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Berlin-Tegel, Strafgefängnis, Wehrmachtuntersuchungsgefängnis

Adresse

Strafgefängnis Berlin-Tegel
Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Zweigstelle Berlin-Tegel, im Verwahrhaus III (ab Februar 1940)

Berlin-Tegel, Seidelstraße 39, Deutschland

Informationen zum Ort

Das königliche Strafgefängnis Tegel wurde 1898 fertiggestellt. Das Strafgefängnis unterstand 1933 der Generalstaatsanwaltschaft bei dem Kammergericht Berlin. Vollstreckt wurden dort Strafen an Männern, die zu mehr als neun Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Im Tegeler Gefängnis gab es zeitweise acht anstaltseigene Betriebe, in denen Gefangene beschäftigt wurden. Der größte Betrieb war die Druckerei, in der sämtliche Drucksachen und Formulare der preußischen Justizverwaltung hergestellt wurden. Die Tegeler Bäckerei versorgte zeitweise sämtliche Berliner Haftanstalten mit Brot.

Von 1936 bis 1945 befanden sich mindestens 47 männliche Zeugen Jehovas im zivilen Bereich des Strafgefängnisses in Untersuchungshaft oder zur Verbüßung einer Haftstrafe.

Im Februar 1940 wurde das Verwahrhaus III für eine Zweigstelle des Wehrmachtsuntersuchungsgefängnisses (WUG) geräumt. Das Zivilgefängnis und das WUG waren weder personell noch verwaltungstechnisch miteinander verbunden. Das WUG unterstand dem Kommandanten Oberleutnant Walter Maetz. Von 1940 bis 1944 waren im WUG mindestens 167 Zeugen Jehovas inhaftiert, um auf den Prozess vor dem Reichskriegsgericht zu warten.

(LAB A Rep. 370 Strafgefängnis Tegel; JVA Tegel: 100 Jahre Justizvollzugsanstalt Tegel; Herrberger: Jehovas Zeugen im Strafsystem, S. 141.)

Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus

Zu den zivilen Gefangenen in Tegel gehörte 1937 Emil Zellmann, eine der führenden Personen vom Goldfischteich im Tiergarten. Er hatte durch seine Diabetes-Erkrankung dort schwer zu leiden. Die Mehrheit der in Tegel inhaftierten Zeugen Jehovas befand sich allerdings ab 1940 in Untersuchungshaft, da sie den Wehrdienst verweigert hatten. Die Behandlung im abgetrennten Bereich des Gefängnisses, der Verwahranstalt III, war in der Regel sehr hart und teilweise auch menschenunwürdig. Zeugen Jehovas wurden zum Teil misshandelt, geschlagen und erlitten Nervenzusammenbrüche, wenn sie auf ihrer Verweigerung des Wehrdienstes beharrten. Richard Heide wurde von den Wächtern mit Spott und den Worten empfangen: „Ein neuer Bibelforscher ist da! Denen gehört ein Topf mit siedendem Wasser über den Kopf gegossen, damit sie nüchtern werden.“ Bernhard Grimm zitierte in einem seiner Briefe einen Mitgefangenen, der sagte: „Wenn man dieses Haus betrachtet, es ist furchtbar! O ja, denn hier herrscht gemeinste Tyrannei, Hunger und Vernichtungswut!“ (Herrberger: Denn es steht, S. 115, 181 ff., 184.)

Über den Gefängnisalltag berichtete Bernhard Grimm: „Aus der Zelle kommen wir morgens eine halbe Stunde, und das immer nur 2 Abteilungen zusammen, natürlich immer mit 3 Schritt Abstand und unter strengster Bewachung. [...] Ist man einige Tage da, so wird man gefragt, ob man arbeiten will [...]. Dann bekommt man Briefumschläge zum Kleben. Am 2. Tag heißt es: ‚So 2000 könnten sie schon machen.‘ Am übernächsten Tag: ‚Ich hoffe, daß sie bis morgen fertig seid."

Den gefangenen Zeugen Jehovas wurde ungewöhnlicherweise gestattet, eine Bibel zu besitzen. Dies belegen viele Briefe aus der Haft eindrücklich. In manchen Fällen wurden Zeugen Jehovas auch gemeinsam in eine Zelle gelegt, sodass sie sich gegenseitig stärken konnten. Werner Gassner berichtete: „Ich bin seit Freitag mit einem Bruder zusammen in der Zelle. Ich bin so erfreut darüber und er mit, das könnt Ihr Euch denken. Es ist Heinz Hetkamp aus Oberhausen. […] Wir stärken und trösten uns gegenseitig und werden kämpfen und ausharren bis ans Ende.“ (Herrberger: Jehovas Zeugen im Strafsystem, S. 147.)

Nach der U-Haft in Tegel und der Verhängung des Todesurteils durch das Kriegsgericht wurden die Verurteilten in der Regel in das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee und später in das Zuchthaus Brandenburg an der Havel zur Vollstreckung überstellt. Der Gefängnisgeistliche von Tegel, Harald Poelchau, der auch mit einigen Zeugen Jehovas gesprochen hatte, bezeugte später, dass diese Gefangenen „für ihre Überzeugung ohne Schwanken in den Tod“ gegangen sind. (Poelchau: Die letzten Stunden, S. 37.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

214

Männer

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand

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