Wilhelm Woitschaetzki
- Vorname(n)
- Wilhelm
- Nachname
- Woitschaetzki
- Geburtsdatum
- 29. Mai 1923
- Geburtsort
- Berlin, Deutschland
- Todesdatum
- 26. November 1942
- Todesort
- Brandenburg-Görden, Zuchthaus
- Verfolgungsbedingte Todesart
- Enthauptung durch das Fallbeil
- Beruf
- Feinmechanikerlehrling
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kind von Zeugen Jehovas
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Margarete Woitschaetzki, geb. Telschau (Mutter)
- Charlotte Woitschaetzki (Schwester)
Wilhelm Woitschaetzkis Vater Willy Woitschaetzki war kein Zeuge Jehovas. Er litt unter den andauernden Bespitzelungen eines NSDAP-treuen Kollegen und nahm sich nach einem Nervenzusammenbruch am 21. Februar 1933 das Leben. (Rehberg: Wilhelm Woitschaetzki.)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Wilhelm Woitschaetzki wurde zusammen mit seiner Schwester Charlotte von Kindheit an von seiner Mutter in den Lehren der Bibelforscher erzogen. Die gesamte Familie, besonders Wilhelm und Charlotte, waren aufgrund Ihres Glaubens anhaltenden Demütigungen seitens des Naziregimes ausgesetzt.
Seine Mutter Margarete Woitschaetzki schrieb 1946 über ihren Sohn: „Während seiner Lehrzeit als Feinmechaniker, am 15.4.1942, erhielt mein Sohn die Einberufung zum Wehrdienst. Wegen seiner politischen Einstellung verweigerte er den Eid auf Adolf Hitler und den Kriegsdienst gegen andere Nationen. Er liebte den Frieden und konnte nicht unschuldige Menschen töten. Das Reichskriegsgericht […] verurteilte ihn am 30.10.1942 deshalb zum Tode. Am 26.11.1942, morgens 3 Minuten nach 5 Uhr, wurde mein Sohn im Zuchthaus Brandenburg-Görden an der Havel von den Nazis ermordet. Er war 19 Jahre alt.“
„Er liebte den Frieden und konnte nicht unschuldige Menschen töten.“
In der Urteilsbegründung des Reichskriegsgerichts heißt es: „Der Angeklagte wird wegen der Zersetzung der Wehrkraft zum Tode, zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit und zum Verlust der Wehrwürdigkeit verurteilt. [...] In einem von ihm selbst verfassten und geschriebenen Schriftstück erklärte er, dass er als Christ außer Stande sei, der Wehrpflicht zu genügen. Er begründete sein Verhalten damit, dass er den Geboten Gottes gehorchen müsste. Bei seiner Weigerung ist der Angeklagte trotz eingehender Belehrung über die Tragweite seines Tuns verblieben. Ebenso hat er in der Hauptverhandlung vor dem Reichskriegsgericht seinen ablehnenden Standpunkt hartnäckig aufrecht erhalten. Für seine Schuld, wie seine Strafbarkeit ist hierbei ohne Bedeutung, dass er aus religiöser Überzeugung gehandelt hat. Nach dem Gutachten des Sachverständigen Oberstarzt Dr. Schmidt, dem sich der Senat anschließt, ist der Angeklagte vielmehr geistig gesund und für sein Tun voll verantwortlich. Der Angeklagte ist hiermit nach § 5 Abs. I Ziff. 3 KStVo zu bestrafen. Die in dieser Vorschrift angedrohte Strafe ist grundsätzlich die Todesstrafe. Ein minderschwerer Fall liegt hier nicht vor. Der Angeklagte ist jetzt reif genug um seine Entschlüsse selbst nach eigener Einsicht treffen zu können.“
„Und d[as] wißt, d[as] ich aufrecht und tapfer in den Tod gehe. [...] Bis 3 Min[uten] nach 5 weile ich auf dieser Erde. Dann hat alles Leid und Trübe ein Ende.“
Wilhelm Woitschaetzki wurde 1942 zur Wehrmacht einberufen und kam zu seiner Einheit, der Schweren Artillerie Ersatz-Abteilung 39, auf die Oderinsel Küstrin-Kietz. In der Kaserne in der Detlefsenstraße wurde er gewaltsam eingekleidet, später jedoch aufgrund seiner Verweigerung des Kriegsdienstes in das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Berlin-Tegel gebracht. Vor der Hauptverhandlung des Reichskriegsgerichtes kam er zu einer psychiatrischen Begutachtung in das Reservelazarett Berlin-Buch. Wilhelm Woitschaetzki wurde am 26. November 1942 in Brandenburg-Görden enthauptet. Seiner Familie hinterließ er einen Abschiedsbrief, der von seinem Glauben zeugt:
„Brandenburg, Mittwoch, den 25.11.42. 1/11 Uhr
Du mein liebstes Muttilein, mein geliebtes Schwesterchen, erschreckt bitte, bitte nicht, seid nicht bitte traurig, weint bitte nicht, laßt Euch bitte, bitte nicht vom Schmerz überwältigen. Ich schreibe Euch meine Liebsten nun d. letzten Zeilen, in den letzten Stunden die ich noch auf der Erde weile. …. Und d. wißt, d. ich aufrecht und tapfer in den Tod gehe. Es geschieht durch Fallbeil. Ich habe seit ich hier bin so gebetet, dass ich nicht eine Träne weinte, auch jetzt nicht. Es kam mir manchmal vor, doch das Gebet gab mir schnell wieder Kraft, so auch jetzt. [Text von Zensur rausgeschnitten.] Ich wurde gleich nach Abendbrot in diese Zelle gebracht. Bis 3 Min. nach 5 weile ich auf dieser Erde. Dann hat alles Leid und Trübe ein Ende.
Es liebt Euch von Herzen
Euer Wilhelm"
(Wrobel: Auf Wiedersehen, S. 239, 240, 306, 307; Herrberger: Denn es steht, S. 417; Rehberg: Wilhelm Woitschaetzki.)
Gedenkzeichen
Auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin-Lichtenberg findet sich in der Gedenkstätte der Sozialisten der Name Wilhelm Woitschaetzki auf einer nach 1971 angebrachten Gedenkwand.
Am 8. Oktober 2011 wurde in der Erich-Weinert-Straße 132 in Berlin-Pankow ein Stolperstein für Wilhelm Woitschaetzki verlegt.