Bernhard Grimm
- Vorname(n)
- Bernhard
- Nachname
- Grimm
- Geburtsdatum
- 14. Mai 1923
- Geburtsort
- Blankenloch, Deutschland
- Todesdatum
- 21. August 1942
- Todesort
- Brandenburg-Görden, Zuchthaus
- Verfolgungsbedingte Todesart
- hingerichtet, enthauptet
- Beruf
- Elektriker
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kind von Zeugen Jehovas
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Karl Grimm (sen.) (Vater)
- Magdalene Grimm, geb. Mez (Mutter)
- Karl Grimm (Bruder)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Bernhard Grimm und sein Bruder Karl wurden von ihren Eltern von frühester Kindheit an in christlichen Prinzipien erzogen. Später betreute die Bibelforscherin Maria Hombach die Kinder. Bereits in der Zeit des Ersten Weltkriegs hatten die Eltern Kontakt zu Bibelforschern und lasen die Schriften von Charles T. Russell. Anfang der 1920er Jahre schlossen sie sich der Gemeinschaft an. Nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten beherbergte die Familie oft den im Untergrund tätigen Julius Engelhardt.
Im November 1938 begann Bernhard Grimm eine Lehre als Elektriker in einer Esslinger Firma. Am 15. April 1942 erhielt er die Einberufung zur Flak-Ersatz-Abteilung 1 in Ludwigsburg. Dort ereignete sich auf dem Hof der Reinhardtkaserne laut dem Feldurteil des Reichskriegsgerichtes Folgendes: „Bei der Einteilung der Rekruten auf dem Kasernenhof trat er aus dem Glied und erklärte dem diensttuenden Oberwachtmeister, dass er Dienst in der Wehrmacht verweigere mit der Begründung, er lebe nach der Bibel; in der Bibel stehe aber geschrieben, ‚Du sollst nicht töten‘.“ (Herrberger, Denn es steht geschrieben, S. 61, 138.) Bernhard Grimm erklärte weiter, dass ihm sein Gewissen nicht erlaube, entgegen dem Bibelwort zu handeln und mit der Waffe zu kämpfen. Als Sanitäter oder Monteur wäre er bereit Dienst zu tun.
Wenige Tage später überführte man ihn in die Standortarrestanstalt Ludwigsburg in der Hindenburgstraße 32. Zunächst wurde er am 19. Mai 1942 in Stuttgart verhört, blieb dabei aber bei seiner Weigerung. Anschließend überführte man ihn in das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Berlin-Tegel. Nach weiteren Verhören in Berlin klagte ihn der Oberreichskriegsanwalt wegen Wehrkraftzersetzung an. Seine Eltern und auch sein Bruder konnten ihn mehrfach in Berlin besuchen und bestärkten ihn in seiner Überzeugung. Am 14. Juli 1942 fand die Hauptverhandlung vor dem 2. Senat des Reichskriegsgerichts unter dem Vorsitz von Friedrich Neuroth statt. Da Bernhard Grimm auch in dieser Verhandlung bei seinem Standpunkt blieb, verurteilte ihn das Gericht zum Tode.
Der katholische Priester Franz D. Reinisch, der ebenfalls vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt worden war, schrieb in sein Tagebuch über den Transport vom Reichskriegsgericht zurück in das Wehrmachtgefängnis: „Ein junger Mensch mit 19 Jahren etwa war mit mir im Auto zusammengefesselt. Es war ein Bibelforscher und ist auch zum Tode verurteilt. Er zeigte mir ein kleines Zettelchen: ‚Gott segne Dich‘, und ein freundliches Lächeln begleitet diese Handlung. Da dachte ich bei mir: Kampf dem Irrtum, Liebe den Irrenden!, und ich empfahl diese junge Seele Christus, dem König der Herzen.“ (Brantzen: Pater Franz Reinisch, S. 96.)
