Alma Jakobi, geb. Schiefer
- Vorname(n)
- Alma
- Geburtsname
- Schiefer
- Nachname
- Jakobi
- Geburtsdatum
- 3. November 1896
- Geburtsort
- Lodz, Polen
- Todesdatum
- 29. Juni 1948
- Todesort
- Lodz, Polen
- Beruf
- Näherin
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Oskar Friedrich Jakobi (Ehemann)
- Elsa Brandt, geb. Schiefer (Schwester)
- Marta Rotz, geb. Schiefer (Schwester)
- Ursula Syrowa, geb. Jakobi (Tochter)
- Else Ruth Affeld, geb. Brandt (Nichte)
- Irena Reich, geb. Brandt (Nichte)
- Hanna Steinwachs, geb. Brandt (Nichte)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Am 8. und 9. Juni 1942 wurden Alma Jakobi und ihr Ehemann Fritz Jakobi verhaftet. Die Zeugin Jehovas wurde im Polizeigefängnis für Frauen in Lodz inhaftiert, wo die Zeuginnen Jehovas Lebensmittel von ihren Familien empfangen durften und im Futter der Taschen der „Wachtturm“ eingeschmuggelt wurde. Artikel aus der christlichen Zeitschrift gelangten auf diesem Wege auch in das Konzentrationslager Auschwitz, in welches Alma Jakobi am 12. November 1942 mit anderen Glaubensschwestern transportiert wurde. Auch Fritz Jakobi befand sich auf dem Transport, so dass sich das Ehepaar bei dieser Gelegenheit zum letzten Mal sah.
In Auschwitz erhielt Alma Jakobi die Häftlingsnummer 24.411. Sie arbeitete als Köchin, Hausmädchen und Schneiderin im Haus eines SS-Offiziers mit vier Kindern. Um Briefe austauschen sowie Brot und Wein zur Feier des christlichen Abendmahls 1944 beschaffen zu können, machte sie der Hausherrin das Angebot, englische Stoffe für Kleider zu besorgen. Die Frau des SS-Mannes verlangte daraufhin auch ein Set Meißner Porzellan und schrieb dann ohne Wissen ihres Mannes einen Brief an Marta Salomon, Almas Schwester. Sie wollte sich mit ihr am Bahnhof Auschwitz treffen. Marta Salomon kam in Begleitung ihrer Nichte Irena Brandt. Die drei Frauen gingen zunächst in ein Restaurant, das von der SS genutzt wurde und in dem die Häftlingsfrau Gertrud Ott arbeitete, mit der Briefe ausgetauscht wurden. Die beiden Frauen übernachteten in der Kammer von Alma Jakobi und fuhren am nächsten Tag wieder zurück nach Lodz.
Friedrich und Alma Jakobi sahen sich auf dem Transport nach Auschwitz zum letzten Mal.
Als sich die Rote Armee Auschwitz näherte wurden die meisten Häftlinge bis zum 18. Januar 1945 evakuiert. Alma Jakobi gehörte mit Elsa Abt und Gertrud Ott zu einer Gruppe von zwölf Zeuginnen Jehovas, die zunächst drei Tage zu Fuß über vereiste Straßen getrieben und dann mit dem Zug zum KZ Groß-Rosen gefahren wurden. Dort blieben sie zwei Wochen. Auf dem Weitertransport gelangte die Gruppe nach Buchenwald, wo sie wegen Überfüllung nicht aufgenommen wurde. Über Mauthausen ging der Transport dann nach Bergen-Belsen, wo sie am 26. Februar 1945 ankamen. Von den 69 Zeuginnen Jehovas aus Auschwitz, die Bergen-Belsen lebend erreichten, wurden 26, darunter auch Alma Jakobi, ausgewählt und am 3. März in das Lager Mittelbau-Dora gebracht. Dort arbeitete ein Glaubensbruder in der Lagerküche, der dafür sorgte, dass die Zeuginnen Jehovas ausreichend Essen bekamen. Auf dem Weg zu einem Außenlager des KZ Neuengamme wurden die Frauen durch alliierte Truppen befreit.
Alma Jakobi kehrte nach Lodz zurück, erlebte dort noch die Hochzeit ihrer Tochter Ursula und starb zwei Wochen später im Alter von 51 Jahren, gezeichnet durch die Strapazen der Haft.
(Privatarchiv T. Martin Krüger: Bericht Michael Reich; Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 55, 105, 110, 178, 182; Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 59, 66; Hagenberg-Miliu: Zeugen Jehovas.)