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Bergen-Belsen, Konzentrationslager

Adresse

Kriegsgefangenenlager (1940–1945)
Stalag XI C Bergen-Belsen (ab 1941) 
Zweiglager des Stalag XI B Fallingbostel (1943–1945)
Austausch- und Konzentrationslager Bergen-Belsen (1943–1945)
Displaced Persons Camp (1945–1950)
Gedenkstätte Bergen-Belsen (seit 1952)
Lohheide, Anne-Frank-Platz, Deutschland

Informationen zum Ort

In den Jahren 1935 bis 1937 richtete die Wehrmacht im Süden der Lüneburger Heide im Kreis Celle einen Truppenübungsplatz ein. Das Barackenlager der ehemaligen Bauarbeiter wurde ab 1940 zur Unterbringung von zunächst 600 Kriegsgefangenen genutzt. 1941 kamen über 20.000 Kriegsgefangene überwiegend aus der Sowjetunion dazu und das Lager mit Lazarett erhielt die Bezeichnung Stalag XI C (311) Bergen-Belsen. Es wurde im Juni aufgelöst und das Lazarett galt nun bis zum Januar 1945 als Zweiglager des Stalag XI B Fallingbostel.

Im April 1943 richtete die SS hier noch ein Konzentrationslager ein, dass bis Ende 1944 auch als „Austauschlager“, bzw. „Aufenthaltslager“ bezeichnet wurde, da zunächst überwiegend Juden inhaftiert waren, die gegen im Ausland internierte Deutsche ausgetauscht werden sollten. Etwa 2.560 Häftlinge gelangten bis Kriegsende tatsächlich so in die Freiheit. Ab März 1944 kamen tausende kranke und arbeitsunfähige Männer aus anderen Konzentrationslagern nach Bergen-Belsen. Im August 1944 wurde ein weiterer Lagerteil für weibliche Häftlinge errichtet. Unter ihnen waren mehrere tausend Zivilisten des Warschauer-Ghetto-Aufstandes. Ab Dezember 1944 wurden frontnahe Konzentrationslager evakuiert, wodurch 85.000 weitere Häftlinge nach Bergen-Belsen gelangten.

Am 9. Mai 1943 wurden die ersten drei Zeugen Jehovas, Erich Golly, Karl Schleicher und Karl Truckenbrodt, aus Buchenwald nach Bergen-Belsen gebracht. Drei weitere, Hermann Dominke, Herbert Schmidt und Georg Winkelmann, kamen am 1. Juni 1943 aus dem aufgelösten KZ Niederhagen. Sie gehörten zum Kommando, dass das KZ aufbauen sollte. Ein siebter Zeuge Jehovas, Kurt Ropelius, kam am 22. Juni 1943 als Koch aus Dachau. Vom 19. Mai 1944 bis Dezember 1944 war Rachel Sacksioni-Levée, eine gebürtige Jüdin aus den Niederlanden, in dieser Zeit die einzige Zeugin Jehovas in Bergen-Belsen. Mindestens vier weitere Zeugen Jehovas trafen 1944 aus den Lagern Sachsenhausen und Ravensbrück ein und kamen in Bergen-Belsen ums Leben. Zwei jüdische Zeuginnen Jehovas aus Ungarn kamen im Dezember 1944 aus dem KZ Auschwitz nach Bergen-Belsen.

Mit Beginn der Todesmärsche aus den evakuierten Konzentrationslagern im Osten kamen viele weitere Zeugen Jehovas nach Bergen-Belsen, so im Januar und Februar 1945 mindestens 69 Frauen aus Auschwitz, die meisten davon am 26. Februar 1945. Die Zeuginnen Jehovas waren zunächst drei Tage zu Fuß durch den eisigen Winter getrieben worden, bevor sie mit dem Zug über die Lager Groß-Rosen und Mauthausen nach Bergen-Belsen gelangten. Aus dieser Gruppe wurden 26 Frauen am 3. März 1945 in das KZ Mittelbau-Dora transportiert. 15 der Zeuginnen Jehovas, die über Auschwitz nach Bergen-Belsen gelangten, waren schon vor dem März 1938 gemeinsam im KZ Moringen inhaftiert und damit mindestens sieben Jahre in KZ-Haft.

Weitere Zeugen Jehovas in Bergen-Belsen waren Herbert Herold, der am 1. April 1945 aus dem Zuchthaus Werl kam und der Ukrainer Witali Kostanda, der im Februar aus Sachsenhausen nach Bergen-Belsen gebracht wurde. Von 16 namentlich bekannten Zeugen Jehovas aus den Niederlanden, die in Bergen-Belsen 1945 ankamen, starben zwölf Männer und zwei Frauen im Lager.

Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen die 53.000 Häftlinge im KZ Bergen-Belsen. Ab 1943 war fast die gleiche Anzahl Häftlinge hier verstorben. Tausende Leichen mussten nach der Befreiung bestattet werden. Auch im angrenzenden Kriegsgefangenenlager waren etwa 20.000 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt litten in Bergen-Belsen mindestens 120.000 Menschen. Zu den Überlebenden zum Zeitpunkt der Befreiung gehörten 41 weibliche und 20 männliche Zeugen Jehovas.

Von Juni 1945 bis Juli 1950 diente die ehemalige Wehrmachtskaserne als Lager für „Displaced Persons“, die noch nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten.

(Rahe: Konzentrationslager Bergen-Belsen; ders.: Zeugen Jehovas Bergen-Belsen; Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 23–27, 32 f., 35, 110, 113, 177; WTG: Jahrbuch 1996, S. 93.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

76

Frauen

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand
50

Männer

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand
  • Hermann Alt
  • Erich Awege
  • Heinrich Bohlen
  • Barend Breevaart
  • Pieter Broertjes
  • Simon Broetjes
  • Cornelis de Jager
  • Leendert de Ruiter
  • Willy Diesener
  • Hermann Dominke
  • Arthur Galle
  • Erich Golly
  • Herbert Herold
  • Paul Jäschke
  • Wilhelm Kohls
  • Franz Konwiczka
  • Witali Kostanda
  • Joseph Kulczak
  • Richard Ernst Leubner
  • Piotr Ligenza
  • Józef Lipínski
  • Stanislaw Maliszewski
  • Jacques Michel
  • Willy Micksch
  • Stefan Milewski
  • Hendrik Mulder
  • Alexej Semjonovich Nepotschatow
  • Grzegorz Otrebski
  • Wouter Overweg
  • Friedrich Poburski
  • Hans Rassmanns
  • Bastiaan Roos
  • Kurt Ropelius
  • Pieter Rossel
  • Stanislaw Saja
  • Karl Schleicher
  • Herbert Schmidt
  • Anthonie Schotel
  • Konstantin Stebel
  • Andrzej Szalbot
  • Gerrit Jan ten Voorde
  • Herman Tollenaar
  • Karl Truckenbrodt
  • Albert von Duren
  • Otto Walowy
  • Adolf Wiese
  • Georg Winkelmann
  • Rudolf Winkelmann
  • August Wysa
  • Karl Zimmermann

Gedenkzeichen

Die Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers wurden bereits 1945/46 abgerissen, so dass heute nur noch vereinzelte Fundamente vorhanden sind. Auf dem ehemaligen Lagergelände wurde 1952 eine Gedenkstätte eingeweiht, die im April 1966 ein erstes Dokumentenhaus mit einer Ausstellung erhielt. 1990 erfolgte die Eröffnung einer neuen Dauerausstellung und 2007 eines Dokumentationszentrums. Die Gedenkstätte Bergen-Belsen verwahrt u. a. einige Zeitzeugen-Interviews mit überlebenden Zeugen Jehovas aus dem Konzentrationslager.

Am 18. April 1998 wurde in der Gedenkstätte Bergen-Belsen die Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung — Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ eröffnet.

1999 wurde vor der Inschriftenwand auf dem ehemaligen Lagergelände eine Bronzetafel installiert, auf dem alle Häftlingsgruppen in Bergen-Belsen - auch Zeugen Jehovas - benannt werden.

(WTG: Lila Winkel 1999, S. 3.)

Link zur Website der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Auf einem freien Grüngelände steht eine Wand aus Natursteinen mit der Aufschrift "Bergen-Belsen 1940 bis 1945".
Gedenkstein am Eingang zum Friedhof auf dem historischen Lagergelände Bergen-Belsen, 2013 (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Gedenktafel mit dem Text: „Wir gedenken der Männer, Frauen und Kinder aus vielen Ländern, die im Konzentrationslager Bergen-Belsen gefangen gehalten und um ihr Leben gebracht wurden[:] Politische Gegner des Nationalsozialismus[,] Juden[,] Sinti und Roma[,] Zeugen Jehovas[,] Homosexuelle[,] Opfer der Zerstörung des rechts[.] Wir gedenken der im Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen um ihr Leben gebrachten Soldaten aus der Sowjetunion und aus anderen Ländern[.] 1999
Die 1999 vor der Inschriftenwand auf dem ehemaligen Lagergelände Bergen-Belsen installierte Gedenktafel nennt die Opfergruppe der Zeugen Jehovas, 2025 (Privatarchiv Falk Bersch, Fotografin: Sabine Brunotte).

Externe Medien

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