Buchenwald, Konzentrationslager
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Adresse
Konzentrationslager Buchenwald (1937–1945)
Sowjetisches Speziallager Nr. 2 (1945–1950)
Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald (1958–1990)
Gedenkstätte Buchenwald (seit 1991)
Weimar, Buchenwald, Deutschland
Informationen zum Ort
Am 15. Juli 1937 trafen die ersten Häftlinge auf dem später 400.000 m² großen Gelände auf dem Ettersberg bei Weimar ein, um dort das KZ Buchenwald zu errichten. Sie mussten zunächst den Wald roden, Straßen anlegen und dann ein Barackenlager aufbauen. Nachdem kurz darauf die Lager Sachsenburg und Lichtenburg aufgelöst wurden, trafen von dort auch Zeugen Jehovas in Buchenwald ein. Zum Ende des Jahres 1937 befanden sich 2.561 Gefangene in Buchenwald. Das Lager war für 8.000 Häftlinge konzipiert, doch wurde diese Zahl bereits 1938 überschritten.
Im Mai 1938 betrug der Anteil der Zeugen Jehovas in Buchenwald zwölf Prozent aller Häftlinge. Die Zeugen wurden ab August 1937 bei der Ankunft im Lager sofort der Strafkompanie zugeteilt, wo sie gewöhnlich drei bis neun Monate blieben. In der Strafkompanie mussten die Häftlinge in einem Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tag die schwersten und schmutzigsten Arbeiten verrichten, darunter Steine- und Lastentragen im Steinbruch, Ausschachten und Jaucheentsorgung. Gearbeitet wurde auch Sonntags.
Währen in den anderen Konzentrationslagern die Einschränkung, dass Zeugen Jehovas monatlich nur 25 Worte an ihre Angehörigen schreiben durften, 1942 aufgehoben wurde, blieb diese in Buchenwald bis zum Kriegsende in Kraft. Die Briefe enthielten den Stempelaufdruck: „Der Schutzhäftling ist nach wie vor hartnäckiger Bibelforscher und weigert sich von der Irrlehre der Bibelforscher abzulassen. Aus diesem Grunde ist ihm lediglich die Erleichterung, den sonst zulässigen Briefwechsel zu pflegen, genommen worden.“
Im Februar 1938 wurde der von den Häftlingen „Bunker“ genannte Zellenbau im Torgebäude erstmals belegt. 1938/1939 brach eine Typhusepidemie aus. Das Sonderstandesamt Weimar II nahm am 1. April 1939 im KZ die Arbeit auf, die überwiegend in der Registrierung der Toten bestand. Im Sommer 1940 nahm die SS das lagereigene Krematorium in Betrieb. Ab 1941 wurden kranke und invalide Häftlinge von „Euthanasie“-Gutachtern zur Vernichtung ausgesondert. Zu ihnen gehörte auch der Zeuge Jehovas Wilhelm Nollert. Im gleichen Jahr kamen Tausende Kriegsgefangene in das Lager.
1942 begannen in den Krankenbaracken medizinische Versuche an Häftlingen, wobei diese u. a. mit Fleckfieber infiziert wurden, um die Wirksamkeit von Impfstoffen zu testen. Viele Opfer starben qualvoll.
1942 trafen auch niederländische Zeugen Jehovas aus dem Durchgangslager Amersfoort in Buchenwald ein. Ungefähr zur gleichen Zeit begann sich die Lage für viele Zeugen Jehovas im Lager zu verbessern. Einige von ihnen wurden zu teilweise unbewachten Einsätzen außerhalb des Lagers und in SS-Haushalte abkommandiert, da die SS wusste, dass sie von den Zeugen Jehovas nichts zu befürchten hatte. Andere wurden in Vertrauensstellungen innerhalb des Lagers eingesetzt, so z. B. als Schreiber, Fotolaborant und in der Bildhauerwerkstatt.
Zum Konzentrationslager gehörten bis zu 139 Außenlager häufig in Industriebetrieben, wie im Stahl- und Fahrzeugbau. Die meisten Lager befanden sich in Mitteldeutschland und im Ruhrgebiet. 1944 verrichtete jeder zweite Buchenwald-Häftling Zwangsarbeit in einem Außenlager, häufig für die Rüstungsproduktion. Bei Luftangriffen der Alliierten auf diese Betriebe starben hunderte Häftlinge. Zu den Außenlagern gehörte auch das Lager Dora in einem Stollen unter Tage, in dem Raketen (V1 und V2) produziert wurden. Dieses Außenlager wurde am 28. Oktober 1944 als letztes Konzentrationslager unter dem Namen KZ Mittelbau selbständig. Ab dem 1. Mai 1943 gehörte auch das ehemalige KZ Niederhagen als Außenlager Wewelsburg zum KZ Buchenwald, wo sich nur noch ein Restkommando von 42 Häftlingen, darunter 40 Zeugen Jehovas befand.
