Emma Tiesel, geb. Meier
- Vorname(n)
- Emma
- Geburtsname
- Meier
- Nachname
- Tiesel
- 1. Ehename
- Dahl
- Geburtsdatum
- 11. November 1890
- Geburtsort
- Warnitz, Deutschland
- Todesdatum
- 2. Mai 1972
- Todesort
- Berlin-Zehlendorf, Deutschland
- Beruf
- Zirkusartistin, Arbeit im Einzelhandel und in der Landwirtschaft
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Schloss sich 1924/25 den Bibelforschern an
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- August Tiesel (Ehemann)
- Erna Pien, geb. Meier (Schwester)
- Gustav Tiesel (Sohn)
- Gisela Tiesel (Tochter)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus
- August Tiesel (Ehemann)
- Erna Pien, geb. Meier (Schwester)
- Gisela Tiesel (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Emma Tiesel trat um 1925 der Glaubensgemeinschaft der Bibelforscher bei. In Schwerin existierte mit etwa 120 Mitgliedern die größte Gemeinde der Zeugen Jehovas in Mecklenburg. Ab 1933 wurden die Gläubigen im Deutschen Reich massiv verfolgt, da sie dem NS-Regime die Loyalität verweigerten. Emma Tiesel fungierte nach dem Verbot 1933 als Gruppenleiterin der Zeugen Jehovas für den Bereich Schwerin. Zu ihr wurde die verbotene Literatur der Zeugen Jehovas aus dem Ausland geschickt. In der Wohnung der Familie fanden sowohl geheime Zusammenkünfte als auch Hausdurchsuchungen statt. Bei einer Hausdurchsuchung hat Emma Tiesel Literatur der Religionsgemeinschaft im Schulranzen ihrer Tochter versteckt und das Mädchen damit an den Beamten vorbei aus dem Haus geschickt. In ihrer Strafakte ist zu lesen: „Die Beschuldigte gilt als besonders eifrige Förderin der IBV und hat durch die Abhaltung der Versammlung und die Annahme der Literatur gegen das Verbot verstoßen.“
Das Schweriner Sondergericht verurteilte Emma Tiesel am 1. März 1937 zu neun Monaten Haft. Die Strafe verbüßte sie ab dem 24. Mai 1937 bis zum 18. Oktober 1937 zunächst im Frauengefängnis Bützow, bevor sie ins Gefängnis nach Schönberg in Mecklenburg überführt wurde. In Bützow wurde sie schwer misshandelt. Zur Behandlung ihrer Halsbeschwerden gab man ihr eine ätzende Flüssigkeit zum Gurgeln, was zu dauerhaften Verletzungen an Speiseröhre und Gaumen führte.
Aufgrund ihres schlechten körperlichen Zustandes wurde Emma Tiesel am 30. Dezember 1937 aus dem Gefängnis entlassen. Bei späteren Untersuchungen wurde festgestellt: „Verätzung der Speiseröhre, Rippenfellentzündung, chronisch rezidivierende Bronchitis und hochgradiger Schwächezustand.“ Ihr Gesundheitszustand hatte sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis nur wenig verbessert, wie Atteste aus der Nachkriegszeit bestätigen.
Widerstand und Verfolgung im Kommunismus
Zum Kriegsende 1945 nahmen die Tiesels trotz der eigenen Not ihnen persönlich unbekannte Zeugen Jehovas auf, die auf dem Todesmarsch vom KZ Sachsenhausen nach Schwerin gelangt waren. Sie päppelten die halb verhungerten ehemaligen Häftlinge mit dem Kochwasser von Kartoffeln auf, bis diese wieder feste Nahrung zu sich nehmen konnten.
Eine im Herbst 1950 verordnete Kur in Bad Liebenstein konnte Emma Tiesel wegen der neuen politischen Situation – 1950 erfolgte das Verbot von Jehovas Zeugen in der DDR – nicht mehr antreten. Nach dem Verbot wurde ihr der Status eines Opfers des Faschismus aberkannt.
Im September 1950 bekam sie eine private Warnung vor einer bevorstehenden erneuten Verhaftung. Sie handelte sofort und verließ nur mit ihrer Tochter Gisela und einer Handtasche die Wohnung. 30 Minuten später wurde die Wohnung von der Staatssicherheit aufgebrochen und besetzt, um die Bewohner bei der Rückkehr zu verhaften. August Tiesel versteckte sich noch einige Tage in Schwerin in der Hoffnung, irgendetwas vom Besitz der Familie retten zu können. Vergeblich, er folgte nur mit den Sachen, die er seit Tagen am Körper trug, nach West-Berlin. Dort als Flüchtlinge angekommen, musste sich die Familie ein neues Leben aufbauen.
Gedenkzeichen
Am 25. September 2024 wurde für Emma Tiesel ein Stolperstein am ehemaligen Wohnhaus in der Heinrich-Mann-Straße 6 in Schwerin durch Gunther Demnig und die Stolperstein-Initiative-Schwerin verlegt. (Bersch: Stolperstein erinnert an eine Zeugin Jehovas.)
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