Julius Riffel
- Vorname(n)
- Julius
- Nachname
- Riffel
- Geburtsdatum
- 8. Dezember 1905
- Geburtsort
- Stetten (heute Ortsteil von Lörrach), Deutschland
- Todesdatum
- 10. Mai 1977
- Todesort
- Lörrach, Deutschland
- Beruf
- Schneider, Stoffdrucker, Weber
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Bekenntnis zu den Bibelforschern 1925
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Rosa Riffel, geb. Forster (Ehefrau)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Julius Riffel war Mitarbeiter im Bibelhaus Magdeburg. Nach dessen Schließung durch die SA 1933 war er als Prediger in Ungarn tätig. Er kehrte 1935 in seinen Heimatort Lörrach zurück. Dort organisierte er Kurierdienste, um die nun illegale Literatur der Zeugen Jehovas aus der Schweiz nach Deutschland zu transportieren.
Er heiratete am 7. März 1936 Rosa Forster. Beide trafen sich weiter heimlich mit ihren Glaubensgeschwistern und studierten die verbotenen Schriften. Als einem der wenigen Zeugen Jehovas aus Deutschland gelang es Julius Riffel vom 20. bis 23. August 1937 einen Kongress der Zeugen Jehovas in Paris zu besuchen, auf dem eine Resolution angenommen wurde, die auf die brutale Verfolgung in Deutschland hinwies.
Julius Riffel kehrte Ende Januar 1938 mit einem Geheimauftrag nach Deutschland zurück.
Julius und Rosa Riffel begaben sich in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1937 auf die Flucht in die Schweiz. Sie lebten und arbeiteten dort im Berner Bibelhaus, von wo aus die Tätigkeit der Zeugen Jehovas in Mitteleuropa einschließlich Deutschlands koordiniert wurde. Während Rosa Riffel in der Schweiz blieb, kehrte Julius Riffel Ende Januar 1938 mit einem Geheimauftrag nach Deutschland zurück. Er sollte die Untergrundorganisation der Zeugen Jehovas nach der Verhaftung einiger leitender Predigern in Baden-Württemberg neu aufbauen. Viermal überquerte er die Grenze nach Deutschland, das letzte Mal am 11. Februar 1938 bei Wyhlen, und reiste über Konstanz nach Stuttgart. Dort wurde er drei Tage später auf dem Hauptbahnhof mit verbotenen Schriften im Gepäck verhaftet und im Stuttgarter Gefängnis inhaftiert. Er war von einem ehemaligen Zeugen Jehovas, der im Dienst der Gestapo tätig war und in Bern von den Plänen Riffels erfahren hatte, verraten worden. In Stuttgart wurde Julius Riffel bei Verhören durch die Gestapo wiederholt brutal geschlagen.
Am 22. September 1938 wurde Julius Riffel vom Sondergericht Stuttgart zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt, wobei ihm die Untersuchungshaft zu fünf Monaten angerechnet wurde. Laut Urteilsbegründung hatte er verbotene Druckschriften verteilt, versucht eine illegale Organisation aufzubauen und sich durch die illegale Einreise eines Passvergehens schuldig gemacht. Die Strafhaft verbüßte Julius Riffel von Oktober 1938 bis zum 22. Juni 1941 im Gefängnis in Freiburg im Breisgau.
In Lörrach musste er sich nach seiner Haftentlassung täglich bei der Polizei melden. Dennoch gelang es ihm heimlich, den Glauben weiter zu praktizieren. Als Rosa Riffel, die einen Schweizer Pass mit deutschem Visum mitführte, ihn in Lörrach besuchen wollte, wurde sie am 1. Mai 1942 verhaftet und schließlich in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt. Erst nach Kriegsende konnte sie zu ihrem Mann nach Lörrach zurückkehren.
(Schaser/Bühler: Julius Riffel; WTG: Jahrbuch 1974, S. 161, 178.)
Gedenkzeichen
Am 6. Dezember 2023 wurden in Lörrach, Gretherstraße 4, in Anwesenheit von Oberbürgermeister Jörg Lutz Stolpersteine für Rosa und Julius Riffel verlegt. In der Gretherstraße 4 lebte das Ehepaar bis zur Flucht in die Schweiz im November 1937. (Schwarzwälder Bote, 7.12.2023.)