Bützow-Dreibergen, Strafvollzugsanstalten
Adresse
Strafanstalt Dreibergen
Bützow, Kühlungsborner Str. 29a, Deutschland
Standort des ehemaligen Frauengefängnis
Bützow, Schlossplatz 5, Deutschland
Krummes Haus, Gedenkstätte
Bützow, Schlossplatz 2, Deutschland
Informationen zum Ort
1839: Landesstrafanstalt Dreibergen eröffnet.
1879: Umwandlung des Untersuchungsgefängnisses am Schloßplatz in Bützow in Großherzogliches Zentralgefängnis.
1935: Beide Gefängnisse bekamen eine einheitliche Verwaltung und die Bezeichnung Strafanstalten Dreibergen-Bützow; erste Hinweise auf inhaftierte Zeugen Jehovas.
ab 1942: Hinrichtungen im Zuchthaus Dreibergen beginnen, keine Zeugen Jehovas als Todesopfer bekannt.
Dezember 1944: Verlegung der Hinrichtungsstätte aus dem Untersuchungsgefängnis Hamburg-Stadt in Hamburg-Mitte nach Dreibergen.
1945–1947: Dreibergen sowjetisches Repatriierungslager, im Gefängnis am Schloßplatz auch Sitz des NKWD.
1946: Gefängnis am Schlossplatz Bützow der Landesverwaltung Mecklenburg übergeben.
1950: Einlieferung von Zeugen Jehovas nach Verbot der Religionsgemeinschaft und Prozesswelle; die Männer sind im C-Flügel, in unmittelbarer Nähe der Opfer-des-Faschismus-Gedenkstätte untergebracht.
1950/51: Strafanstalten Bützow-Dreibergen offiziell der Deutschen Volkspolizei übergeben. Dreibergen wird Männerhaftort, das Gefängnis am Schloßplatz Frauenhaftort.
1956: Beginn der Auflösung des Frauengefängnisses am Schloßplatz, späterer Abriss; die Zeuginnen Jehovas werden in die Strafanstalten Hoheneck in Stollberg und Roter Ochse in Halle (Saale) verlegt.
Ab 1962: Vereinzelt den Wehrdienst verweigernde Zeugen Jehovas inhaftiert.
(Kaven: DDR-Strafvollzug; Bersch/Hesse: DDR-Frauenstrafvollzug; Jeske: Repatriierungslager 2006; Wagner: Geschichte Strafvollzug 2006.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Bertha Heinsius widersetzt sich 1937 nach dem Eintreten gesundheitlicher Probleme gegen die Hausordnung. Am 21. September trat sie in den Hungerstreik und unternahm einen Fluchtversuch. (Bersch: Stolpersteine Wismar, S. 65 f.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
- Anna Bobsin, geb. Struck
- Klara Boeck
- Martha Böttcher, geb. Schulz
- Emma Eggert
- Ida Enzelmann
- Elise Erdmann, geb. Kröger
- Wanda Erdmann
- Caroline Fischer, geb. Voß
- Frieda Gottschalk
- Martha Hacker, geb. Goltow
- Bertha Heinsius, geb. Waack
- Martha Hindel
- Helene Hirsch
- Gesche Janssen, geb. Poppen
- Else Johannsen, geb. Bobsin
- Dora Jordt
- Karoline Lange, geb. Boy
- Frieda Mohr, geb. Klamt
- Anna Münter, geb. Korth
- Anna Reimer
- Wilhelmine Ruhkieck, geb. Bruhn
- Alwine Schlichting
- Martha Schmidt
- Lucie Schramm
- Else Schröder, geb. Sievert
- Martha Schröder
- Aje Schullian, geb. Schüürmann
- Anna Schumacher, geb. Wolter
- Frieda Stammer, geb. Döcker
- Magdalene Steinborn, geb. Wetzel
- Johanna Suhrbier, geb. Schowat
- Minna Thiel
- Emma Tiesel, geb. Meier
- Lieschen Tischer, geb. Effland
- Else Wegner, geb. Schmidt
- Frieda Winks
- Anna Wöhler, geb. Schmitz
Männer
- Friedrich Ahrens
- Heinrich Bobsin (1)
- Heinrich Bobsin (2)
- Gustav Böttcher
- Heinrich Dassow
- Karl Drews
- Karl Ebell
- Otto Erdmann
- Franz Fisch
- Robert Fischer
- Karl Glöde
- Max Grzella
- Max Gräschke
- Friedrich Hacker
- Ernst Hartig
- Christian Hefke
- Emil Hirsch
- Rimt Janssen
- Oswald Jerke
- Hans Jürs
- Otto Kakuschke
- Helmuth Koch
- Hans Kohl
- Karl Ksinzky
- Wilhelm Lange
- Paul Langhals
- Ernst Luchs
- Josef Mayer
- Ernst Münter
- Helmut Quoos
- Otto Reinke
- Johann Salamon
- Karl Sass
- Bruno Scheide
- Peter Schlichting
- Alfred Schröder
- Friedrich Schumacher
- Karl Severt
- Richard Sparr
- Herbert Steinadler
- Werner Stephan
- Heinrich van Loh
- Johann Winks
- Heinrich Woest
- Wilhelm Wohler
Widerstand und Selbstbehauptung im Kommunismus
Ab 1950: Schmuggel von Bibeln und biblischer Literatur in das Frauenzuchthaus und Verbreitung unter den Zeuginnen Jehovas; Missionsarbeit trotz verhängter Strafen. (Bersch/Hesse: DDR-Frauenstrafvollzug, S. 126–131.)
1954: Absonderung der Zeugen Jehovas im oberen Bereich des A-Flügels, Razzien nach Bibeln und biblischer Literatur. (Kaven: DDR-Strafvollzug, S. 79 f.)
1955: Verstecke für Bibeln und biblischer Literatur in der Werkstatt gebaut, womit Austausch unter den Gefangenen erleichtert wurde. (Kaven: DDR-Strafvollzug, S. 102.)
1957: Trotz verstärkter Kontrollen gelangt der „Wachtturm“ in das Männerzuchthaus. (Kaven: DDR-Strafvollzug, S. 124 f.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Kommunismus
Frauen
Männer
- Hermann Bonatz
- Gerhard Buuck
- Ernst Hartig
- Rolf Heinemann
- Ewald Kaven
- Gerhard Krüger
- August Müller
- Ernst Pietzko
- Heinz Sakowski
- Johann Salamon
- Hans Saueressig
- Hans Ullrich
- Ernst Zander
Gedenkzeichen
In Bützow erinnert neben dem ehemaligen Standort des Frauengefängnisses im Krummen Haus seit 1985 eine Dokumentationsstätte an die Geschichte der Bützower Strafanstalten. Eine überarbeitete Dauerausstellung mit dem Titel „Dokumentation zum politischen Missbrauch des Strafvollzuges“ wurde 2003 eröffnet und gibt Hinweise auf die Inhaftierung von Jehovas Zeugen im Nationalsozialismus (hier wird das Schicksal von Karl und Anna Ebell und Wilhelm Wohler dargestellt) und in der DDR (hier gibt es Lesemappen zu Ewald Kaven und Gerhard Krüger und ein Exponat von Hans Ullrich). (Wagner: Politische Strafjustiz.)