Lörrach, Grenzübergang zur Schweiz
Adresse
Grenzübergang zur Schweiz in Lörrach
Lörrach, Fußweg am Fluss Wiese, Deutschland
Informationen zum Ort
Die Deutsch-Schweizer Grenze hat zwischen Lörrach und dem Schweizer Ort Riehen einen unregelmäßigen Verlauf. Ab 1933 flohen immer mehr Regimegegner aus Deutschland über Lörrach in die Schweiz. Auch viele Tagesausflügler nutzten den Grenzübergang zu einem Einkauf im Nachbarland. Um den Devisenabfluss zu begrenzen, schloss Deutschland im Januar 1935 alle unbewachten Grenzübergänge. Ab 1938 stellten die Behörden ferner die Ausgabe von Tagesscheinen in die Schweiz ein.
Ein deutsch-schweizerisches Abkommen vom September 1938 führte zur Einführung eines sogenannen „Judenstempels“ in den Pässen deutscher Juden, was deren Einreise in die Schweiz stark erschwerte. Insbesondere von 1942 bis 1944 wurden tausende Juden an der Einreise gehindert.
(Moehring/Laube: Lörrach und der Nationalsozialismus, S. 10–15.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Alle 14 Tage unternahm die Familie Denz einen „Wochenendausflug“ in das benachbarte Bettingen nahe Basel, um die im Bibelhaus Bern (Schweiz) gedruckte Literatur der Zeugen Jehovas abzuholen und nach Deutschland zu schmuggeln. Dabei nutzten Oskar und Anna-Maria Denz sowie ihre Tochter Anna Geheimtaschen, die Anna-Maria Denz in die Kleidung genäht hatte. Auf umgekehrtem Weg schmuggelte die Familie auch Berichte über die grausame Behandlung der Zeugen Jehovas durch die Nationalsozialisten und über die Zustände in den Konzentrationslagern in die Schweiz. Diese Berichte waren eine Grundlage für das im Berner Bibelhaus zusammengestellte und 1938 veröffentlichte Buch „Kreuzzug gegen das Christentum“.
Nachdem der Literaturschmuggel den Grenzbehörden fast vier Jahre lang nicht aufgefallen war, bemerkte am 2. Februar 1938 ein Zöllner am Grenzübergang die ausgebeulte Manteltasche von Oskar Denz. Bei der anschließenden Durchsuchung fand er bei ihm 39 Exemplare des verbotenen Wachtturms. Bei seiner Frau und seiner Tochter wurden weitere 28 Exemplare sowie sowie einige Jahrbücher 1938 gefunden. Die Gestapo brachte die Familie zum Bezirksgefängnis Lörrach. Darauf folgte für die Eltern ein Reihe von Inhaftierungen in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern bis Anna-Maria Denz 1942 im KZ Ravenbrück und Oskar Denz im gleichen Jahr im KZ-Außenlager Gusen ermordet wurden.
(Michel: Ein junges Mädchen; Schwarzwälder Bote, 14.08.2025; Denz Turpin: Geborgen; Brüggemann: Oskar Denz.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Gedenkzeichen
Seit dem 2. November 2021 erinnert eine Stolperschwelle am Grenzübergang in Riehen (Schweiz) an die Personen, die von Schweizer Grenzbeamten an die Gestapo ausgeliefert wurden. Eine weitere Stolperschwelle erinnert seit dem 20. Mai 2025 vor dem ehemaligen Lörracher Bezirksgefängnis an die vielen Menschen, die an der Schweizer Grenze aufgegriffen, in das Gefängnis gebracht und von dort deportiert wurden. (Hauger: Stolperschwelle.)