Im Herbst 1942 richtete die SS insgesamt fünf Baubrigaden ein. So wurde im September 1942 im KZ Buchenwald die SS-Baubrigade III aufgestellt, die zunächst hauptsächlich in Köln, sowie einigen weiteren Städten des Rheinlands zur Trümmerbeseitigung eingesetzt wurde. Am 9. September 1944 erreichte die SS-Baubrigade I nach einem Evakuierungstransport von der Kanalinsel Alderney das KZ-Außenlager Rehungen, welches damals dem KZ Buchenwald unterstand. Nachdem am 28. Oktober das bis dahin ebenfalls dem KZ Buchenwald unterstehende KZ-Außenlager Dora als Hauptlager Mittelbau selbständig wurde, ging auch die Zuständigkeit für die SS-Baubrigade I und das KZ-Außenlager von Buchenwald auf das neue KZ Mittelbau über. Zu diesem Zeitpunkt gehörten 441 männliche Häftlinge, darunter 49 Zeugen Jehovas zur SS-Baubrigade I.
Die Gesamtzahl der Häftlinge in den Jahren 1937 bis 1945 betrug 277.800 aus über 50 Ländern. Darunter waren 30.000 Minderjährige und 28.230 Frauen, die in Außenlagern inhaftiert waren, die vom KZ Ravenbrück übernommen wurden. Allein im Februar 1945 betrug die Zahl der Häftlinge in Buchenwald 112.050. Im Lager starben etwa 56.000 Häftlinge, weitere 1.944 wurden mit Todestransporten in das KZ Auschwitz gebracht. Durchschnittlich befanden sich ständig 300 bis 400 Zeugen Jehovas in Buchenwald, insgesamt waren es um die 800.
Anfang 1945 musste das Lager Tausende Häftlinge aufnehmen, die aufgrund der Räumung der KZ Auschwitz und Groß-Rosen auf Viehwaggons nach Buchenwald transportiert wurden. Vom 7. bis 10. April 1945 trieb die SS 28.000 Häftlinge auf Todesmärschen meist in Richtung der KZ Dachau und Flossenbürg. 21.000 Häftlinge wurden am 11. April 1945 von der amerikanischen Armee in Buchenwald befreit. Auf Befehl des US-Kommandanten mussten 1.000 Weimarer Bürger am 16. April 1945 das befreite KZ besichtigen. Kurz darauf kehrten die befreiten Gefangenen in ihre Heimat zurück.
Im Sommer 1945 wurde das Lager an die sowjetische Militäradministration übergeben, die hier bis 1950 ein Speziallager einrichtete. Bisher ist nicht bekannt, dass sich unter den etwa 60.000 Häftlingen des Speziallagers Zeugen Jehovas befanden.
(Stein: Buchenwald - Stammlager; Garbe: Zwischen Widerstand, S. 403, 411, 413, 458 f.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Am 6. September 1939 verweigerten Zeugen Jehovas im Angesicht aufgestellter Maschinengewehre geschlossen die Meldung zur Wehrmacht. Sie wurden mit Zwangsarbeit im Steinbruch bestraft und ihnen wurde die Behandlung im Krankenrevier versagt. Darüber hinaus verweigerten Zeugen Jehovas in Buchenwald alle Arbeiten, durch den sie den Krieg unterstützt oder einem Mithäftling geschadet hätten. Oft war Mehrarbeit die Strafe. Bei einer Gelegenheit erhielt der gesamte Block der Zeugen Jehovas eine Woche Essensentzug. Als sich die Zeugen am 15. Januar 1942 weigerten, Pullover für die Wehrmachttruppen an der Ostfront zu spenden, nahm man ihnen nicht nur ihre Pullover, sondern auch ihre Handschuhe, Ohrenschützer und Unterhemden weg und ließ sie drei Wochen lang in Holzschuhen und unzureichender Bekleidung bei minus 15° C im Freien arbeiten. (Garbe: Zwischen Widerstand, S. 426, 434.)
Bei verschiedenen Gelegenheiten teilten Zeugen Jehovas in Buchenwald ihre karge Brotrationen mit Juden, so der inhaftierte Bäcker Martin Bertram und auch Leopold Engleitner. (Wilker: Judenhelfer, S. 55.)
Die Zeugen Jehovas führten eine besondere Aktion durch, bei der sie tausenden Mithäftlingen von der biblischen Botschaft erzählten. Das führte dazu, dass andere Häftlinge den Glauben der Zeugen Jehovas annahmen, darunter die beiden Juden Max Liebster und Fritz Heikorn. (Wilker: Judenhelfer, S. 72 f; Müller: Endstation, S. 57, 245.)
