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Selters (Taunus), Zweigbüro Zentraleuropa Jehovas Zeugen

Adresse

Zweigbüro Zentraleuropa von Jehovas Zeugen
Selters (Taunus), Am Steinfels 1, Deutschland

Das Zweigbüro der Zeugen Jehovas auf dem Steinfels in Selters im Taunus, auch „Bethel“ (Haus Gottes) genannt, wurde am 21. April 1984 eingeweiht. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde eine Erweiterung der Gebäude um 120 Prozent erforderlich, die am 14. Mai 1994 der Bestimmung übergeben wurden.

Der Gebäudekomplex war ursprünglich Verwaltungsort für die Tätigkeit von Jehovas Zeugen in Deutschland. Seit 2009 übt er diese Funktion auch für Luxemburg und seit 2011 für Liechtenstein, Österreich und die Schweiz aus. Er ist ferner Wohnort für etwa 1.000 Mitarbeiter und Standort einer Druckerei, die Schriften in über 90 Sprachen druckt. Der Versand erfolgt direkt an die Ortsgemeinden in über 50 Länder, darunter fast ganz Europa und große Teile Afrikas. Auch das Geschichtsarchiv von Jehovas Zeugen in Zentraleuropa befindet sich in dem Komplex.

Hinter herbstlich gefärbten Laubbäumen sieht man einige Wohngebäude, die von einem Verwaltungsgebäude überragt werden. Rechts im Bild ist eine dreistöckige Druckerei zu sehen.
Blick von Eisenbach auf das Verwaltungs- und Druckzentrum der Zeugen Jehovas im Herbst 2010 (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Gedenkzeichen

In den 1984 eröffneten Gebäuden befanden sich einzelne Schaukästen zur Geschichte der Zeugen Jehovas dezentral entlang eines Führungswegs. Nach der Erweiterung wurde in den 1990er Jahren eine Dauerausstellung im Untergeschoss des Empfangsgebäudes eingerichtet.

Ein gestreifter Unterrock mit Seitenschlitzen auf beiden Seiten, aus denen Wachtturm-Ausgaben herausragen.
Ausstellungsobjekt: Ein Unterrock, der zum Grenzschmuggel von Wachtturm-Ausgaben präpariert war (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Eine gestreifte Häftlingsjacke vor einem Foto arbeitender Häftlinge im Steinbruch des KZ Mauthausen und einem Foto befreiter Zeugen Jehovas ebenfalls aus dem KZ Mauthausen.
Ausstellungsobjekt: KZ-Häftlingsjacke mit dem für Zeugen Jehovas kennzeichnenden lila Winkel, 2010 (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
An den Wänden und an Raumteilern finden sich Fotos und Dokumente der Verfolgungsgeschichte von Zeugen Jehovas aus der NS-Zeit.
Geschichtsausstellung im Zweigbüro der Zeugen Jehovas im Jahr 2012 (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Ab 2014 befand sich eine Dauerausstellung mit dem Titel „Kennst du Jehovas Volk in Zentraleuropa?“ im Empfangsgebäude des Gebäudekomplexes. Sie gab einen Einblick in rund 120 Jahre Geschichte von Jehovas Zeugen in Mitteleuropa und erinnerte auch an Widerstand und Verfolgung der Zeugen Jehovas unter beiden deutschen Diktaturen, so an Leben und Wirken von Martin Bertram, Josef Victor Bruch, Änne Dickmann, Leopold Engleitner, Konrad Franke, Erich Frost, Elfriede Gollsch, Johann Hildenbeutel, Max Hollweg, Wilhelm Kusserow, Hermine Liska, Elfriede Löhr, Erna Ludolph, Alois Moser, Adolf Mühlhäuser, Gerhard Oltmanns, Gertrud Pötzinger, Richard Rudolph, Hermine Schmidt, Horst Schmidt, Ilse Unterdörfer und Emmy Zehden.

