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Gustav Hermann Kottner

Vorname(n)
Gustav Hermann
Nachname
Kottner
Geburtsdatum
13. August 1875
Geburtsort
Mittel Linda, Schlesien (heute Gmina Platerówka/Polen)
Todesdatum
20. Februar 1941
Todesort
Dresden-Plauen, Deutschland
Verfolgungsbedingte Todesart
Verstarb an den Folgen von Folter in Polizeihaft
Beruf
Reichsbahnschaffner
Erstkontakt und/oder Taufe
Taufe als Bibelforscher um 1921

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Gustav Hermann Kottner beteiligte sich am 12. Dezember 1936 in Dresden an einer reichsweiten Aktion, bei der rund 3.500 Zeugen Jehovas 100.000 Flugblätter verbreiteten, in denen sie ihre brutale Verfolgung durch die Hitlerregierung aufzeigten. Im Sommer 1937 traf er sich im Bergischen Land heimlich mit Heinrich Dietschi, der damals die Untergrundtätigkeit von Jehovas Zeugen koordinierte, stellte dadurch den Kontakt zur Untergrundorganisation in Dresden her und vermittelte zwei illegale Treffen leitender Zeugen Jehovas.

Kurz darauf wurde seine Frau Martha Kottner verhaftet. Auch Gustav Hermann Kottner wurde mehrfach von der Gestapo verhört, allein im Herbst 1937 mindestens dreimal. Schließlich wurde auch gegen ihn am 16. November 1937 vom Amtsgericht Dresden, Münchner Platz 3, ein Haftbefehl wegen „Fluchtverdacht, Hartnäckigkeit und Verdunkelungsgefahr“ ausgestellt und vollstreckt. Laut Unterlagen des Amtsgerichts bestritt der inzwischen 62-Jährige seine Haftfähigkeit, da er im Vorjahr Lungenbluten hatte. Außerdem wurde ihm noch am Tag der Inhaftierung bescheinigt, er sei „außerordentlich senil und zittrig“. In einer amtsärztlichen Bescheinigung vom 28. November 1937 wurden weitere ärztliche Untersuchungen vorgeschlagen. Am 26. Januar 1938 wurde ihm schließlich die Haftunfähigkeit bescheinigt, da er aufgrund „präseniler Demenz […] unfähig [sei], das Unerlaubte seiner Tat einzusehen“. Darauf beschloss das Amtsgericht Dresden am 3. Februar 1938 seine unverzügliche Freilassung.

Am 9. März 1938 beantragte der Oberstaatsanwalt am Sondergericht Freiberg ersatzweise seine zwangsweise Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt. Dies lehnte das Sondergericht Freiberg in seiner Entscheidung vom 19. April 1938 allerdings ab und unterstellte ihn stattdessen der Aufsicht seines Sohnes, der seinen Glauben nicht teilte. Doch bereits 1940 wurde Gustav Hermann Kottner in Dresden erneut verhaftet und - aller Wahrscheinlichkeit nach im Dresdner Polizeipräsidium - misshandelt. Nach Aussage der Familie sperrte man ihn in eine Zelle, in der er im Winter längere Zeit im kalten Wasser stehen musste. Daraufhin zog er sich eine Lungenentzündung zu, an der er am 20. Februar 1941 verstarb.

(Krüger: Eine Bibel, S. 27, 28.)

Drei Ehepaare stehen vor einer Baumgruppe. Vor ihnen sitzen drei Töchter. Alle sind festlich gekleidet.
Zeugen Jehovas in Dresden, Ende der 1920er Jahre. Links steht das Ehepaar Martha und Gustav Kottner. Vor ihnen sitzen ihre Töchter Else (später Brosius) und Gretel (Margarete Seifert) (Privatarchiv T. Martin Krüger).
Ein älteres Ehepaar sitzt auf zwei Stühlen im Garten. Er trägt einen Anzug, sie ein Kleid. Zwischen beiden steht eine Enkelin, während eine weitere Enkelin auf dem Schoß ihrer Oma sitzt. Dahinter steht die Mutter der beiden Kinder.
Martha und Gustav Kottner (sitzend) mit ihrer Tochter Else Brosius (stehend) und den beiden Enkelinnen Ingeborg (links) und Ursula (rechts), 1937 (Privatarchiv T. Martin Krüger).
Ein älterer Mann mit Krawatte trägt seine ca. einjährige Enkelin auf dem Arm
Gustav Hermann Kottner mit seiner Enkelin Inge, 1936 (Privatarchiv T. Martin Krüger).

Gedenkzeichen

Seit dem 8. März 2024 erinnern in Dresden, Klingenberger Straße 3 zwei Stolpersteine an Gustav Hermann Kottner und seine Ehefrau Martha Kottner.

(Dresdner Neue Nachrichten, 5.3.2024, S. 14.)

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