Martha Kottner, geb. Körbs
- Vorname(n)
- Martha
- Geburtsname
- Körbs
- Nachname
- Kottner
- Geburtsdatum
- 20. August 1879
- Geburtsort
- Buttstädt, Deutschland
- Todesdatum
- 30. April 1969
- Todesort
- Wermelskirchen, Deutschland
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Taufe als Bibelforscherin 1919
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Gustav Hermann Kottner (Ehemann)
- Else Brosius, geb. Kottner (Tochter)
- Margarethe Seifert, geb. Kottner (Tochter)
- Friedrich Brosius (Schwiegersohn)
- Bruno Seifert (Schwiegersohn)
- Ingeborg Eichhorn, geb. Brosius (Enkeltochter)
- Ursula Vossieck, geb. Brosius (Enkeltochter)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus
- Margarethe Seifert, geb. Kottner (Tochter)
- Bruno Seifert (Schwiegersohn)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Martha Kottner beteiligte sich am 12. Dezember 1936 in Dresden an einer reichsweiten Aktion, bei der rund 3.500 Zeugen Jehovas 100.000 Flugblätter verbreiteten, in denen sie ihre brutale Verfolgung durch die Hitlerregierung aufzeigten. Nachdem Martha Kottner einem bedürftigen Glaubensbruder 1,87 Reichsmark gegeben hatte, wurde sie am 14. September 1937 verhaftet. Die NS-Justiz wertete dies als Unterstützung der verbotenen Internationalen Bibelforschervereinigung. Am 4. Januar 1938 verurteilte das Sondergericht Freiberg sie zu fünf Monaten Haft, die sie bis zum 21. Februar 1938 verbüßte.
Nachdem Martha Kottner einem bedürftigen Glaubensbruder 1,87 Reichsmark gegeben hatte, wurde sie verhaftet. Die NS-Justiz wertete dies als Unterstützung der verbotenen Internationalen Bibelforschervereinigung.
Am 20. Februar 1941 starb ihr Ehemann Gustav Hermann Kottner nach Folter in Polizeihaft.
Martha Kottner wurde am 24. November 1943 erneut verhaftet, während sie auf ihre 7-jährige Enkelin Ingeborg aufpasste. Die Polizisten ließen das kleine Mädchen unbeaufsichtigt in der leeren Wohnung zurück. Mitte Dezember 1943 kam Martha Kottner nach München-Stadelheim und am 23. Dezember 1943 wegen Überfüllung dieser Strafanstalt nach Traunstein. Mit über 200 weiteren Zeugen Jehovas wurde sie vom Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof des Hochverrats und der Wehrkraftzersetzung beschuldigt. Die Anklageschrift warf ihr vor, „etwa 12 illegale Bibelforscherschriften zum Lesen“ erhalten zu haben, und: „Seit Frühjahr 1942 spendete sie für die illegale Organisation der IBV. etwa fünfmal Geldbeträge in Höhe von 1 – 1,50 RM.“ Sie gehörte zu 35 Angeklagten, deren Verfahren am 12. Juli 1944 abgetrennt wurde. Wie sie selbst sagte, erwartete sie die Verbringung in ein KZ. Dazu kam es jedoch nicht. Sie blieb bis 26. April 1945 ohne Urteil im Gefängnis. Die Alliierten entließen sie am 29. Mai 1945 aus Traunstein nach Hause.
(Krüger: Eine Bibel, S. 27, 28)
Widerstand und Verfolgung im Kommunismus
Martha Kottner wurde am 10. September 1945 offiziell als Opfer des Faschismus anerkannt. Am 25. April 1950 forderte man sie auf, dem Prüfungsausschuss schriftlich zu bestätigen, dass sie bereit sei, im Alter von 70 Jahren „für den demokratischen Aufbau […] im Rahmen der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands mitzuarbeiten“. Nachdem sie wegen ihrer apolitischen Haltung fast zwei Jahre in NS-Haft zugebracht hatte, knüpfte man nun ihren NS-Verfolgtenstatus an ein politisches Statement. Nur vier Monate später, am 30. August 1950, wurden Jehovas Zeugen in der DDR erneut verboten. Martha Kottner war zufällig gerade bei ihrer Tochter Else Brosius und ihrem Schwiegersohn Friedrich Brosius in Wermelskirchen zu Besuch und entschloss sich vor diesem Hintergrund, nicht mehr in ihren Wohnort nach Dittersdorf zurückzukehren. (Krüger: Eine Bibel, S. 29.)
Gedenkzeichen
Seit dem 8. März 2024 erinnern in Dresden, Klingenberger Straße 3 zwei Stolpersteine an Martha Kottner und ihren Ehemann Gustav Hermann Kottner. (Dresdner Neue Nachrichten, 5.3.2024, S. 14.)