Bei der Ankunft von Zeugen Jehovas im Lager wurden diese von ihren Glaubensbrüdern gebeten, das aufzuschreiben, was sie aus den aktuellen Ausgaben der Zeitschrift „Der Wachtturm“ noch im Sinn hatten. Davon wurden Abschriften angefertigt, auch anderen Häftlingen zugänglich gemacht und bei Verlegungen in andere Lager oder Außenlager geschmuggelt. Es gelang den Zeugen Jehovas auch, heimlich das Abendmahl zu feiern und Taufen durchzuführen. Im Block 42 stärkten sich 1944/45 die Zeugen Jehovas heimlich durch biblische Vorträge, die oft von Wilhelm Töllner gehalten und von Karl Noske mitstenografiert wurden. (Krüger: Eine Bibel, S. 46 f.; Garbe: Zwischen Widerstand, S. 445, 450.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
- Harald Abt
- Heinrich Albrecht
- Franz Theodor Barth
- Eduard Bauer
- Martin Bertram
- Friedrich Brosius
- Karl Cyranek
- Leopold Engleitner
- Fritz Ernst Gottschling
- Emil Guth
- Paul Handke
- Fritz Heikorn
- Heinrich Herbener
- Friedrich Kreier
- Hermann Kubalski
- Hermann Karl Kutowsky
- Otto Leischning
- Max Liebster
- Gottfried Emil Mehlhorn
- Hubert Nobis
- Wilhelm Nollert
- Karl Noske
- Karl Ohm
- Paul Otto Schneider
- Friedrich Schütters
- Karl Josef Siebeneichler
- Wilhelm Steitz
- Johannes Steyer
- Ludwig Stikel
- Alfred Stüber
- Wilhelm Töllner
- Franz Weishahn
- Hermann Wenzel
- Karl Wolf
Gedenkzeichen
Das Politbüro der SED beschloss 1950 den Abriss des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald mit Ausnahme des Lagertors, zweier Wachtürme und des Krematoriums und gleichzeitig die Errichtung einer Gedenkstätte für den Kommunisten Ernst Thälmann. Am 14. September 1958 wurde an der Stelle der Massengräber ein monumentales Mahnmal eingeweiht, das als erstes Nationaldenkmal der DDR galt. Damit wurde Buchenwald die erste von drei Nationalen Mahn- und Gedenkstätten in der DDR und ein „antifaschistischer Wallfahrtsort“, der politisch instrumentalisiert wurde, in dessen Ausstellungen der kommunistischer Widerstand in den Vordergrund rückte und dabei ganze Opfergruppen ausgeschlossen wurden. An die in Buchenwald inhaftierten Zeugen Jehovas wurde bis 1990 nicht erinnert. (Combe: Buchenwald und seine Nachgeschichte.)
1991 erfolgte auf Empfehlung einer unabhängigen Historikerkommission eine Umgestaltung zur heutigen Gedenkstätte Buchenwald. In der Dauerausstellung der Gedenkstätte werden Jehovas Zeugen seitdem mehrfach erwähnt.
An den Hörstationen im Kammergebäude findet sich eine Audiodatei zu den Briefen von Otto Leischning, die seine im KZ Ravensbrück inhaftierte Ehefrau nicht erreichten.
Im Auftrag des Lagerkomitees fertigten die Zeugen Jehovas Alfred Stüber und Heinrich Albrecht, die in der Fotoabteilung des Konzentrationslagers gearbeitet hatten, unmittelbar nach der Befreiung eine Fotoserie mit über 70 Aufnahmen an. Einige der Fotos sind häufig publiziert worden und auch in der Dauerausstellung der Gedenkstätte zu sehen. Kopien der Fotografien wurden noch im Frühling 1945 privat angefertigt und von Hunderten ehemaligen Häftlingen beim Verlassen des Lagers mitgenommen.
Der Zeuge Jehovas Johannes Steyer malte nach seiner Befreiung einen Zyklus bestehend aus 35 Aquarellen, die seine Verfolgungsgeschichte thematisieren. Ein Großteil der Bilder enthält Szenen aus dem KZ Buchenwald. Die Aquarelle zeigen u. a. die Arbeit und Ermordung eines Häftlings im Steinbruch. Sie sind Teil einer Wanderausstellung, die schon an verschiedenen Orten, auch in Tel Aviv (Israel), gezeigt wurde. (Wrobel: Buchenwald-Zyklus, S. 134–159.)
Am 9. Mai 2002 wurde beim ehemaligen Block 45 ein Gedenkstein zur Erinnerung an die in Buchenwald inhaftierten Zeugen Jehovas enthüllt. Die Inschrift enthält das Bibelzitat aus Apostelgeschichte 5, 29 in deutscher und englischer Sprache.