Marta Ciecierski, geb. Lange
- Vorname(n)
- Marta
- Geburtsname
- Lange
- Nachname
- Ciecierski
- Geburtsdatum
- 12. Mai 1921
- Geburtsort
- Tarnow (Tarnów), Polen
- Beruf
- Haushaltshilfe
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Durch Besuche von Wilhelm Streich bei ihren Eltern kam die deutschstämmige Marta Lange mit Jehovas Zeugen in Verbindung. Nachdem sie die Volksschule abgeschlossen hatte, begann sie auf dem dem Bauernhof der Familie Streich zu arbeiten und wurde von ihnen wie eine Tochter aufgenommen. Wilhelm Streich verweigerte den Militärdienst. Das beeindruckte Marta Lange, so dass auch sie sich den Zeugen Jehovas anschloss.
Nach einem Verrat durch einen angeblichen Glaubensbruder erfolgte im Mai und Juni 1942 in Lodz und Umgebung eine Verhaftungswelle, der 14 Zeuginnen und mindestens fünf Zeugen Jehovas zum Opfer fielen. Zu Beginn wurden am 4. Mai 1942 Marta Lange sowie Wilhelm und Else Streich verhaftet. Obwohl sie noch nicht getauft war, verweigerte Marta Lange die Unterschrift einer Erklärung, mit der sie ihrer religiösen Überzeugung abschwören sollte. Daher wurde auch sie in das Polizeigefängnis für Frauen nach Lodz gebracht. In der Haft konnten die Zeuginnen Jehovas Taschen mit Lebensmittel empfangen, in deren Futter Artikel der Zeitschrift „Der Wachtturm“ eingenäht waren. Am 12. November 1942 wurde Marta Lange mit zwölf ihrer Glaubensschwestern in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, wobei die Frauen Artikel aus der christlichen Zeitschrift in das KZ-Lager schmuggelten.
In Auschwitz erhielt Marta Lange die Häftlingsnummer 24.414. Bei einem Aufenthalt im Krankenrevier des KZ steckte sie sich mit Typhus an und rang mehrere Monate mit dem Tod. Nach ihrer Genesung erfuhr sie, dass man an ihr medizinische Experimente durchgeführt hatte. Danach arbeitete sie in der SS-Küche, in einem Laden für das Wachpersonal und später als Haushaltshilfe der Familie eines SS-Mannes.
Als sich die Rote Armee Auschwitz näherte, wurden bis zum 18. Januar 1945 die meisten Häftlinge evakuiert. Marta Lange gehörte mit Elsa Abt, Gertrud Ott und Alma Jakobi zu einer Gruppe von zwölf Zeuginnen Jehovas, die am Zaun zum Männerlager als Abschied von ihren Glaubensbrüdern das Bibelforscher-Lied „Alle Getreuen, alle Ergebenen sind von der Menschenfurcht frei“ sangen.
Die Frauen wurden zunächst zwei Tage und Nächte zu Fuß in Richtung des Konzentrationslagers Groß-Rosen getrieben, worauf viele für einen Weitermarsch zu erschöpft waren. In der dritten Nacht erlaubte man ihnen, in einer Scheune in Loslau (heute Wodzisław Śląski/Polen) zu übernachten. Von Groß-Rosen ging es weiter nach Buchenwald, wo die Häftlinge wegen Überfüllung nicht aufgenommen wurden. Über das KZ Mauthausen erreichte der Transport am 26. Februar das KZ Bergen-Belsen. Auch dort musste Marta Lange wieder als Hilfskraft in der Kantine arbeiten. Nach der Befreiung des Lagers am 15. April blieb sie im Sommer 1945 im Lager für Displaces Persons in Bergen-Belsen. Erst im November 1945 kehrte sie zusammen mit Marta Proppe nach Polen zurück.
Bei ihrer Heirat 1946 nahm Marta Lange den Namen Ciecierski an. Sie zog 1980 nach Deutschland.
(Abt: Zusammen; Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 183 f.; Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 59, 66; Dornik: Gerettet, S. 69.)