Hans Weigoldt
- Vorname(n)
- Hans
- Nachname
- Weigoldt
- Geburtsdatum
- 9. September 1936
- Geburtsort
- Dresden, Deutschland
- Todesdatum
- 14. Dezember 1996
- Todesort
- München, Deutschland
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kind von Zeugen Jehovas, ließ sich 1951 taufen.
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Walter Hempel (Großvater)
- Helene Hempel, geb. Ganenz (Großmutter)
- Fritz Weigoldt (Vater)
- Walter Schäfer (Stiefvater)
- Anni Hempel (Tante)
- Ingrid Schäfer (Schwester)
- Hildegard Schäfer, geb. Hempel (Mutter)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus
- Walter Hempel (Großvater)
- Helene Hempel, geb. Ganenz (Großmutter)
- Ingrid Schäfer (Schwester)
- Hildegard Schäfer, geb. Hempel (Mutter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Fritz und Hildegard Weigoldt gehörten der 1933 verbotenen Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas an. Drei Monate nach der Geburt ihres Sohnes Hans Weigoldt beteiligte sich der Vater an einer reichsweiten Flugblattaktion, durch die Jehovas Zeugen gegen die Verfolgung durch die Hitlerregierung protestierten. Auch verteilte er als Kurier die illegal hergestellten Schriften der Religionsgemeinschaft. Fritz Weigoldt wurde am 25. März 1937 festgenommen und in der Polizeihaft in Dresden gefoltert. Er starb im Juni 1937 in Haft. Beim Tod seines Vaters war Hans Weigoldt neun Monate alt.
Ein halbes Jahr später wurde seine Mutter Hildegard Weigoldt vom Sondergericht Freiberg zu vier Monaten Haft verurteilt, die sie am 3. Januar 1938 antreten sollte. Da sich ihre Eltern Walter und Helene Hempel ebenfalls in Haft befanden und so für eine Betreuung des Kleinkindes nicht zur Verfügung standen, brachte Hildegard Weigoldt ihren einjährigen Sohn beim Haftantritt einfach zum Gefängnis am Münchner Platz mit. Daraufhin wurde der Mutter mitgeteilt, dass sie in der folgenden Woche ohne das Kind wiederkommen müsse. Der Sohn kam bei Hildegard Weigoldts Schwiegereltern unter und sie verbüßte ihre Haftstrafe bis zum 10. Mai 1938 am Münchner Platz in Einzelhaft.
Am 17. Januar 1942 heiratete Hildegard Weigoldt mit Walter Schäfer einen Freund ihres verstorbenen Mannes. Der Zeuge Jehovas war am 8. September 1937 vom Sondergericht Freiberg zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden und hatte seine Haftstrafe verbüßt. Vier Monate nach seiner Hochzeit erhielt er einen Stellungsbefehl, dem er am 19. Mai 1942 auch nachkam. Da er es jedoch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, den Krieg zu unterstützen, verweigerte er Befehle und wurde zwei Tage später in Militärhaft genommen. Das Reichskriegsgericht verurteilte ihn am 21. August 1942 zum Tode. Nach seiner Enthauptung am 26. September 1942 in Brandenburg-Görden hatte der nun sechsjährige Hans Weigoldt zum zweiten Mal einen Vater verloren.
Am 6. November 1943 wurde seine Mutter zum zweiten Mal in Dresden verhaftet, weil sie sich heimlich mit anderen Gläubigen in Privatwohnungen zum Studium der Bibel getroffen und die Herstellung von Schriften durch das Aufbewahren von Druckmaterial unterstützt hatte. Sie wurde am 20. April 1944 in die Strafanstalt München-Stadelheim überführt. Der 6. Senat des Volksgerichtshof verurteilte sie am 12. September 1944 zu sieben Jahren Haft, die sie bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 in Waldheim verbüßte. Hans und seine 1942 geborene Schwester Ingrid waren während der Haftzeit ihrer Mutter bei anderen Zeugen Jehovas untergebracht.
(HStAD, 11027, Sondergericht Freiberg Karton 351, 3 Js SG 417, Bl. 37; BA, Militärarchiv Freiburg, Prag-Film M 1008/A51; BA R3017, 32213 Bd. 6, Anklageschrift vom 22.07.1944, S. 8, 9, 11; Urteil 6. Senat des Volksgerichtshof, Strafverfahren gegen Wetzel et al., Az. 6 J 190/44, Berlin, 12.09.1944, S.2.)
Widerstand und Verfolgung im Kommunismus
Trotz der Verfolgung seiner Familie wurde Hans Weigoldt ein Zeuge Jehovas. Nachdem in der DDR die Religionsgemeinschaft am 31. August 1950 erneut verboten und sein Großvater Walter Hempel im gleichen Jahr zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden war, ließ er sich 1951 bei einer geheimen Zusammenkunft in einer Privatwohnung taufen. In der ersten Hälfte der 1950er Jahre fuhr er mehrfach als Fahrradkurier etwa 200 km die Autobahn von Dresden nach Berlin-West, um von dort Literatur der Zeugen Jehovas zu holen. 1955 erhielt er die Warnung vor einer drohenden Verhaftung. Hans Weigoldt floh am 24. Januar 1956 aus der DDR und gründete später in München eine Familie. Er verstarb am 14. Dezember 1996 im Alter von 60 Jahren in München. (Privatarchiv T. Martin Krüger, Telefonat mit Michael Weigoldt, September 2024.)
Gedenkzeichen
Am 6. Mai 2025 wurden in der Freiberger Straße 6 in Dresden Stolpersteine für Hildegard Schäfer, Fritz Weigoldt und Hans Weigoldt verlegt. Ende Mai 2025 wurde auch der Stolperstein für Walter Schäfer an gleicher Stelle verlegt. (Dresdner Morgenpost, 7.5.2025, S. 7.)