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Gertrud Hartmann, geb. Drechsler

Vorname(n)
Gertrud
Geburtsname
Drechsler
Nachname
Hartmann
1. Ehename
Nollert
Geburtsdatum
1. April 1906
Geburtsort
Dresden-Altstadt
Todesdatum
26. September 1996
Todesort
Wermelskirchen
Beruf
Friseuse
Erstkontakt und/oder Taufe
Taufe als Bibelforscherin 1928

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Wegen Bezugs illegaler Bibelforscher-Schriften und Weiterleitung von zehn Reichsmark zur Unterstützung verfolgter Glaubensangehöriger wurde Gertrud Nollert am 30. Dezember 1936 verhaftet – acht Tage vor ihrem Ehemann. Beide erhielten am 26. Februar 1937 vor dem Sondergericht Freiberg eine Strafe von zehn Monaten Gefängnis, die Gertrud Nollert in Freiberg verbüßte.

Der Strafhaft folgte die Schutzhaft. Am 25. November 1937 kam sie ins Frauen-KZ Moringen und erhielt die Häftlingsnummer 342, die sie auch in den beiden nächsten Lagern behielt. Sie war eine der 148 Zeuginnen Jehovas, die am 21. Februar 1938 im Zuge der Auflösung des KZ Moringen mit einem Sonderzugtransport in das Frauen-KZ Lichtenburg gebracht wurden. Der Ortswechsel brachte härtere Arbeitsbedingungen und schärfere Strafmaßnahmen mit sich: Im Oktober weigerten sich Gertrud Nollert und andere, im KZ-Hof eine Radioansprache Hitlers anzuhören. Die SS-Wachen trieben die Frauen daraufhin mit eiskaltem Wasser aus Schläuchen aus ihrem Schlafsaal und unter Fußtritten auf den Hof hinaus, wo sie stundenlang völlig durchnässt in der Kälte stehen mussten. Das hinterließ bei Gertrud Nollert dauerhafte gesundheitliche Schäden. Danach belegte man sie und einige andere Frauen mit vier Monaten Postsperre und drei Wochen verschärften Arrest bei verkürzten Essensrationen. Am 15. Mai 1939 kam sie erneut auf Transport, diesmal in das KZ Ravensbrück, wohin man aus der Lichtenburg insgesamt fast 400 Zeuginnen Jehovas verlegte. Dort verweigerten die Frauen das Nähen von Munitionstäschchen für Soldaten. Frierend und hungernd mussten sie fünf Tage lang jeweils sieben Stunden in der Kälte stehen; darauf folgten drei Wochen Dunkelarrest im Bunker, und während der Weihnachtsfeiertage erhielten sie keinerlei Nahrung. Kurz darauf besuchte der Reichsführer-SS Heinrich Himmler persönlich die Zeuginnen Jehovas, um sich über den Erfolg der Strafmaßnahmen zu informieren. Danach kamen die Frauen in die von innen völlig vereisten Baracken zurück. Bei minus 30 Grad mussten sie mit leichter Kleidung und halbierten Essensrationen Schnee räumen und Ziegelsteine abladen. Die Aufseher bezeichneten die Frauen als „Friedhofskolonne“. In ihrer Not aßen sie Unkraut und Sägespäne – sie waren nur noch Haut und Knochen; Gertrud Nollert hatte über 22 kg verloren.

Im August 1942 kam sie mit zunächst 10 (später insgesamt 30) Zeuginnen Jehovas auf das 20 km entfernte Landgut Hartzwalde, wo die Frauen in Zivilkleidung bei besserer Versorgung arbeiteten. Das Gut entwickelte sich zu einem Zentrum des „illegalen“ Literaturtransfers: Von hier aus fanden Schriften von Jehovas Zeugen aus Schweden ihren Weg in die Konzentrationslager und auch zu noch in Freiheit lebenden Zeugen Jehovas. Hier erhielt Gertrud Nollert die Nachricht, dass ihr Ehemann nach Inhaftierung in den KZ Buchenwald und Dachau schließlich am 2. März 1944 im KZ Majdanek ermordet wurde. Sie selbst war im KZ so schwer krank geworden, dass sie sich zwischen dem 8. August und 2. September 1944 im Krankenhaus Neuruppin einer Operation unterziehen musste. Bis April 1945 musste sie auf dem Landgut Comthurey arbeiten, das Oswald Pohl gehörte, der 1951 im Rahmen der Nürnberger Prozesse als NS-Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. Nachdem das Gut in Flammen aufgegangen war, kam sie bis zum 8. Juli 1945 wieder nach Hartzwalde zurück.

(Krüger: Eine Bibel, S. 31–37.)

Widerstand und Verfolgung im Kommunismus

In den Jahren nach der KZ-Haft versuchte Gertrud Nollert vergeblich in Dresden Fuß zu fassen und sich als Friseuse selbständig zu machen. Sie wohnte ab Juli 1947 in Salzwedel und ab September 1948 in Rostock. Hier wurde ihr eine Woche vor dem Verbot der Zeugen Jehovas in der DDR (31. August 1950) der Status eines „Opfers des Faschismus“ wieder aberkannt, da sie weiter zu ihrem Glauben stand. Aus Gewissensgründen lehnte sie auch die politische Unterstützung der Nationalen Front ab. Daher wurde ihr das angemietete Zimmer wieder entzogen. Am 15. Oktober 1950 verweigerte sie in Rostock außerdem die Beteiligung an der Wahl zur 1. Volkskammer der DDR.

In den folgenden Monaten wurden in der DDR immer mehr Zeugen Jehovas inhaftiert. Personen, mit denen Gertrud über ihren Glauben gesprochen hatte, informierten sie Anfang August 1951, dass die Behörden bereits nach ihr suchten. Sie reagierte sofort: Flucht zunächst nach Westberlin und von dort per Flugzeug am 16. August 1951 nach Hannover. Dort (wie später auch in Velbert-Neviges und Wuppertal) wohnte sie eine Zeitlang bei ehemaligen KZ-Mithäftlingen. Am 18. September 1952 zog sie schließlich in den Wiesenweg 5 in Wermelskirchen – fünf Tage nach ihrer Heirat mit Gustav Hartmann.

(Krüger: Eine Bibel, S. 37.)

Gedenkzeichen

Am 23. September 2022 wurden für Wilhelm und Gertrud Nollert zwei Stolpersteine in der Schäferstraße 9 in Dresden verlegt. (Bergische Morgenpost, 22.9.2022, S. C 2.)

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