Otto Brass
- Vorname(n)
- Otto
- Nachname
- Brass
- Geburtsdatum
- 7. September 1902
- Geburtsort
- Düsseldorf, Deutschland
- Todesdatum
- 17. Juli 1968
- Todesort
- Ratingen, Deutschland
- Beruf
- Maschinenschlosser
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Agnes Brass, geb. van Trist (Ehefrau)
- Gertrud Brass (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Otto Brass wurde schon im August 1934 wegen seiner christlichen Glaubensüberzeugung von seinem Arbeitsplatz beim Reichseisenbahndienst entlassen – nach „9 jähriger einwandfreier Diensterfüllung“. 1936 schrieb er an die „Reviergruppe 4 des Reichsluftschutzbundes“ Düsseldorf zur Begründung seiner Weigerung, an Luftschutzkursen teilzunehmen: „Als ein wahrer Nachfolger Jesu Christi habe ich gelobt, den Willen des Schöpfers vom Himmel und der Erde zu tun.“
„Als ein wahrer Nachfolger Jesu Christi habe ich gelobt, den Willen des Schöpfers vom Himmel und der Erde zu tun.“
Er und seine Ehefrau, Agnes Brass, erzogen die gemeinsame Tochter Gertrud Brass nach den christlichen Prinzipien der Bibel. In der Wohnung des Ehepaars fanden regelmäßig konspirative Zusammenkünfte zur Bibel statt, außerdem kümmerte sich Otto Brass unter Lebensgefahr als leitender Seelsorger - von der Gestapo „Funktionär“ genannt - um die geistigen und humanitären Bedürfnisse der Düsseldorfer Gemeindemitglieder. Zu seinen Aufgaben gehörten
jeden Sonntag bei schönem Wetter geheime Treffen im Gerresheimer Busch mit leitenden Seelsorgern aus Düsseldorf und dem Bergischen Land,
regelmäßiger Kontakt zu Albert Wandres, dem zu jener Zeit leitenden „Reichsdiener“, der als „Fliegender Bruder“ bekannt war und in der Illegalität reichsweit den Literatur- und Informationsaustausch organisierte,
in Düsseldorf Aktionen zur Verteilung der Protestflugblätter „Resolution“ im Dezember 1936 sowie „Offener Brief“ im Juni 1937 zu organisieren, die blitzartig im ganzen Reich zur selben Uhrzeit in Briefkästen und unter Türen gelegt wurden,
Spendensammlung und Pläne zum Kauf eines „Schwarzsenders“ für Radiobotschaften an die Bevölkerung, „um noch einmal dem deutschen Volke auf diese Art, da es anders nicht möglich wäre, das Evangelium vom Königreich Gottes zu verkünden“, wie es Otto Brass laut einem Verhörprotokoll der Gestapo geäußert haben soll (dieses Ziel konnte jedoch nicht mehr realisiert werden), und
Kurierdienste, um verbotene Literatur zur Bibel an die Gläubigen in Düsseldorf und Umgebung zu verteilen.
Nach seiner Entlassung durfte Otto Brass ab 1935 in der Werkstatt des Korkschneiders Franz Müller arbeiten, wo sich ein umfangreiches, geheimes Literaturdepot der Religionsgemeinschaft befand. Außerdem trafen hier bis zu einer Verhaftungswelle im Frühherbst 1937 etwa alle 14 Tage die aktuellen Ausgaben der verbotenen Zeitschrift „Der Wachtturm“ und andere Bibelliteratur aus Bremen ein.
Bei einer Hausdurchsuchung im Mai 1936 beschlagnahmte die Gestapo in der Wohnung der Familie Brass 29 Bücher und acht Broschüren.
Am 15. September 1937 wurde Otto Brass festgenommen und mehrmals verhört. Aufgrund eines Haftbefehls vom Amtsgericht Düsseldorf kam er im Oktober in Untersuchungshaft in das Polizeigefängnis Düsseldorf-Derendorf, „Ulmer Höh‘“ genannt, und wurde am 26. November 1937 im Sammelverfahren gegen vier leitende Prediger vom Sondergericht Düsseldorf zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Tochter war etwa vier Jahre alt und sah ihren Vater möglicherweise erst über sieben Jahre später wieder.
Die Strafhaft verbüßte er ab
6. Dezember 1937 im Strafgefängnis Wuppertal-Elberfeld,
27. September 1938 im Strafgefangenenlager V Neusustrum.
Zwischendurch beurlaubte ihn die Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Januar 1939 zur Regelung von Familienangelegenheiten anlässlich der Beerdigung seines Vaters. Seine Ehefrau Agnes hatte das Gesuch eingereicht und erklärt: „Ich bin bereit das Reisegeld sofort telegraphisch nach Neusustrum zu überweisen.“
Nach Strafverbüßung ab
15. September 1939 im Strafgefängnis Lingen (Ems) (auf der „Einlieferungsanzeige“ des Strafgefängnisses Lingen-Ems wird der 23. September 1939 als Beginn der „Schutzhaft“ angegeben),
Oktober 1939 Polizeigefängnis Düsseldorf.
Wohl zum letzten Mal durfte Agnes Brass ihren Mann am 29. Oktober 1939 im Polizeigefängnis Düsseldorf besuchen und rief ihm beim Abschied zu: „Halt den Kopf hoch und wenn sie Dich erschiessen [sic!], so sei dennoch mutig“!
Weitere Stationen seiner sogenannten „Vorbeugungs-Schutzhaft“ waren
26. November 1939 KZ Niederhagen-Wewelsburg, das zu dieser Zeit dem KZ Sachsenhausen unterstand mit der Gefangenennummer 23, später 5051 und ab dem 1. September 1941, als Niederhagen ein selbständiges Lager wurde, mit der Gefangenennummer 1351,
5./6. April 1943 Transport in das KZ Ravensbrück (kurz vor Auflösung des KZ Niederhagen) mit der Gefangenennummer 3508.
Otto Brass lebte nach seiner Befreiung mit seiner Familie in Ratingen.
Die Kreisverwaltung Düsseldorf-Mettmann für Wiedergutmachung erbat 1955 vom Landgericht Düsseldorf Mitteilung, ob das Urteil des Sondergerichts Düsseldorf gegen Otto Brass vom 26. November 1937 „gemäß § 16 Abs. 6 des Bundesergänzungsgesetzes aufgehoben“ sei. Das war bereits 1947 geschehen.
(Moss/Kawell: Verfolgung und Widerstand, S. 19, 27; StA DÜ, Standesamt Düsseldorf Mitte 5674/02, 666/29, 783/31, 500/33, Standesamt Ratingen 306/68, Historische Einwohnermeldekartei, Sign. 7-4-3-34-0176; LAV NRW R, Akte Ger. Rep. 114 Nr. 1141, 1139; Akte RW 58 Nr. 49320, 24893; ITS Arolsen Archives, Teilbestand 1.1.31 / Sign. 3665528–3665531, Individuelle Häftlingsunterlagen des KZ Niederhagen-Wewelsburg, Teilbestand 1.1.35 / Sign. 129643551, 3767154, Dokumente des KZ Ravensbrück; Stadtarchiv Wülfrath, Schreiben vom 12.11.2024.)