Friedrich Brosius
- Vorname(n)
- Friedrich
- Nachname
- Brosius
- Geburtsdatum
- 18. Februar 1905
- Geburtsort
- Wermelskirchen, Deutschland
- Todesdatum
- 7. April 1982
- Todesort
- Wermelskirchen, Deutschland
- Beruf
- Kaufmann mit eigenem Schuhgeschäft
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Taufe als Zeuge Jehovas am 25. April 1926 in Solingen
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Otto Brosius (Vater)
- Gustav Hermann Kottner (Schwiegervater)
- Martha Kottner, geb. Körbs (Schwiegermutter)
- Else Brosius, geb. Kottner (Ehefrau)
- Daniel Brosius (Bruder)
- Johannes Brosius (Bruder)
- Bruno Seifert (Schwager)
- Ilse Brosius, geb. Fidler (andere Schreibweise: Fiedler) (Schwägerin)
- Margarethe Seifert, geb. Kottner (Schwägerin)
- Ingeborg Eichhorn, geb. Brosius (Tochter)
- Ursula Vossieck, geb. Brosius (Tochter)
- Dieter Eichhorn (Schwiegersohn)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus
- Martha Kottner, geb. Körbs (Schwiegermutter)
- Bruno Seifert (Schwager)
- Margarethe Seifert, geb. Kottner (Schwägerin)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Friedrich Brosius, der Leiter der Wermelskirchener Gemeinde der Zeugen Jehovas, war seit 1929 in der Schuhfabrik Adolf Flöring GmbH für Reklamationen und Retouren verantwortlich. Da er den Hitlergruß und die Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront verweigerte, verlor er 1934 auf Druck der NSDAP seinen Arbeitsplatz. Am 15. Oktober 1935 wurden Friedrich Brosius und sein Bruder Hans Brosius wegen Beteiligung an Zusammenkünften der Zeugen Jehovas zu je drei Monaten Haft verurteilt, die Friedrich Brosius vom 24. Juni 1936 bis 24. September 1936 in Opladen verbüßte.
Im darauffolgenden Jahr erhielt Friedrich Brosius zwei Pakete mit je 500 Exemplaren des „Offenen Briefes“ und beteiligte sich am 20. Juni 1937 an dessen Verbreitung. Auch nahm Friedrich Brosius wiederholt Kuriere in seiner Wohnung auf und hielt dort illegale Zusammenkünfte ab. Am 17. November 1937 wurde er, zusammen mit Friedrich Schütters, erneut festgenommen. Das Amtsgericht Wermelskirchen stellte keinen Haftbefehl aus, so dass die Gestapo beide in Remscheid in Schutzhaft nahm und am 22. Januar 1938 vom Zuchthaus Remscheid in das Konzentrationslager Buchenwald einliefern ließ, wo Friedrich Brosius die Häftlingsnummer 2.071 erhielt und gleich in den Strafblock eingewiesen wurde.
„Ein Verräter an der heiligen Sache kann und werde ich nicht sein.“
Trotz der Leiden im KZ blieb er seinem Glauben treu. Zweimal wurde er noch von Buchenwald in das Zellengefängnis Düsseldorf-Derendorf zurückgeholt (vom 19. Februar bis 7. April 1938 und vom 1. Oktober 1938 bis 3. Januar 1939), um in verschiedenen Prozessen auszusagen, doch er weigerte sich, die Namen Mitgläubiger preiszugeben, wodurch diesen die Haft erspart blieb. So gab er am 17. Oktober 1938 zu Protokoll: „Ich bin nach wie vor Zeuge Jehovas … Meinen Glauben an Gott Jehova und an Jesus Christus als den Erlöser der Menschheit werde ich niemals und unter keinen Umständen preisgeben. [...] Offen gestanden [… bin] ich durch dauernden Verkehr mit den Glaubensbrüdern im K.Z.-Lager in meiner innersten Glaubensüberzeugung nur noch gefestigter geworden. [...] Ein Verräter an der heiligen Sache kann und werde ich nicht sein.“
Nach seiner Rückkehr ins KZ Buchenwald schrieb der Kommandant des Lagers am 17. April 1939 in einem Bericht: „B., der als Bibelforscher hier einsitzt, hat seine Gesinnung noch nicht geändert, sondern gibt noch immer zu verstehen, daß er fest an seinen Glauben halten wird. B. ist einer der fanatischsten Bibelforscher, die hier im Lager einsitzen. Jegliche Belehrungen sind bei B. vollkommen zwecklos. Da einem so verbohrten Menschen nur durch eine lang anhaltende Schutzhaft zu helfen ist, lehne ich eine Entlassung unter allen Umständen ab.“
Als Strafmaßnahme durfte Friedrich Brosius bis Ende 1939 nur einen monatlichen Brief mit maximal 25 Wörtern aus dem KZ schreiben. Neun Monate lang erhielt er völlige Postsperre. Spätestens ab August 1943 war er dann zur Arbeit in der Bekleidungskammer des KZ zugewiesen worden. In einem von ihm selbst verfassten Bericht schreibt er, dass er bei einer Größe von 1,80 m von einem Gewicht von 75 kg in Buchenwald aufgrund der unzureichenden Versorgung mit Nahrung – meist nur Steckrübensuppe – im Mai 1941 auf 42 kg abgemagert war: „Geschlagen, gefesselt, getreten, gewürgt und mehrmals mit Gewehrkolben gegen die Brust gestoßen, daß ich wochenlang nicht durchatmen konnte, zeitweilig fast verhungert, habe ich mit vielen, vielen treuen Brüder[n] überleben dürfen.“
Kurz vor Kriegsende wurde das KZ Buchenwald befreit und Friedrich Brosius konnte dieses am 8. Mai 1945 verlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er wegen seines Glaubens fast acht Jahre an 14 verschiedenen Haftorten verbracht.
(Krüger: Eine Bibel, S. 23–27.)
Gedenkzeichen
Seit dem 17. Mai 2002 erinnert in Wermelskirchen, Wielstraße 16, ein Stolperstein an Friedrich Brosius. Dies ist der erste Stolperstein, der in Wermelskirchen verlegt wurde.
Besonderheiten
Nach Kriegsende holte Friedrich Brosius viele Verfolgungsopfer nach Wermelskirchen und half ihnen dort Fuß zu fassen, darunter Ludwig Bischoff, Anna Diener, Gertrud Nollert, Karl Noske, Martha Wolf sowie seine Schwiegermutter Martha Kottner. Auch half er vielen Mitgläubigen, mit denen er bereits zu Beginn der NS-Verfolgung zusammen gearbeitet hatte, eine Entschädigung zu beantragen. (Krüger: Eine Bibel, S. 26, 27.)