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Friedrich Brosius

Vorname(n)
Friedrich
Nachname
Brosius
Geburtsdatum
18. Februar 1905
Geburtsort
Wermelskirchen, Deutschland
Todesdatum
7. April 1982
Todesort
Wermelskirchen, Deutschland
Beruf
Kaufmann mit eigenem Schuhgeschäft
Erstkontakt und/oder Taufe
Taufe als Zeuge Jehovas am 25. April 1926 in Solingen

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Friedrich Brosius, der Leiter der Wermelskirchener Gemeinde der Zeugen Jehovas, war seit 1929 in der Schuhfabrik Adolf Flöring GmbH für Reklamationen und Retouren verantwortlich. Da er den Hitlergruß und die Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront verweigerte, verlor er 1934 auf Druck der NSDAP seinen Arbeitsplatz. Am 15. Oktober 1935 wurden Friedrich Brosius und sein Bruder Hans Brosius wegen Beteiligung an Zusammenkünften der Zeugen Jehovas zu je drei Monaten Haft verurteilt, die Friedrich Brosius vom 24. Juni 1936 bis 24. September 1936 in Opladen verbüßte.

Im darauffolgenden Jahr erhielt Friedrich Brosius zwei Pakete mit je 500 Exemplaren des „Offenen Briefes“ und beteiligte sich am 20. Juni 1937 an dessen Verbreitung. Auch nahm Friedrich Brosius wiederholt Kuriere in seiner Wohnung auf und hielt dort illegale Zusammenkünfte ab. Am 17. November 1937 wurde er, zusammen mit Friedrich Schütters, erneut festgenommen. Das Amtsgericht Wermelskirchen stellte keinen Haftbefehl aus, so dass die Gestapo beide in Remscheid in Schutzhaft nahm und am 22. Januar 1938 vom Zuchthaus Remscheid in das Konzentrationslager Buchenwald einliefern ließ, wo Friedrich Brosius die Häftlingsnummer 2.071 erhielt und gleich in den Strafblock eingewiesen wurde.

Trotz der Leiden im KZ blieb er seinem Glauben treu. Zweimal wurde er noch von Buchenwald in das Zellengefängnis Düsseldorf-Derendorf zurückgeholt (vom 19. Februar bis 7. April 1938 und vom 1. Oktober 1938 bis 3. Januar 1939), um in verschiedenen Prozessen auszusagen, doch er weigerte sich, die Namen Mitgläubiger preiszugeben, wodurch diesen die Haft erspart blieb. So gab er am 17. Oktober 1938 zu Protokoll: „Ich bin nach wie vor Zeuge Jehovas … Meinen Glauben an Gott Jehova und an Jesus Christus als den Erlöser der Menschheit werde ich niemals und unter keinen Umständen preisgeben. [...] Offen gestanden [… bin] ich durch dauernden Verkehr mit den Glaubensbrüdern im K.Z.-Lager in meiner innersten Glaubensüberzeugung nur noch gefestigter geworden. [...] Ein Verräter an der heiligen Sache kann und werde ich nicht sein.“

Nach seiner Rückkehr ins KZ Buchenwald schrieb der Kommandant des Lagers am 17. April 1939 in einem Bericht: „B., der als Bibelforscher hier einsitzt, hat seine Gesinnung noch nicht geändert, sondern gibt noch immer zu verstehen, daß er fest an seinen Glauben halten wird. B. ist einer der fanatischsten Bibelforscher, die hier im Lager einsitzen. Jegliche Belehrungen sind bei B. vollkommen zwecklos. Da einem so verbohrten Menschen nur durch eine lang anhaltende Schutzhaft zu helfen ist, lehne ich eine Entlassung unter allen Umständen ab.“

Als Strafmaßnahme durfte Friedrich Brosius bis Ende 1939 nur einen monatlichen Brief mit maximal 25 Wörtern aus dem KZ schreiben. Neun Monate lang erhielt er völlige Postsperre. Spätestens ab August 1943 war er dann zur Arbeit in der Bekleidungskammer des KZ zugewiesen worden. In einem von ihm selbst verfassten Bericht schreibt er, dass er bei einer Größe von 1,80 m von einem Gewicht von 75 kg in Buchenwald aufgrund der unzureichenden Versorgung mit Nahrung – meist nur Steckrübensuppe – im Mai 1941 auf 42 kg abgemagert war: „Geschlagen, gefesselt, getreten, gewürgt und mehrmals mit Gewehrkolben gegen die Brust gestoßen, daß ich wochenlang nicht durchatmen konnte, zeitweilig fast verhungert, habe ich mit vielen, vielen treuen Brüder[n] überleben dürfen.“

Kurz vor Kriegsende wurde das KZ Buchenwald befreit und Friedrich Brosius konnte dieses am 8. Mai 1945 verlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er wegen seines Glaubens fast acht Jahre an 14 verschiedenen Haftorten verbracht.

(Krüger: Eine Bibel, S. 23–27.)

Drei Polizeifotos zeigen einen Häftling noch im Anzug einmal von der rechten Seite und zweimal von vorn, davon einmal mit Hut.
Polizeifotos von Friedrich Brosius, angefertigt nach seiner Verhaftung im November 1937 (LAV NRW R, RW 0058 Nr. 74013, Bl. 2).
Erste Seite eines handschriftlichen Briefs auf KZ-Briefpapier. Laut vorgedrucktem Lagerordnungsauszug dürfen monatlich zwei Briefe geschrieben und empfangen werden.
Zweite Seite eines handschriftlichen Briefs auf KZ-Briefpapier. Der Brief besteht aus vier Seiten aus je 13 Zeilen.
Dritte Seite eines handschriftlichen Briefs auf KZ-Briefpapier mit dem gedruckten Randvermerk: "Nur die Zeilen beschriften!"
Letzte Seite eines handschriftlichen Briefs auf KZ-Briefpapier. Am Fuß gibt es Platz für den Zensurstempel und den Kontrollvermerk des Blockführers.
Brief vom 27. März 1940 von Friedrich Brosius aus dem KZ Buchenwald an seine Frau. Er versichert darin, daß er „nach wie vor [an seinem] Glauben an Jehova Gott & an Christus Jesus unbedingt festhalte“ (LAV NRW R, RW 0058 Nr. 74013 Bl. 137 ff.).

Gedenkzeichen

Seit dem 17. Mai 2002 erinnert in Wermelskirchen, Wielstraße 16, ein Stolperstein an Friedrich Brosius. Dies ist der erste Stolperstein, der in Wermelskirchen verlegt wurde.

Besonderheiten

Nach Kriegsende holte Friedrich Brosius viele Verfolgungsopfer nach Wermelskirchen und half ihnen dort Fuß zu fassen, darunter Ludwig Bischoff, Anna Diener, Gertrud Nollert, Karl Noske, Martha Wolf sowie seine Schwiegermutter Martha Kottner. Auch half er vielen Mitgläubigen, mit denen er bereits zu Beginn der NS-Verfolgung zusammen gearbeitet hatte, eine Entschädigung zu beantragen. (Krüger: Eine Bibel, S. 26, 27.)

Externe Medien

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