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Gedenken und Erinnern in KZ-Gedenkstätten

2012 installierte Gedenktafel für Zeugen Jehovas auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (MGR, Fotografin: Britta Pawelke).

Das Themengebiet Erinnern und Gedenken an die NS-Verfolgung der Zeugen Jehovas ist noch weitgehend unerforscht. Das bezieht sich sowohl auf das Wissen, wo sich Tafeln, Gedenksteine (auch Stolpersteine) o.ä. befinden, als auch deren Gestaltung oder die Geschichte ihrer Entstehung.

Diese Feststellung gilt auch für das Unterthema Gedenken und Erinnern in den KZ-Gedenkstätten.

Generell kann konstatiert werden, dass die Einweihung von Gedenktafeln für Zeugen Jehovas, in Parallelität zur Aufarbeitung ihrer Verfolgungsgeschichte (so erschein das Standardwerk zur NS-Verfolgungsgeschichte von Detlef Garbe erst 1993), sehr spät begann. Die erste Gedenktafel in einer KZ-Gedenkstätte wurde 1998 in Österreich in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eingeweiht. Die ersten in Deutschland 1999 in den Gedenkstätten Bergen-Belsen (am 15. April 1999; hier wird die Häftlingsgruppe auf einer Gedenktafel zusammen mit anderen Verfolgtengruppen genannt) und KZ Sachsenhausen, hier im Zusammenhang mit einer Gedenktafel für August Dickmann anlässlich des 60. Jahrestages seiner Hinrichtung am 18. September 1939.

2002 folgte eine Gedenktafel in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, 2003 Dachau, 2006 Neuengamme, 2012 Ravensbrück, 2014 wieder in Österreich in Gusen, und die vorerst letzte Tafel wurde 2023 in Flossenbürg eingeweiht.

Alle Initiativen zu den Gedenktafeln gingen auf die Opfergruppe zurück mit Ausnahme der Tafel Bergen-Belsen.

Bei den Gedenkzeichen handelt es sich Gedenktafeln mit Inschriften. Lediglich für die Gedenktafeln in den KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Neuengamme (an einer freistehenden Mauer montiert) wurde ein lila Winkel als visuelles Erkennungszeichen der Häftlingsgruppe verwendet.

Vier der neun Gedenktafel sind auf Englisch und Deutsch verfasst. In drei Inschriften werden Zitate aus dem Neuen Testament („Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“, zweimal, und „Für alles bin ich stark durch den der mir Kraft verleiht, Philipper 4:13, kein Übersetzungshinweis) verwendet.

Auf der Gedenktafel der KZ-Gedenkstätte Gusen finden sich weitere Informationen zur Häftlingsgruppe, wie etwa die Gesamtzahl der in dem KZ inhaftierten Zeugen Jehovas, ihre Todeszahl und zu ihren Verfolgungsgründen („…weil sie Jehova dienten, nach biblischen Grundsätzen lebten und nach ihrem biblisch geschulten Gewissen handelten“). Auf der Tafel der KZ-Gedenkstätte Mauthausen findet sich der Satz: „Sie litten und starben für ihre tiefe christliche Überzeugung“).

Die Gedenktafeln in den KZ-Gedenkstätten Neuengamme und Dachau belassen es dagegen bei der bloßen Erwähnung: „Zeugen Jehovas im KZ Neuengamme“ und „Zeugen Jehovas litten und starben hier“ (KZ-Gedenkstätte Dachau).

Die Gründe für die unterschiedlichen Ausformungen sind sicherlich in den Reglements der einzelnen KZ-Gedenkstätten zu suchen, die sich aber verändern können.

In einzelnen KZ-Gedenkstätten befinden sich darüber hinaus Gedenktafeln für einzelne Zeugen Jehovas, etwa in Sachsenhausen (August Dickmann) und Neuengamme (Erwin Wehmeyer). Ob diese Gedenkpraxis sich durchsetzen wird, ist fraglich, da berechtigt gefragt werden muss, warum ausgerechnet diese Person und andere nicht erwähnt/geehrt werden, und es hierfür Gedenkräume auf dem Gelände der jeweiligen KZ-Gedenkstätte geben muss, um die mögliche Vielzahl der Namen aufzunehmen. Digitale Gedenkbücher oder der Raum der Namen in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen kommen dem berechtigten Bedürfnis eines individuellen Gedenkens entgegen, ohne die gesamte Topografie der KZ-Gedenkstätte zu verändern. Insofern ist die Erwähnung von August Dickmann auf dem Gelände KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen eine Ausnahme.

Resümierend kann festgestellt werden, dass die Verfolgtengruppe der Zeugen Jehovas mittlerweile umfassend in den jeweiligen KZ-Gedenkstätten repräsentiert ist. Als vergessene Opfergruppe kann sie dort nicht bezeichnet werden. Dennoch wäre zu überlegen, ob die Erwähnungen nicht komplettiert werden sollten, insbesondere in den KZ-Gedenkstätten, die für die NS-Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas eine herausragende Bedeutung hatten. Hierzu gehören sicherlich die Frauen-KZ Moringen und Lichtenburg, weil in diesen Frauen-KZ die Zeuginnen Jehovas die größten Häftlingsgruppen stellten, oder Niederhagen/Wewelsburg, wegen der besonderen Widerstandsleistungen.

Hans Hesse, 2026

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