Anna-Maria Denz, geb. Dillmann
- Vorname(n)
- Anna-Maria
- Geburtsname
- Dillmann
- Nachname
- Denz
- Geburtsdatum
- 17. April 1896
- Geburtsort
- Zell im Wiesental, Deutschland
- Todesdatum
- 31. Januar 1942
- Todesort
- Ravensbrück, Konzentrationslager
- Verfolgungsbedingte Todesart
- Tod nach Stockhieben, Essensentzug und Dunkelarrest
- Beruf
- Arbeiterin in der Seidenbandfabrik Sarasin in Lörrach
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kontakt mit Bibelforschern seit Anfang der 1920er Jahre, Taufe als Zeugin Jehovas 1931
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Oskar Denz (Ehemann)
- Anna Denz Turpin, geb. Denz (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas am 15. Mai 1933 in Baden engagierte sich Anna-Maria Denz zusammen mit ihrem Mann Oskar Denz und der Tochter Anna weiter für ihre religiöse Überzeugung. Dafür besuchte die in Lörrach wohnende Familie regelmäßig Zusammenkünfte im schweizerischen Basel. Auf Vermittlung von Julius Riffel, der nach der Schließung des Magdeburger Bibelhauses der Zeugen Jehovas nach Lörrach zurückgekehrt war, bot die Familie Denz von der Gestapo gesuchten leitenden Predigern der nun im Untergrund tätigen Religionsgemeinschaft wie Albert Wandres, Heinrich Dietschi, Ludwig Stikel und Ludwig Cyranek zeitweilig Unterkunft. Ein im gleichen Haus lebendes Ehepaar denunzierte die Familie wegen der häufigen Beherbergungen bei der Gestapo, die bei einer Observation allerdings nichts Verdächtiges feststellen konnte.
Alle 14 Tage unternahm die Familie Denz einen „Wochenendausflug“ in das benachbarte schweizerische Bettingen nahe Basel, um die im Bibelhaus Bern gedruckte Literatur der Zeugen Jehovas abzuholen und nach Deutschland zu schmuggeln. Dabei nutzte Oskar Denz Geheimtaschen, die Anna-Maria Denz in die Kleidung genäht hatte. So entstand in ihrer Wohnung ein Literaturdepot. Einige Schriften sandte das Ehepaar Denz an Zeugen Jehovas in Baden und Württemberg, andere wurden regelmäßig von vier Glaubensbrüdern abgeholt und weitergeleitet. Auf umgekehrten Weg schmuggelte Familie Denz auch Berichte über die grausame Behandlung der Zeugen Jehovas durch die Nationalsozialisten und über die Zustände in den Konzentrationslagern in die Schweiz. Diese Berichte waren eine Grundlage für das im Berner Bibelhaus zusammengestellte und 1938 veröffentlichte Buch „Kreuzzug gegen das Christentum“.
Nachdem der Literaturschmuggel den Grenzbehörden fast vier Jahre lang nicht aufgefallen war, erfuhr die Familie Denz bei einem Besuch am 2. Februar 1938 in Bettingen, dass ein anderes Ehepaar, das ebenfalls Kurierdienste durchgeführt hatte, von der Gestapo verhaftet worden war. Darauf entschloss sich die Familie bei ihrer Rückkehr noch einmal mehr Literatur als gewöhnlich mitzubringen. Oskar Denz steckte sich 39 Exemplare des Wachtturm in seine Kleidung. Anna-Maria und Tochter Anna zusammen weitere 28 Exemplare. Einem Zöllner am Grenzübergang fiel die ausgebeulte Manteltasche von Oskar Denz auf, worauf er ihn durchsuchte und die Zeitschriften sowie einige Jahrbücher 1938 fand. Die Gestapo brachte die Familie zum Bezirksgefängnis Lörrach.
Am nächsten Tag durchsuchte die Gestapo im Beisein von Anna-Maria Denz und ihrer Tochter die Wohnung in der Luisenstraße 35 und fand über 500 Exemplare der verbotenen Schriften. Das Versteck in einem Hohlraum der Zimmerdecke mit über 100 weiteren Büchern und Broschüren fand sie jedoch nicht. Dieses wurde erst im August 2025 bei der Kernsanierung des Hauses durch eine Baufirma entdeckt. Die Gestapo beschlagnahmte auch die Ersparnisse der Familie. Anna-Maria Denz wurde in das Bezirksgefängnis Lörrach zurückgebracht und sah ihre Tochter nie wieder.
Am 26. April 1938 wurde das Ehepaar Denz in das Gerichtsgefängnis Mannheim überführt und am 6. Mai 1938 vom Sondergericht Mannheim zu einer Haftstrafe von je zwei Jahren verurteilt, die Anna-Maria Denz in der Frauenhaftanstalt Gotteszell verbüßte. Von dort schrieb sie ihrer Tochter regelmäßig Briefe und ermunterte sie, ihren Glauben als „Hauptlebenszweck“ anzusehen. Sie selbst verweigerte Anfang 1940 im Gefängnis Strümpfe für Soldaten zu stopfen, da sie keine militärischen Zwecke unterstützen wollte. Als Folge durfte sie bis zu ihrem Haftende keine Briefe mehr schreiben.
Am Ende ihrer Haftzeit weigerte sich Anna-Maria Denz eine Erklärung zu unterschreiben, mit der sie ihren Glauben verleugnen sollte. Daraufhin wurde sie in „Schutzhaft“ genommen und 1940 in das Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Dort erhielt sie die Häftlingsnummer 3.553 und arbeitete in der Kolonne Angorazucht. Als im Herbst 1941 die Zeuginnen Jehovas dort erfuhren, dass die Wolle der Angorakaninchen offenbar zum Stopfen von Fliegeranzügen verwendet wurde, verweigerten sie die in ihren Augen kriegsunterstützende Arbeitszuteilung. Als Strafmaßnahme mussten sie drei Tage und Nächte stehend im Hof des Zellenbaus verbringen, erhielten dreimal je 25 Stockhiebe und wurden im Winter 1941/42 für 40 Tage in den Dunkelarrest gesperrt. Während des Arrests erhielten die Frauen täglich nur eine Scheibe Brot und alle vier Tage eine Mahlzeit. Diese Tortur überlebte Anna-Maria Denz nicht. Sie starb am 31. Januar 1942 im Alter von 45 Jahren in Ravensbrück.
(Michel: Ein junges Mädchen; Schwarzwälder Bote, 14.08.2025; Denz Turpin: Geborgen; Brüggemann: Oskar Denz; Watch Tower Society: Ein Fund in Lörrach.)
Gedenkzeichen
Am 1. März 2004 wurde die Straße, in welcher der Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Lörrach im selben Jahr errichtet werden sollte, zum Gedenken an Oskar und Anna-Maria Denz in Denzstraße benannt. (Trenz: Neue Straße.)
Am 24. September 2020 wurden in der Stadt Lörrach die ersten acht Stolpersteine verlegt. Dazu gehörten auch die Stolpersteine für Oskar, Anna-Maria und Anna Denz vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie in der Luisenstraße 35. (Gebauer: Das mutige Mädchen.)