Oldtimer mit Schildern "Wir glauben an die Aufrichtung des Königreiches Gottes auf Erden eingerahmt von Zeugen Jehovas mit Schildern die die Zeitschrift "Trost" ankündigen. Darum einige Portraits verfolgter Zeugen Jehovas.
Titeltafel der 2014 eröffneten Ausstellung „Kennst Du Jehovas Volk in Zentraleuropa?“ im Zentraleuropäischen Zweigbüro von Jehovas Zeugen in Selters (Taunus) (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Im Boden einer Vitrine ist ein geöffnetes, ausziehbares Geheimfach mit einigen Ausgaben der Zeitschrift der Wachtturm darin. Ein weiteres, klappbares Geheimfach befindet sich im Deckel der Vitrine.
Ausstellungsobjekt: Vitrine mit zwei Geheimfächern, die sich nur öffnen ließen, wenn man Nägel entfernte (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Ein auf dem Innentitel aufgeschlagenes Buch liegt im Inneren einer Streichholzschachtel.
Ausstellungsobjekt: Ein 1934 von Jehovas Zeugen veröffentlichtes Buch wurde im Format einer Streichholzschachtel hergestellt und in die Konzentrationslager geschmuggelt (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Am 18. August 2025 eröffneten in Selters drei neue Ausstellungen mit den Themen „Und es ward Licht“ (Die Geschichte der Bibel auf Deutsch), „Versetzte Berge“ (Leben und Arbeiten im Zentraleuropäischen Zweigbüro) und „Niemals allein“. Die letztgenannte Ausstellung thematisiert das Predigtwerk der Zeugen Jehovas in den 1930er Jahren, das Verbot durch das NS-Regime im Jahr 1933, die danach erfolgte öffentliche Ächtung, den Entzug des Sorgerechts für Kinder, das Überleben in den Konzentrationslagern, die Hinrichtung von Kriegsdienstverweigerern, den Literaturschmuggel der Zeugen Jehovas, die Kampagnen zur Information der Öffentlichkeit über ihre Verfolgung und die Reorganisation nach dem Krieg. Zu den Exponaten gehören u. a. ein tragbares Grammophon, ein KZ-Häftlingsanzug, ein Schrank mit eingebauten Geheimfächern und ein Buch im Format einer Streichholzschachtel.

Die Ausstellung erinnert an die verfolgten Frauen und Männer Simone Arnold-Liebster, Kurt und Rudolf Auschner, Gijsbertus van der Bijl, Inge Brosius, Ursula Brosius, Helene Delacher, Franz Desch, August Dickmann, Alex Ebstein, Erich Esche, Erich Frost, Georg Gertz, Katharina Glasner, Bertha Gronert, Waldemar Halse, Wilhelm Kleissle, Waltraud, Paul-Gerhard, Wilhelm und Wolfgang Kusserow, Max Liebster, Elfriede Löhr, Erna Ludolph, Alois Moser, Fritz Mühlhäuser, Gertrud Ott, Louis Piechota, Josef Rehwald, Jan Steinfort, Marcel Sutter, Friedericke Skorczyk, Albert Treptau, Gerhard Tretter, Charlotte Tetzner, Ilse Unterdörfer, Albert Wandres, Ernst Wauer und Rudolf Wunderlich.

Hinter einem Metallgitter befindet sich an einer Holzwand der Anzug eines KZ-Häftlings eingerahmt von Fotos und Gegenständen aus den Konzentrationslagern.
Die im August 2025 im Zweigbüro der Zeugen Jehovas eröffnete Ausstellung zu ihrer Geschichte in der NS-Zeit mit dem Titel „Niemals allein“ (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Die Eröffnung der Ausstellung „Ohne Grenzen“ ist für das Jahr 2026 angekündigt. Sie soll sich der Expansion von Jehovas Zeugen in Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und der Schweiz vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart widmen. Anhand von Dokumenten und Exponaten soll auch der Überlebenskampf der Religionsgemeinschaft unter dem NS-Regime und in der DDR thematisiert werden.

Fotos von einem Mannes, der das Flugblatt „Der Fall Babylons“ liest, den Gebäuden des ehemaligen Zweigbüros Wiesbaden, eines Mepscomputers und eines blauen Trabbis. Darüber der Schriftzug: „Ohne Grenzen - Geschichtsausstellung - Eröffnet demnächst“.
Ankündigung der Geschichtsausstellung „Ohne Grenzen“, 2025 (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Namensliste

Ehemals Verfolgte des NS- und SED-Regimes, die im Zweigbüro in Selters (Taunus) lebten und arbeiteten

  • Änne Dickmann, geb. Hövelmann
  • Maria Hombach
  • Gertrud Ott
  • Gertrud Pötzinger, geb. Mende
  • Heinrich Dickmann
  • Konrad Franke
  • Erich Frost
  • Horst Henschel
  • Willi Pohl
  • Martin Pötzinger
  • Manfred Teller

Externe Medien

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