Oskar Denz
- Vorname(n)
- Oskar
- Nachname
- Denz
- Geburtsdatum
- 3. Januar 1899
- Geburtsort
- Lörrach, Deutschland
- Todesdatum
- 23. Juli 1942
- Todesort
- Gusen, Konzentrationslager I
- Verfolgungsbedingte Todesart
- Nach medizinischen Experimenten ermordet
- Beruf
- Schlichter in der Weberei Sarasin in Lörrach
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kontakt mit Bibelforschern seit Mitte der 1920er Jahre durch seine Ehefrau, Taufe als Zeuge Jehovas 1931
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Anna-Maria Denz, geb. Dillmann (Ehefrau)
- Anna Denz Turpin, geb. Denz (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas am 15. Mai 1933 in Baden engagierte sich Oskar Denz zusammen mit seiner Frau Anna-Maria und seiner Tochter Anna weiter für seine religiöse Überzeugung. Dafür besuchte die in Lörrach wohnende Familie regelmäßig Zusammenkünfte im schweizerischen Basel. Auf Vermittlung von Julius Riffel, der nach der Schließung des Magdeburger Bibelhauses der Zeugen Jehovas nach Lörrach zurückgekehrt war, bot die Familie Denz von der Gestapo gesuchten leitenden Predigern der nun im Untergrund tätigen Religionsgemeinschaft wie Albert Wandres, Heinrich Dietschi, Ludwig Stikel und Ludwig Cyranek zeitweilig eine Unterkunft. Ein im gleichen Haus lebendes Ehepaar denunzierte die Familie wegen der häufigen Beherbergungen bei der Gestapo, die bei einer Observation allerdings nichts Verdächtiges feststellen konnte.
Alle 14 Tage unternahm die Familie Denz einen „Wochenendausflug“ in das benachbarte schweizerische Bettingen nahe Basel, um die im Bibelhaus Bern (Schweiz) gedruckte Literatur der Zeugen Jehovas abzuholen und nach Deutschland zu schmuggeln. Dabei nutzte Oskar Denz Geheimtaschen, die seine Frau in die Kleidung genäht hatte. So entstand in ihrer Wohnung ein Literaturdepot. Einige Schriften sandte das Ehepaar Denz an Zeugen Jehovas in Baden und Württemberg, andere wurden regelmäßig von vier Glaubensbrüdern abgeholt und weitergeleitet. Auf umgekehrten Weg schmuggelte Familie Denz auch Berichte über die grausame Behandlung der Zeugen Jehovas durch Vertreter der Nationalsozialisten und über die Zustände in den Konzentrationslagern in die Schweiz. Diese Berichte waren eine Grundlage für das im Berner Bibelhaus zusammengestellte und 1938 veröffentlichte Buch „Kreuzzug gegen das Christentum“.
Nachdem der Literaturschmuggel den Grenzbehörden fast vier Jahre lang nicht aufgefallen war, erfuhr die Familie Denz bei einem Besuch am 2. Februar 1938 in Bettingen, dass ein anderes Ehepaar, das ebenfalls Kurierdienste durchgeführt hatte, von der Gestapo verhaftet worden war. Darauf entschloss sich die Familie bei ihrer Rückkehr noch einmal mehr Literatur als gewöhnlich mitzubringen. Oskar Denz steckte sich 39 Exemplare des Wachtturm in seine Kleidung. Anna-Maria und Tochter Anna schmuggelten zusammen weitere 28 Exemplare. Einem Zöllner am Grenzübergang fiel die ausgebeulte Manteltasche von Oskar Denz auf, worauf er ihn durchsuchte und die Zeitschriften sowie einige Jahrbücher 1938 fand. Die Gestapo brachte die Familie zum Bezirksgefängnis Lörrach. Auf dem Weg konnte Oskar Denz seiner vierzehnjährigen Tochter noch zuflüstern: „Verrat nur ja niemanden!“ Das war das letzte Mal, dass er sie sah.
Bei einer Durchsuchung der Wohnung in der Luisenstraße 35 in Lörrach fand die Gestapo über 500 Exemplare der verbotenen Schriften. Das Versteck in einem Hohlraum der Zimmerdecke mit über 100 weiteren Büchern und Broschüren fand sie jedoch nicht. Dieses wurde erst im August 2025 bei der Kernsanierung des Hauses durch eine Baufirma entdeckt.
Am 26. April 1938 wurde das Ehepaar in das Gerichtsgefängnis Mannheim überführt und am 6. Mai 1938 vom Sondergericht Mannheim zu einer Haftstrafe von jeweils zwei Jahren verurteilt, die Oskar Denz im Gefängnis in Freiburg verbüßte. Weil er sich am Ende seiner Haftzeit trotz des Druckes von seitens seiner Geschwister weigerte, eine Erklärung zu unterschreiben, mit der er seinen Glauben verleugnen sollte, wurde er in „Schutzhaft“ genommen und am 11. Mai 1940 in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er die Häftlingsnummer 10.484 erhielt.
Von Dachau gelangte er am 11. Februar 1942 auf einen Transport in das Konzentrationslager Mauthausen. Später wurde er zum KZ-Außenlager Gusen transportiert. In Schwerstarbeit musste er im Steinbruch gebrochene Steine behauen. Schließlich wurde er im Rahmen medizinischer Versuche mit Tuberkuloseerregern infiziert. Nach Abschluss der Versuche wurden die Opfer meist mit einer Injektion ins Herz getötet. Auch Oskar Denz wurde am 23. Juli 1942 im Alter von 43 Jahren so ermordet. Als Todesursache wurde „Herzmuskelschwäche“ verzeichnet.
(Michel: Ein junges Mädchen; Schwarzwälder Bote, 14.08.2025; Denz Turpin: Geborgen; Brüggemann: Oskar Denz; Watch Tower Society: Ein Fund in Lörrach.)
Gedenkzeichen
Der Name von Oskar Denz ist in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen im Gedenkraum „Raum der Namen“ zu finden.
Am 1. März 2004 wurde die Straße, in welcher der Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Lörrach im selben Jahr errichtet werden sollte, zum Gedenken an Oskar und Anna-Maria Denz in Denzstraße benannt. (Trenz: Neue Straße.)
Am 24. September 2020 wurden in der Stadt Lörrach die ersten acht Stolpersteine verlegt. Dazu gehörten auch drei Stolpersteine für Oskar, Anna-Maria und Anna Denz vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie in der Luisenstraße 35. (Gebauer: Das mutige Mädchen.)