Am 21. August 1942 gingen Franz Reinisch und Bernhard Grimm gemeinsam den letzten Gang zur Hinrichtung im Zuchthaus Brandenburg an der Havel. Der zuständige Wehrmachtpfarrer Werner Jentsch berichtete nach dem Krieg ausführlich darüber. Über eines der letzten Gespräche mit Bernhard Grimm vor der Hinrichtung schrieb er: „Laut kriegsgerichtlicher Maßnahmen durfte er, noch notfalls in der letzten Nacht, einen Zettel schreiben und darauf seine Bereitschaft zum Kriegsdienst und zur Eidesleistung bekunden. Er hätte sein Leben retten können, und unser Gespräch war praktisch die letzte Chance, ihn umzustimmen. Wir haben Text um Text in der Heiligen Schrift ernstlich durchgenommen. Er wollte es sich alles noch einmal überlegen. Dann ließ ich ihn allein mit seinem Herrn. Als ich in den frühen Morgenstunden wiederkam, war er ganz reif und klar: er unterschrieb den Zettel nicht.“ (Jentsch: Christliche Stimmen, S. 183.)
Über die Hinrichtung berichtete der Geistliche: „Bernhard kam als erster dran, weil er der Jüngste war. Vor der Stufe zum Hinrichtungssaal, der provisorisch in einem Schuppen angelegt war, mußten wir warten. Jede Minute schien wie eine Ewigkeit. […] Bernhard schritt die schwere Stiege gefaßten Schrittes hoch. Er ließ seinen Kopf fallen, nicht nur in einen Sägemehleimer. Der Kopf fiel tiefer, viel tiefer, unendlich tiefer – in die Arme seines Heilands.“ (Jentsch: Christliche Stimmen, S. 183.)
Der Abschiedsbrief von Bernhard Grimm wurde später mehrfach als Glaubenszeugnis veröffentlicht. Darin schrieb er unter anderem: „Seht, meine Liebsten, es ist nun schon Mitternacht vorbei, noch habe ich Zeit zurückzutreten. Ach, könnte ich in dieser Welt nach Verleugnung des Herrn noch einmal glücklich werden? Ich glaube nie. – Aber so habt Ihr die Gewißheit, daß ich glücklich und in Frieden von dieser Welt scheide. So schwer mir die Trennung fiel, so ließ mich doch unser Herr alles überwinden, und so bin ich keineswegs traurig oder gar verzweifelt, sondern genau das Gegenteil. Möge er auch Euch alles überwinden lassen. Euch alles, was Ihr mir Gutes und Liebes getan habt, möge er vielfach vergelten und froh und frei in die Zukunft gehen lassen, dem Reiche des allmächtigen Schöpfers entgegen. […] Nochmals die herzinnigsten Grüße und Küsse, den herzlichsten Dank, und auf baldiges, frohes Wiedersehen im Reiche unseres Herrn. Seid stark, denn ich bin ja nicht verloren, sondern kann wie Paulus sagen: ‚Ich habe Glauben gehalten, ich habe den Lauf vollendet, hinfort wird mir beigelegt sein die Krone des Lebens.‘“ (Wrobel, Auf Wiedersehen, S. 270 f.)
(Trost, Nr. 570, Bern, 15.6.1946, S. 10; Gollwitzer/Kuhn/Schneider: Du hast mich heimgesucht, S. 342 f.; Kunz/Donat: In Gottes Wahrheit leben, S. 72–80; Raumer: Zeugen Jehovas als Kriegsdienstverweigerer, S. 203–206.)
Gedenkzeichen
Seit 1993 gibt es in Baltmannsweiler die Bernhard-Grimm-Straße. (Esslinger Zeitung, 9./10.1.1993, S. 11.)
Auf dem „Ehrenmal für die im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichteten antifaschistischen Widerstandskämpfer“ auf dem Friedhof Krematorium in Brandenburg an der Havel wird Bernhard Grimm genannt.