Elfriede Löhr
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- Vorname(n)
- Elfriede
- Nachname
- Löhr
- Geburtsdatum
- 18. August 1910
- Geburtsort
- München, Deutschland
- Todesdatum
- 18. November 2000
- Beruf
- Arbeitete nach ihrem Schulabschluss in der Zahnarztpraxis des Vaters
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Taufe als Bibelforscherin 1926
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Elfriede Löhr gehörte zu den aktivsten Zeugen Jehovas Bayerns. Ab 1936 reiste sie, meist nachts mit dem Zug, als Kurierin mit verbotenen Schriften der Zeugen Jehovas durch Deutschland. Im selben Jahr besuchte sie, ebenfalls illegal, einen Kongress der Bibelforscher in Luzern (Schweiz), wo eine Resolution gegen die Verfolgung der Glaubensgemeinschaft verabschiedet wurde. Diese wurde am 12. Dezember 1936 im ganzen Deutschen Reich von mehreren Tausend Zeugen Jehovas, darunter auch Elfriede Löhr, als Flugblatt verbreitet. 1937 wirkte Elfriede Löhr maßgeblich bei einer weiteren Kampagne mit: „Wie nun einwandfrei feststeht, hat die Löhr die Flugblattaktion `Offener Brief´ in Bayern vorbereitet und durchgeführt“, schrieb die Gestapo München.
Relativ spät, am 21. August 1937, fasste die Gestapo Elfriede Löhr in Berlin, wo man sie für drei Monate in der Prinz-Albrecht-Straße 8 in Einzelhaft isolierte. Anschließend wurde sie im Münchner Polizeigefängnis an der Ettstraße bis zum 28. Dezember 1937 festgehalten. Erfolglos setzte die Gestapo sie in Verhören massiv unter Druck, Namen anderer Zeugen Jehovas zu verraten. Nach einem Nervenzusammenbruch untersuchte die psychiatrische Abteilung des Münchner Gefängnisses Stadelheim an der Nußbaumstraße Elfriede Löhr auf ihren Geisteszustand. Ein Sterilisierungsverfahren wurde durch Eingreifen des Landgerichtsarztes abgewendet.
Ab dem 24. März 1938 war Elfriede Löhr im Münchner Strafgefängnis Stadelheim inhaftiert. Am 15. Januar 1939 deportierte man sie in das KZ Lichtenburg, anschließend in das KZ Ravensbrück. Dort weigerte sie sich, Munitionstaschen zu nähen, was mit Hungerrationen und wochenlanger Dunkelhaft bestraft wurde. 1943 erkrankte sie an Lungenentzündung und wurde in den Krankenbau verlegt, was den sicheren Tod bedeutet hätte. Elfriede Löhr überlebte, weil andere Zeuginnen Jehovas sie unter großem Risiko in einer nächtlichen Aktion illegal zurück in die Häftlingsbaracke transportierten. Dank der Hilfe einer Glaubensangehörigen, einer Ärztin, überstand sie die Krankheit.
Nach fast acht Jahren Haft wurde Elfriede Löhr am 28. April 1945 befreit.
(Wilker: Die Verfolgung-Katalogteil, S. 108, 113, 146 ff., 197, 262, 270; Wilker: Löhr, Elfriede.)
Gedenkzeichen
In der aktuellen Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand wird im Themenbereich 5 „Widerstand aus christlichem Glauben“ auch an Elfriede Löhr erinnert. (Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Dauerausstellung Themenkatalog 5, S. 3, 18, 28.)
An Elfriede Löhr wurde in der 2014 im Zweigbüro Zentraleuropa von Jehovas Zeugen in Selters (Taunus) eröffneten Dauerausstellung „Kennst du Jehovas Volk in Zentraleuropa?“ erinnert. Auch die neue 2025 eröffnete Ausstellung „Niemals allein“ erzählt ihre Geschichte.
2016 wurde die Biographie von Elfriede Löhr auf einer Stele innerhalb des aus 12 Stelen bestehenden Widerstandsdenkmals am Münchner Platz der Freiheit veröffentlicht. Am 6. Juni 2019 wurden vier der zwölf Biografien der Stelen am Platz der Freiheit ausgetauscht. Die Biografie von Elfriede Löhr wurde durch die der Zeugin Jehovas Martina Partsch ersetzt. Weitere Wechsel sind geplant. (Schall: Gesichter.)
Besonderheiten
1989 drehte der westdeutsche Filmemacher Fritz Poppenberg für den Sender Freies Berlin eine Dokumentation über Zeuginnen Jehovas im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und begleitete Elfriede Löhr und Ilse Unterdörfer auf eine Reise in ihre ehemalige Haftstätte. Die Redaktion des SFB hatte nicht geglaubt, eine Drehgenehmigung für die in der DDR liegende Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zu bekommen, was aber doch geschah. Die Mitarbeiterin der Gedenkstätte Monika Herzog begleitete die Dreharbeiten und war über die Begegnung mit den beiden Zeitzeuginnen sehr erfreut. Durch diese Erfahrung gewann Monika Herzog eine erweiterte Sicht auf die Verfolgung der Zeugen Jehovas und das KZ-System. Der Film „Unter Jehovas Schutz“ wurde 1989 ausgestrahlt und Zeugen Jehovas in der DDR, die über den Ausstrahlungstermin informiert worden waren, verfolgten die Dokumentation – sofern sie westdeutsche Fernsehsender empfangen konnten. (Bersch: Erinnerungspolitik.)