Willy Thiel
- Vorname(n)
- Willy
- Nachname
- Thiel
- Geburtsdatum
- 22. September 1902
- Geburtsort
- Odessa, Ukraine
- Todesdatum
- 30. Juli 1992
- Todesort
- Laboe, Deutschland
- Beruf
- Selbständiger Sattler und Polsterer
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Schloss sich 1930 den Bibelforschern an
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Auguste Schad, geb. Wagner (Schwiegermutter)
- Ernst Avemarg (Schwager)
- Hilde Avemarg, geb. Schad (Schwägerin)
- Emma Thiel, geb. Schad (2. Ehefrau)
- Eduard Bauer (Schwiegersohn)
- Elisabeth Bauer, geb. Bauroth (Tochter der 2. Ehefrau)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus
- Emma Thiel, geb. Schad (2. Ehefrau)
- Eduard Bauer (Schwiegersohn)
- Elisabeth Bauer, geb. Bauroth (Tochter der 2. Ehefrau)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Willy Thiel verweigerte am 5. März 1933 die Teilnahme an der Reichstagswahl. Er wurde daraufhin in Jährischau mit einem Plakat durch die Straßen geführt, auf dem stand: „Ich bin ein Volksverräter, weil ich nicht gewählt habe.“ Es folgen Hausdurchsuchungen und der Boykott seiner Werkstatt.
Am 17. Februar 1937 wurde Willy Thiel vom Sondergericht Waldenburg wegen Ablehnung des Kriegsdienstes und angeblicher „kommunistischer Umtriebe“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Verhaftung erfolgte noch im Gerichtssaal Waldenburg. Die Haft verbüßte er in Breslau-Kletschkau und Berlin-Plötzensee.
Nach der Haftverbüßung erfolgte die Überführung in das Gestapo-Gefängnis im Polizeipräsidium am Berliner Alexanderplatz und anschließend in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Niederhagen (Wewelsburg) und Ravensbrück. Zuletzt befand sich Willy Thiel im Außenlager Comthurey. Während der Haftzeit ließ sich seine Frau von ihm scheiden. In den Lagern verweigerte er erneut den Kriegsdienst sowie Dolmetschertätigkeiten mit sowjetischen Kriegsgefangenen für die SS.
Nach der Befreiung lernte Willy Thiel im ehemaligen KZ Ravensbrück seine spätere zweite Ehefrau Emma Bauroth kennen.
Widerstand und Verfolgung im Kommunismus
Im Dezember 1945 begann Willy Thiel eine Tätigkeit im Bibelhaus Magdeburg und engagierte sich als Prediger. Er heiratete 1948 Emma Bauroth. Willy Thiel eröffnete in Drackenstedt bei Magdeburg eine Sattlerei und Polsterei. Er war Gruppendiener für die Zeugen Jehovas in Drackenstedt und Dreileben.
1950 erfolgte die Aberkennung seines Status eines Verfolgten des Naziregimes. Die Gründe waren seine Weigerung den Stockholmer Appell zur Ächtung der Atombombe zu unterschreiben und an der Wahl zur Volkskammer der DDR teilzunehmen.
Nach einer Hausdurchsuchung und der Verhaftung am 25. Oktober 1950 erfolgte am 15. Oktober 1951 durch das Landgericht Magdeburg eine Verurteilung zu sechs Jahren Zuchthaus. Die Haft verbüßte er in den Strafanstalten Magdeburg-Sudenburg, Cottbus und Leipzig. In der StVA Leipzig wurde eine Bibel bei Willy Thiel gefunden, worauf er eine Hausstrafe erhielt. Eine vorzeitige Entlassung und Heimkehr zu seiner Frau nach Bermbach erfolgte am 28. August 1956. Willy Thiel nahm nicht nur die Arbeit in seiner Sattlerei und Polsterei wieder auf, sondern auch sein religiösen Engagements.
In der StVA Leipzig wurde eine Bibel bei Thiel gefunden, worauf er eine Hausstrafe erhielt.
Am 22. Oktober 1961 wurde er bei der Leitung eines Gottesdienstes in Meiningen erneut verhaftet. Das Bezirksgericht Suhl in Meiningen verurteilte ihn daraufhin am 9. März 1962 zu sieben Jahren und sechs Monaten Zuchthaus. Willy Thiel kam zur Haftverbüßung in die Haftanstalten Untermaßfeld und Torgau. Im Oktober 1965 erfolgte eine Überführung nach Berlin-Rummelsburg und ein Freikauf durch die Bundesrepublik. Emma Thiel konnte ein Jahr später nachziehen. Das Ehepaar lebte in Baden-Württemberg. Dort wurde es 1973 durch einen Informellen Mitarbeiter des MfS bespitzelt.
Als es Willy Thiel und seiner Frau Ende der 1970er Jahre wieder möglich wurde, Verwandte in Ostdeutschland zu besuchen, schmuggelten sie die Literatur der Religionsgemeinschaft in einem von ihm präparierten Koffer in die DDR.
Gedenkzeichen
In Bermbach befindet sich seit 1993 auf dem ehemaligen Grundstück der Familien Thiel und Bauer Bermbacher Hauptstraße 25 a ein Königreichssaal von Jehovas Zeugen. (Bersch: Aberkannt, S. 166.)