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Amalie Pellin, geb. Walendy

Vorname(n)
Amalie
Geburtsname
Walendy
Nachname
Pellin
Geburtsdatum
13. Oktober 1892
Geburtsort
Suchsdorf (heute Stadtteil von Kiel), Deutschland
Todesdatum
29. November 1942
Verfolgungsbedingte Todesart
Im Konzentrationslager ums Leben gekommen
Erstkontakt und/oder Taufe
Ließ sich 1921 als Bibelforscherin taufen

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Am 19. Juni 1937 stand Amalie Pellin vor dem Hanseatischen Sondergericht in Wesermünde und wurde zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt. Ihre Beteilung an der Flugblattaktion „Resolution“ konnte ihr nicht nachgewiesen werden, wohl aber Erwerb und Verbreitung von Literatur der Zeugen Jehovas. Damit hatte sie geholfen, so die überlieferte Anklageschrift, die „illegale Bibelforschervereinigung […] aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen“.

Die Haftstrafe saß die zweifache Mutter im Frauengefängnis Vechta ab. Danach wurde sie nach Wesermünde rückverlegt und vom dortigen Polizeigefängnis erfolgte ihre Überstellung in ein Konzentrationslager. Amalie Pellin ging nun den Weg vieler Zeuginnen Jehovas und anderer widerständiger Frauen: Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück. 1940 ließ sich ihr Mann von ihr scheiden, nachdem die SS ihn unter Druck gesetzt hatte, sich von seinem Glauben loszusagen.

30 Briefe und Postkarten, die Amalie Pellin aus dem Gefängnis Vechta und aus den Konzentrationslagern an ihre Tochter Ruth schrieb, sind erhalten geblieben. So schrieb sie am 22. Februar 1938 aus Moringen:

„Mein Spruch zur Konfirmation lautet: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Der hat mich mein ganzes Leben geleitet. Ich bewundere am Tage den schönen Himmel und in der Ferne die Berge und Wälder. Abends den herrlichen Sternenhimmel[,] jetzt beim Frost tritt er so klar hervor, dass ich mit Ehrfurcht mit dem Dichter ausrufen möchte[:] im Herzen sagt es mir: dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meer, ruft auch der geringste Wurm, bringt unserem Schöpfer Ehre. Es ist ein köstlich Ding im Herzen Frieden zu haben, einen Frieden den die Welt nicht kennt.“

Ihr letzter Brief stammte vom 21. Dezember 1941 aus Ravensbrück. Der Leidensweg von Amalie Pellin führte Anfang 1942 von dort nach Auschwitz, wo sie am 29. November 1942 ums Leben kam.

(Hesse/Harder: und wenn ich lebenslang, S. 57, 58, 357–370, Bersch: Amalie Pellin.)

Gedenkzeichen

Im September 2021 wurde in der Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin die Multimedia-Installation „Starke Frauen in der Lichtenburg“ als Dauerausstellung eröffnet, in der auch die Geschichte der Zeugin Jehovas Amalie Pellin erzählt wird. Aufgrund umfassender Restaurierungsarbeiten am Schloss wurde die Ausstellung im Juli 2024 abgebaut und ist vermutlich erst wieder ab 2027/28 erlebbar. (Lindenau: Die partizipative Gestaltung.)

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