigert hatten. Wolfgang Wallers Mitgefangener Alois Moser erinnerte sich: „Der gefürchtete, strenge Winter [1939/40] war für uns [Zeugen Jehovas] eine außergewöhnliche Prüfung. Bei Hunger, Mangel an Kleidung und einer Kälte von -20° bis -30° Celsius und einer Schlafstätte, deren Wände fingerdick mit Eis überzogen waren, achtete die SS-Wache darauf, dass keiner der [Zeugen] […] über ihre einfachen Bettdecken Mäntel als zusätzliche Schlafdecken benutzte. Im Tagesaufenthaltsraum gab es keinen Ofen.“ (Hillinger: Kraft, die über das Normale, S. 34.)
Am Morgen des 6. Juli 1940 erwachte der fast 60-jährige Wolfgang Waller nicht mehr. Die amtliche Todesursache lautete: „Gehirnschlag, Arterienverkalkung und Bluthochdruck“. Seine Freunde dokumentierten im Juni 1945, dass Wolfgang Waller verhungert sei. In die persönliche Bibel von Wolfgang Waller schrieb seine Ehefrau die Worte: „Er starb treu seinem Glauben am 6. Juli 1940 ¾ 7 früh an einem Sonnabend im K.Z. Mauthausen.“
(Kammerbauer: Wolfgang Waller; Simon-Pelanda/Breedlove: Widerstand, S. 214, 260, 264 ff., 271 ff., 276, 281, 295, 303, 315–326, 329.)
Gedenkzeichen
Am 20. Januar 2006 wurde an der Wand des ehemaligen Wohnhauses Wolfgang Wallers Minoritenweg 9 mit freundlicher Unterstützung der Stadt Regensburg und des damaligen Bauträgers Ferdinand Schmack jun. eine Gedenktafel für Wolfgang Waller enthüllt. (Simon-Pelanda/Breedlove: Widerstand, S. 324 f.)
Zur Erinnerung an den Zeugen Jehovas wurde zudem am 26. Juli 2010 vor dem Eingang des Hauses Minoritenweg 9 ein Stolperstein verlegt. (Aigner: Erinnern ist Auftrag.)
Der Name von Wolfgang Waller ist in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Gedenkraum „Raum der Namen“ zu finden.